Sind neue Cannabis-Gesetze die Rettung für die griechische Wirtschaft?

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Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt das Plakat der Cannabis-Messe, die im Januar 2020 in Athen stattgefunden hat. Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt das Plakat der Cannabis-Messe, die im Januar 2020 in Athen stattgefunden hat.

Mit Cannabis aus der Krise, so lässt sich das derzeitige Vorhaben der griechischen Regierung knapp zusammenfassen. Ein solches Rettungspaket ist dringend nötig, denn die griechische Wirtschaft hat es nicht leicht. Lange Zeit versuchte sie vergeblich, sich von den Sparmaßnahmen zu erholen, die im Rahmen der Schuldenkrise beschlossen wurden. Nun ist in diesem Jahr auch noch der Tourismus, eine der wichtigsten Wachstumslokomotiven des Landes, eingebrochen. In solch einer Situation ist guter Rat teuer. Die griechische Regierung verfolgt seit einigen Jahren einen ganz besonderen Weg, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Künftig soll das Land ein Vorreiter beim Anbau von medizinischem Cannabis sein. Wenn es nach den Wünschen der Politik geht, sollen durch eine neue Gesetzgebung Investitionen in Milliardenhöhe ausgelöst werden.

Kehrtwende in der Cannabis-Politik

Bis vor kurzem war Cannabis in Griechenland vollständig verboten. Das umfasste sowohl den Privatkonsum als auch den medizinischen Gebrauch. Und auch Hanfbauern waren in Griechenland nicht willkommen. Das sonnige Klima des Mittelmeerstaats eignet sich zwar hervorragend für den Anbau und mit den richtigen Autoflowering-Samen wären im Jahr mehrere Ernten denkbar. Und auf Grund des EU-Rechts war es schon seit längerem möglich, die besten Autoflowering-Züchtungen über Online-Shops wie Zamnesia zu beziehen. Allein der Gesetzgeber tat sich schwer mit dem Gedanken, dass die Hügel des Landes auf einmal von Hanfpflanzen bedeckt sein sollten. Zumindest was die medizinische Verwendung angeht, hat jetzt ein Umdenken eingesetzt. 2017 wurde die medizinische Verwendung von Cannabis legalisiert, ein Jahr später wurden erste Lizenzen für den Anbau vergeben.

Große Hoffnungen auf neue Branche

Für dieses Umdenken ist vermutlich kein neues Gesundheitsbewusstsein in Athen verantwortlich. Vielmehr sind es handfeste finanzielle Überlegungen, die zu der Neuregelung geführt haben. Vorbild dürften die Geschehnisse in Kalifornien und anderen Bundesstaaten der USA sein, wo durch die Legalisierung von Cannabis ein echter Boom ausgelöst wurde. In einem Papier an die EU-Kommission machte die griechische Regierung ihre Erwartungshaltung deutlich. Sie rechnet mit Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, die alleine durch diesen Schritt ausgelöst werden. Im Anbau und in der Verarbeitung sollen außerdem tausende neue Arbeitsplätze entstehen. Bis 2028 könnte der Sektor bis zu 2 Milliarden Euro zur griechischen Wirtschaft beitragen. Noch muss sich der Weltmarkt allerdings ein wenig gedulden, bis die ersten Cannabisprodukte aus Griechenland erhältlich sind. Denn der Prozess zur Lizenzvergabe ist langwierig.

Griechenland weiter in Schieflage

Für die griechische Wirtschaft wäre es wünschenswert, wenn dieser Prozess so schnell wie möglich von statten geht. Denn schon vor der aktuellen Krise war die Arbeitslosenquote dort mit 16,1 Prozent die höchste in ganz Europa. Jetzt wird mit einem Anstieg auf 20 Prozent oder mehr gerechnet. Das ist ein schwerer Rückschlag, denn eigentlich war Griechenland gerade auf einem Erholungskurs. Seit ihrem Höhepunkt im Sommer 2013 war die Arbeitslosigkeit deutlich zurückgegangen. Und für das aktuelle Jahr wurde sogar ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 2,8 Prozent prognostiziert. Daraus wird zunächst nichts. Wie andernorts auch dürfte es Jahre dauern, bis sich das Land von dem Schaden der aktuellen Ereignisse erholt. Aber wer weiß ... vielleicht klappt es in Griechenland dank der neuen Zauberformel ein wenig schneller. (xp)

 

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