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Griechenlands Küstenwache entschuldigt sich für Bootsunglück vor Farmakonisi Tagesthema

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Griechenlands Küstenwache entschuldigt sich für Bootsunglück vor Farmakonisi
Die Hintergründe des Bootsunglücks vor Farmakonisi, das 12 Todesopfer forderte, wurden am Mittwoch im Parlament erörtert. Der Chef der Küstenwache entschuldigte sich bei den Familien der Opfer. Menschenrechtsorganisationen, die griechische Opposition und der Bürgeranwalt verlangen umfassende Aufklärung.Das Thema des Menschenschmuggels in den griechischen Gewässern, vor allem entlang der türkischen Grenze, wurde am Mittwoch vom Parlamentsausschuss für das Management der illegalen Immigration in der Ägäis erörtert. Hintergrund war eine Tragödie vor der Insel Farmakonisi Anfang der vorigen Woche, bei der 12 Menschen, vor allem Kinder, ums Leben kamen.
der, ums Leben kamen. Menschenrechtsorganisationen und zahlreiche andere Kritiker sehen die Schuld dafür bei der griechischen Küstenwache. Gemeinsam mit der griechischen Opposition fordern sie die Aufklärung des Vorfalls durch unabhängige Inspektoren. Auch der griechische Ombudsmann meldete sich zu Wort. Er verlangte die gründliche Untersuchung der Hintergründe des jüngsten Unglücks, vor allem sollten die überlebenden Flüchtlinge aufmerksam angehört werden. Als Zeichen der Solidarität mit den Immigranten fanden in Griechenland bereits zahlreiche Kundgebungen statt (siehe Foto).

Unterschiedliche Varianten über das Unglück
Der Leiter der Küstenwache, Vizeadmiral Dimitris Bandias, hat sich am Mittwoch öffentlich für das Unglück bei den Familien der Opfer, bei der griechischen Regierung und auch beim griechischen Volk entschuldigt. Gleichzeitig stellte er fest, dass seine Männer alles getan hätten, was in ihren Kräften stand, um die Verunglückten aus dem Wasser zu retten. „Es ist uns unmöglich, mit allem fertig zu werden", sagte er mit Blick auf die angespannte Lage in der Ägäis.
Die Tragödie hatte sich am Montag voriger Woche in den frühen Morgenstunden unter sehr schwierigen Bedingungen ereignet; es war noch dunkel und das stürmische Meer türmte bis zu zwei Meter hohe Wellen auf. Das Fischerboot, das Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien an Bord hatte, hatte Notrufe signalisiert. Als die Küstenwache am Unglücksort eintraf, sei das Boot gekentert, so die offizielle Version. Die Aussagen der Überlebenden sind dazu aber geteilt. Eine Gruppe erklärt, dass die Küstenwache ihr Fischerboot ins Schlepptau genommen habe. Man sei mit viel zu hoher Geschwindigkeit gefahren, wodurch das Seil gerissen sei. Nachdem zwei Personen über Bord gefallen waren, seien die übrigen Passagiere zu Hilfe geeilt und hätten sich dabei auf der einen Seite des Bootes versammelt. Dadurch sei das überladene Wasserfahrzeug gekentert. Die Männer der Küstenwache hätten ihnen im Anschluss die Möglichkeit verweigert, auf das Boot der Küstenwache zu klettern um sich zu retten. Eine andere Gruppe von Flüchtlingen sagte hingegen aus, dass ihnen erst durch die Hilfe der Küstenwache das Leben gerettet worden sei.

Bisher mehr als 3.000 Menschenleben gerettet

Letztere Version vertritt auch die griechische Regierung. Am Mittwoch erklärte im griechischen Parlament der Minister für Handelsschifffahrt Miltiadis Varvitsiotis, man sei dem Grundsatz verpflichtet, keine Menschenleben im Meer zu verlieren. In zahlreichen Notsituationen habe die Küstenwache bisher 3.194 Menschenleben gerettet. Allein zwischen August 2012 und Dezember 2013 seien 605 Vorfälle mit Bootsflüchtlingen registriert worden. Vorübergehend festgenommen wurden dabei 10.902 Personen aus Drittländern und 152 Menschenschmuggler. Ein hochrangiges Mitglied der Küstenwache erklärte wie es zu den zahlreichen Unglücksfällen auf offener See komme. Seiner Meinung nach hätten die Flüchtlinge und Immigranten von den Menschenschmugglern die strikte Anweisung erhalten, sobald sie ein Boot der griechischen Küstenwache erblicken, das eigene Wasserfahrzeug zum Kentern zu bringen und sämtliche Papiere bzw. Ausweise, die sie bei sich haben, ins Meer zu werfen. Nach ihrer Rettung sollten sie es diesen Anweisungen zufolge vermeiden, Englisch zu sprechen und stattdessen immer wieder das Wort „Palästinenser" wiederholen. Unter diesen Umständen, so habe man den Flüchtlingen eingeschärft, bestehe keine Gefahr, dass sie repatriiert oder zurück in die Türkei geschickt würden.
(Text: Elisa Hübel, Foto: Eurokinissi)
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