Der Vorsitzende des griechischen Dachverbandes der Gewerkschaften im Privatsektor (GSEE), Jannis Panagopoulos, ist schwer in Bedrängnis – doch zurücktreten wird er nicht. Ganz im Gegenteil: Für den bevorstehenden Gewerkschaftskongress im April kündigte der seit 20 Jahren amtierende Vorsitzende seine erneute Kandidatur an.
Die letzten Tage waren für Jannis Panagopoulos absolut nicht einfach. In den Medien wurde er immer wieder mit der Veruntreuung von öffentlichen Geldern in Verbindung gebracht: Im Zentrum der Vorwürfe stehen Finanzmittel in Höhe von 73 Millionen Euro, die im Zeitraum von 2020 bis 2025 für Fortbildungsprogramme zur Verfügung standen – und die angeblich veruntreut wurden, ohne dass Arbeitslose oder Arbeitnehmer nennenswert davon profitiert hätten. Daraufhin schaltete sich die Justiz ein, sein Bankkonto wurde eingefroren.
„Rufmord“ mittels „Non-Paper“
Nun geht der GSEE-Vorsitzende in die Offensive. Während einer Pressekonferenz am Donnerstag (12.2.) verteidigte er sich gegen Vorwürfe der Geldwäsche und Veruntreuung von öffentlichen Finanzen; seinen Darstellungen zufolge sei nicht ein Fünkchen Wahrheit daran. Panagopoulos, der seit fast 20 Jahren am Steuer der Gewerkschaft sitzt und hunderttausende Arbeitnehmer vertritt, sprach von „Rufmord“, der mittels eines sogenanntes „Non-Papers“, im offiziellen Sprachgebrauch eine offiziell nicht zitierfähige Veröffentlichung, entstanden sei. Zudem verwies er auf das Prinzip der Unschuldsvermutung, was man völlig außer Acht gelassen habe. Er stehe selbstverständlich für alle Untersuchungen der Vorwürfe zur vollsten Verfügung; allerdings habe er bis heute nicht einmal den offiziellen Bericht der zuständigen Behörde zur Kenntnis nehmen können, um sich entsprechend verteidigen zu können. Dass man gerade jetzt gegen ihn als Gewerkschaftsvorsitzenden mobil mache, dahinter sieht er Interessen von Parteien und bestimmten Unternehmern sowie innergewerkschaftliche Machtkämpfe angesichts des bevorstehenden 38. Kongresses der bereits 1918 gegründeten GSEE.
Kein verlängerter Arm der PASOK
Der ins Sperrfeuer der Kritik geratene Vorsitzende verwies darauf, dass der von ihm geführte sozialistische Gewerkschaftsflügel PASKE eine autonome Fraktion der Arbeitnehmer sei und nicht etwa ein verlängerter Arm der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK). Motiv für seine Arbeit als Vorsitzender seien die Interessen der Arbeitnehmer und nicht die der Partei. – Nach Bekanntwerden der gegen ihn erhobenen Vorwürfe war Panagopoulos von der PASOK als Parteimitglied suspendiert worden.
Nach dem Motto: „jetzt erst recht“ kündigte er an, dass er seinen Gewerkschaftsflügel PASKE beim bevorstehenden 38. Kongress erfolgreich in den Urnengang führen werde. Die PASKE, so kommentierte er, bringe 43 bis 44 Prozent der Wahlberechtigten auf die Waage, nicht etwa wie die PASOK nur 12 bis 14 Prozent der Stimmen.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)