Die Reisebranche in Griechenland boomt. Die griechische Opposition verlangt angesichts dieser Tatsache, dass auch kleinere Destinationen und vor allem kleinere Unternehmen vom Reisezuwachs profitieren müssten. Tourismusministerin Kefalogianni brachte ihrerseits den Einsatz Künstlicher Intelligenz ins Spiel.
„Was für einen Tourismus wollen wir haben, unter welchen Konditionen und zu wessen Gunsten?“ Diese Frage stellten am Montag (28.9.) die Ressortverantwortlichen für Tourismus und Umwelt in der offiziell größten Oppositionspartei Griechenlands, der sozialistischen PASOK. Ausschlaggebend war ein in diesem Jahr vor der Regierung veröffentlichter Raumordnungsplan für den Tourismus. Die Sozialisten Katerina Spyridaki und Manolis Christodoulakis riefen die Regierung dazu auf, einen Plan vorzubereiten, der „den Herausforderungen des bevorstehenden Jahrzehnts“ gerecht werde. Dabei müsse man sich fragen, ob der veröffentlichte Raumordnungsplan den Tourismus Griechenlands „resistent gegenüber der Klimakrise, der Wasserknappheit, geopolitischer Spannungen und dem zunehmenden internationalen Wettbewerb“ gestalte.
„Überlastete Destinationen“
Die beiden Parlamentarier kritisierten außerdem, dass der „erste große Regelungsbedarf den Umgang mit den bereits weit entwickelten und stark belasteten Reisezielen betrifft“. Die Regierung habe etwa bestimmte Gebiete als „besonders stark entwickelte Tourismusregionen eingestuft und dort strengere Beschränkungen verhängt“. Überlastung dürfe jedoch „kein dauerhaftes Etikett auf der Landkarte sein. Es braucht einen Plan, um diese Situation zu überwinden“, erklärten die beiden Volksvertreter. „Es reicht nicht aus, festzulegen, wo gebaut werden darf. Wir müssen entscheiden, wohin wir den griechischen Tourismus führen wollen“, erklärten sie und fassten zusammen: „Der griechische Tourismus braucht klare Regeln, Investitionen und Rechtssicherheit. Vor allem aber braucht er einen Plan. Nicht einfach mehr Wachstum, sondern besseres Wachstum: widerstandsfähiger, wettbewerbsfähiger, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht – mit einem angemessenen Nutzen für unsere Reiseziele“.
Profite von Finanzierungsinstrumenten
Ihr Kollege Petros Pappas, ebenfalls von der PASOK, rückte hingegen die Unterstützung der kleinen und familienbetriebenen touristischen Unternehmen in Nordgriechenland in den Vordergrund. In einer parlamentarischen Anfrage, die an die Ministerien für Wirtschaft, Entwicklung und Tourismus gerichtet ist, bedauert er, dass Investitionen in große touristische Projekte nicht ausreichen würden, um die reale Situation des Tourismus in Griechenland widerzuspiegeln. Vor allem kritisierte er, dass kleinere touristische Unternehmen, „die Arbeitsplätze schaffen und lokale Lieferanten unterstützen“, nur gering Zugang zu Investitionen genießen. Dabei beantragte er offizielle Daten über Versteigerungen touristischer Einrichtungen in den Jahren 2024-2026, um sich ein Bild von der tatsächlichen Lage zu machen. Zudem stellte er die Frage: „Wer profitiert letztlich von den Finanzierungsinstrumenten?“
Außerdem sprach er sich für eine Erweiterung der touristischen Saison und eine bessere Verbindung zwischen Thessaloniki, der Chalkidiki und Thrakien aus. In seiner Anfrage fasste er zusammen: „Die Jubelrufe über den Tourismus reichen nicht aus, wenn kleine Familienbetriebe um ihre Existenz kämpfen. Wachstum muss auch dem kleinen Unternehmer eine Perspektive bieten – und darf nicht nur den großen Konzernen zugutekommen.“
Tourismus und KI
Unterdessen hatte Tourismusministerin Olga Kefalogianni der Nachrichtenagentur APE-MPE ein Interview anlässlich des Welttourismustages am 27. September gegeben. Dabei stellte sie fest, dass die Künstliche Intelligenz (KI) bereits den Tourismus verändert habe. Dies betreffe etwa die Art und Weise, mit der Urlauber ihre Urlaubsdestination auswählen als auch wie sie ihre Reise organisieren und wie diese Destinationen ihr Wachstum gestalten. Dabei erklärte sie, dass es Ziel ihres Ministeriums sei, ein „Wachstum mit Qualität und Maß“ aufzubauen. Dabei müsse sich der Tourismus über eine Vielzahl von Orten und für einen längeren Zeitraum im Jahr ausbreiten.
Daten der Bank von Griechenland zufolge nahm der Tourismus im Zeitraum von Januar bis Juli 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 um 8,6 % zu. Die absolute Zahl der Urlauber stieg damit in diesem Zeitraum von 18,45 Millionen auf 20,04 Millionen. Vor allem bei Reisenden aus Deutschland ist Griechenland äußerst beliebt, in diesem Zeitraum ist hier ein Zuwachs von 7,7 % zu verzeichnen. – Die Einnahmen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres in der Reisebranche erwirtschaftet wurden, stiegen um 12 % auf 13,52 Milliarden Euro. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)