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Griechenland setzt verstärkt auf die Tech-Industrie

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Foto (© Pixabay) Foto (© Pixabay)

Die Wirtschaft von Griechenland ist massiv auf den Tourismus ausgerichtet. Diese „Monokultur“ birgt Gefahren in sich, wie man in den letzten Wirtschaftskrisen eindeutig erkennen konnte. Deswegen strebt die Regierung des Landes eine Neuorientierung an. Griechenland soll ein attraktiver Standort für die Hightech-Industrie werden.

Gelingt der Plan, dann könnte dies auch Auswirkungen auf die Arbeitsplatz-Situation in Griechenland haben. Immerhin hat das Land immer noch eine hohe Arbeitslosenquote. IT-Firmen ziehen bekanntermaßen viele Fachkräfte an. Diese waren zuletzt aus dem Land abgewandert, doch nun soll die neue Initiative ihre Rückkehr einleiten. Die Hoffnungen sind nicht ganz unbegründet, immerhin haben bereits Tech-Giganten wie Amazon oder Microsoft angekündigt, in Griechenland investieren zu wollen.

Israel hat den Weg vorgezeigt

Der geplante Schwerpunkt auf Technologie-Unternehmen ist zweifellos zukunftsträchtig. Israel hat schon vor vielen Jahren vorgezeigt, dass sich auch ein kleines Land zum Paradies für Start-ups entwickeln kann – dort spielt ausländisches Kapital eine große Rolle. Die Informationstechnologie beeinflusst längst den Großteil der Wirtschaft. Dies gilt nicht nur für die Fertigung von Produkten, sondern auch für Dienstleistungen oder die Unterhaltungsindustrie. Das sieht man an bekannten Beispielen, wie der Online-Vertriebsplattform für Computerspiele Steam, die einen historischen Höchststand von knapp 24 Millionen gleichzeitigen Nutzern aufweisen kann, oder dem Online Casino PokerStars Vegas, welches ständig das eigene Angebot erweitert und so mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet, Casino-Spiele im Netz zu spielen. Besonders wichtig für Plattformen dieser Art sind die Live-Chats, die Spieler aus der ganzen Welt rund um die Uhr kontaktieren können und normalerweise auf Fernübertragungssoftware basieren.

TeamViewer aus Deutschland ist schon da

Interessanterweise ist genau in diesem Bereich eine Firma aus Deutschland führend, die sich mittlerweile in Griechenland angesiedelt hat: TeamViewer, ein Unternehmen aus dem baden-württembergischen Göppingen, ist bekannt für Software, die ein völlig ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht. Als das Unternehmen im griechischen Ioannina einen Standort eröffnete, kam selbst der griechische Ministerpräsident zu Besuch. Erste Erfolge konnten die IT-Pioniere in Griechenland bereits einfahren. Darunter befindet sich beispielsweise das Unternehmen Terracom. Die Firma ist seit mehr als 20 Jahren aktiv und entwickelt Softwarelösungen zu den Themen Arbeitszeiterfassung und Personalplanung. Das kommt gut an, denn zu den Kunden von Terracom gehören etwa der amerikanische Telekomkonzern Verizon, Vodafone und der Flughafen Heathrow in London.

Ziel ist es, die Wirtschaft neu aufzustellen

Diesem Beispiel will nun das ganze Land folgen. Griechenland soll, wenn es nach dem Willen der Politik geht, ein Land mit mehr Wachstum, Innovation und ausländischen Direktinvestitionen werden. Nur so sei es möglich, den Krisenmodus zu verlassen und die Wirtschaft im Land neu aufzustellen. Zwar haben sich die Investitionen aus dem Ausland in Griechenland in den letzten Jahren verdoppelt, doch dabei handelt es sich immer noch um einen Anteil von lediglich zwei Prozent am Bruttoinlandsprodukt.
Ein Großteil des Geldes floss historisch gesehen immer in den Dienstleistungssektor. Doch Griechenland soll zukünftig nicht nur für Tourismus und Immobilienprojekte bekannt sein, sondern auch für technologische Innovationen. Das würde die Abhängigkeit von ausländischen Urlaubern verringern und die Wirtschaft damit auf eine breitere Basis stellen. Die Regierung setzt daher verstärkt auf Hochtechnologie und möchte Investoren ins Land locken.

Pfizer und Cisco sehen Möglichkeiten gekommen

Sie sollen dem Beispiel von TeamViewer aus Deutschland folgen. Dazu möchte man die Regulierungshürden senken und niedrigere Steuern anbieten. Das hat neben Microsoft und Amazon weitere Interessenten auf den Plan gerufen. Sie haben ihre Meinung geändert und entdecken Griechenland verstärkt als Standort für ihre Niederlassungen. Dazu zählt beispielsweise das Pharmaunternehmen Pfizer. Dieses plant bereits ein Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Griechenland. Der Netzwerkausrüster Cisco hingegen hat bereits ein Zentrum für digitale Transformation eröffnet. Noch einen Schritt weiter geht der Software-Riese Microsoft. Letzterer kündigte an, die größte Investition seiner Geschichte in Griechenland tätigen zu wollen. Dazu steckt der Konzern eine Milliarde Dollar in insgesamt drei Datenzentren. Gleichzeitig hat man sich vorgenommen, in den nächsten Jahren rund 100.000 Griechen in digitalen Technologien zu schulen. Das unterstreicht das Vertrauen des Tech-Giganten in den Kurswechsel des Landes.

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Bis Griechenland ein europäisches Silicon Valley wird, ist noch ein weiter Weg zurückzulegen. Doch die ersten vorsichtigen Schritte in die richtige Richtung bestärken die Verantwortlichen darin, dass ihre Strategie aufgehen könnte. Griechenland hat nun eine echte Chance auf einen wirtschaftlichen Wandel und ist bemüht, seine Möglichkeiten zu nutzen. (ba)

 

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