Ein cremefarbener Porsche 356 Cabriolet an einem Strand an der Ägäis – auf den ersten Blick scheint es sich um einen perfekt erhaltenen Klassiker aus deutscher Produktion zu handeln.
Doch das Fahrzeug stammt aus Griechenland: In einem Gewerbegebiet der makedonischen Stadt Katerini fertigen Elias Gaganelis und sein Sohn Sokratis in ihrer Firma Replicar Hellas (RCH) hochwertige Nachbauten legendärer Porsche-Modelle wie des 356 und des Sportwagens 550. Was heute wie eine Erfolgsgeschichte wirkt, begann mit vielen Schwierigkeiten. Gaganelis, der seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Deutschland absolvierte, gründete RCH im Jahr 2007. „Viele hielten mich für verrückt“, erinnert er sich. Ein Fahrzeughersteller in einem Land ohne große Tradition im Automobilbau – noch dazu kurz vor der Finanzkrise – schien vielen ein Wagnis. Hinzu kamen rechtliche Hürden. Mittlerweile ist RCH als Fahrzeughersteller anerkannt, die Produktion ist ISO-zertifiziert und die Autos werden in zahlreiche Länder exportiert. Jedes Fahrzeug entsteht individuell nach Kundenwunsch. Die Sportwagen verbinden deutsche Ingenieurskunst mit griechischer Handarbeit. Die Motoren basieren auf Volkswagen-Technik, während viele Komponenten sorgfältig angepasst oder in Einzelanfertigung hergestellt werden. Auch bei Details wie Kabelbäumen oder Innenausstattung ist Präzision gefragt. Die Preise beginnen bei etwa 57.000 Euro für einen 356er und können bei umfangreichen Sonderanfertigungen deutlich über 100.000 Euro steigen. Trotz der kleinen Produktionszahlen sind die Fahrzeuge international gefragt. Rund 24 Wagen entstehen pro Jahr, die Lieferzeiten liegen zwischen acht und 16 Monaten. Vor der Übergabe werden alle Autos mehrere hundert Kilometer eingefahren und geprüft. Die RCH-Modelle sind mehr als einfache Repliken. Sie stehen für ein ursprüngliches Fahrerlebnis ohne digitale Ablenkung – eine Verbindung aus Nostalgie, Handwerk und Leidenschaft. Aus einer kleinen Werkstatt in Katerini sind so rollende Kunstwerke entstanden, die Liebhaber auf der ganzen Welt begeistern. Unser Autor Jürgen Weidner sah sich in der Produktionsstätte um und testete eines dieser Fahrzeuge persönlich.
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