Die politische Aufmerksamkeit in Griechenland konzentriert sich in diesen Tagen auf die Internationale Messe Thessaloniki (DETh), die am 5. September zum 90. Mal ihre Pforten öffnet. Traditionell nutzen der Regierungschef und die Vorsitzenden der Parlamentsparteien diesen mehrtägigen Event als eine Tribüne, um die Grundzüge ihrer Politik für die kommenden Monate zu skizzieren.
Da spätestens im kommenden Frühjahr Parlamentswahlen stattfinden, ist in diesem Jahr mit besonderen Akzentuierungen zu rechnen. Die übliche Eröffnungsrede von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis ist für den Samstag kommender Woche (5.9.) angesetzt. Am Sonntag danach wird er bei einer Pressekonferenz Journalisten aus dem ganzen Land Rede und Antwort stehen. In den Fokus dürfte vor allem die Wirtschafts- und Sozialpolitik rücken. Dazu gehören auch zahlreiche Entlastungsmaßnahmen, um die Folgen der Inflation für breite Bevölkerungsschichten abzufedern.
Für Aufsehen sorgte eine Entscheidung des Vorsitzenden der erst kürzlich gegründeten Partei ELAS (Griechische Linke Allianz), Alexis Tsipras. Dieser wird bereits am 2. September das Wirtschaftsprogramm seiner Partei in einem bekannten Hotel in Thessaloniki vorstellen. Damit nicht genug: Der Linkspolitiker dürfte noch ein zweites und ein drittes Mal die Aufmerksamkeit in Thessaloniki auf sich konzentrieren. Am 9. September wird er offiziell auf der DETh erwartet, wo er die Messepavillons besucht und im Anschluss wird er die übliche Pressekonferenz geben.
Bobachter kommentierten, dass Tsipras, der von 2015 bis 2019 als Ministerpräsident Griechenlands mit einer Regierung unter dem Linksbündnis SYRIZA die Zügel in der Hand hatte, damit eine aus kommunikationstechnischer Sicht geschickte Kampagne gelungen ist.
Seitens der Regierung der Nea Dimokratia (ND) wird ihm allerdings vorgeworfen, mit einer jahrzehntelangen Tradition zu brechen, nach der die Oppositionsführer erst nach dem Ministerpräsidenten ihren Auftritt haben. Kritisiert wurde dieser Schachzug vor allem auch von der sozialistischen PASOK, die laut Umfragen nach der ND und der ELAS erst auf dem dritten Platz in der Wählergunst liegt. Auch hier verwies man auf die Traditionen der DETh. Bereits seit den 60er Jahren erfolgte die jährliche Eröffnung durch die Ministerpräsidenten des Landes.
Schwerpunkte der Exposition liegen in den Bereichen Konsumgüter, Baumaschinen, Investitionsgüter und Haushaltsgeräte. 1957 soll im Rahmen dieser Messe sogar der legendäre Kaffee „Frappé“ erfunden worden sein, der seither in Griechenland vor allem in den Sommermonaten nicht mehr wegzudenken ist. Ein griechischer Mitarbeiter der Firma Nestlé kam damals auf die Idee, das zur Genüge vorrätige Kaffeepulver in einen Shaker zu geben. Er füllte kaltes Wasser auf, fügte Eiswürfel hinzu, verrührte und schüttelte … Das war die Geburtsstunde des „Frappé“: ein kalter Kaffee mit Schaumkrone, der nach Belieben gesüßt und mit Milch versehen werden kann. (Griechenland Zeitung / Jan Hübel)