Der griechische Wirtschafts- und Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, der gleichzeitig auch Euro-Gruppen-Chef ist, stattete am Montag und Dienstag dieser Woche (28./29.9.) der Schweiz und Deutschland offizielle Besuche ab.
In Basel hat er sich der Gast aus Athen am Montag mit dem Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Pablo Hernández de Cos getroffen. Am Dienstag führte ihn seine Reise nach Frankfurt, wo er an einer Veranstaltung im Rahmen der 4. Finanzplatzkonferenz der Deutsche Bundesbank teilgenommen hat. In diesem Rahmen beteiligte er sich an einem Gespräch mit dem Bundesbankpräsidenten Joachim Nagel zum Thema „Chancen für Europa in einer neuen Weltordnung“. In seiner Rede stellte er fest: „Angesichts des globalen Wandels muss Europa sein Wirtschaftsmodell neu ausrichten“. Dabei erklärte er: „Die Herausforderung für Europa besteht nicht in der Diagnose, sondern in der Umsetzung von Reformen.“ In diesem Zusammenhang stellte Pierrakakis fest, dass Europa vorankomme und Ergebnisse erziele. Die Herausforderung bestehe jedoch darin, „ob es uns gelingt, gleichzeitig an allen Fronten voranzukommen“. Weiterhin gab er zu bedenken, dass „sich die Entscheidungen in den Bereichen Verteidigung, Energie und Technologie auf unsere Haushalte auswirken und damit auch auf unsere Wirtschaftspolitik“. Daher müssten „die Reformen gleichzeitig vorangebracht werden“.
In Anspielung auf die 2010 in Griechenland ausgebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise gab er zu bedenken: „In Griechenland haben wir jahrzehntelang über bestimmte Reformen gesprochen. Es war eigentlich klar, was zu tun war. Wir wussten, dass wir Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Rentensystem brauchten. Wir wussten, dass wir unsere öffentlichen Finanzen in Ordnung bringen, die Steuerhinterziehung bekämpfen und Reformen im Bildungs- und Gesundheitswesen umsetzen mussten.“
In seiner Rede bedauerte der Gast aus Athen, dass etwa 61 Prozent der Unternehmen in Europa die Bürokratie als ein Hindernis für zu tätigende Investitionen sehen. Letztendlich erklärte er, dass laut einer Umfrage die Einführung des einheitlichen digitalen Zugangs zu staatlichen Dienstleistungen in Griechenland (gov.gr), als die zweitbeliebteste Reform in der Geschichte des Landes – nach der Einführung des Nationalen Gesundheitssystems – gelte.
Bundesbankpräsident Nagel erklärte seinerseits, dass sich Europa „auf sich selbst konzentrieren“ müsse und: „Europa ist für uns in Europa der wichtigste Markt“. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer fasste ihrerseits zusammen, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland besser als die öffentliche Wahrnehmung sei und dass „Deutschland und Europa die bestehenden Herausforderungen im Blick behalten“ müssten.
Bereits Mitte September hatte Pierrakakis Deutschland einen offiziellen Besuch abgestattet, wo er sich in Berlin u. a. mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem Stellvertreten des Bundeskanzlers und Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil getroffen hatte.
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(Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)