Newsletter der Griechenland Zeitung
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Ausgabe 1020 vom 13. Mai 2026
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Titel
Ein Kompromiss für den Tourismus Griechenland reagiert auf den starken Tourismusboom mit neuen Regeln, um Natur, Ressourcen und Lebensqualität besser zu schützen. Besonders belastete Inseln wie Santorini, Mykonos oder Korfu gelten künftig als „touristisch gesättigt“, weshalb strengere Bauauflagen, Begrenzungen für neue Hotelbetten und größere Mindestgrundstücke eingeführt werden sollen.
Politik
Politische Brisanz unterschätzt Die geplante Einstellung des griechischsprachigen Programms der Deutsche Welle sorgt weiterhin für politische Spannungen zwischen Deutschland und Griechenland, wobei besonders die griechische Seite gegen die Entscheidung protestiert. Trotz offizieller Sparpläne gibt es Hinweise, dass öffentliche Kampagnen, diplomatische Interventionen und Proteste möglicherweise zu einer Neubewertung der Entscheidung führen könnten. Während Deutschland die Schließung vor allem als finanzielle Maßnahme betrachtet, sieht Griechenland darin auch eine Bedrohung für den Schutz und die Bedeutung der griechischen Sprache innerhalb der EU.
Wirtschaft
Finanzminister kämpft mit KI gegen Steuerhinterziehung Griechenland erzielt dank Digitalisierung und dem Einsatz von KI große Fortschritte im Kampf gegen Steuerhinterziehung und konnte dadurch in den letzten zwei Jahren fast vier Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Unter Finanzminister Kyriakos Pierrakakis nutzt die Steuerbehörde digitale Rechnungen, Echtzeit-Überwachung von Banktransaktionen und KI-Analysen, um Betrugsfälle schneller zu erkennen und verdächtige Vermögenswerte aufzuspüren. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass Griechenland sich vom früheren Krisenstaat zu einem der wenigen EU-Länder mit Haushaltsüberschuss entwickelt hat.
Panorama
Einsatz für Griechenlands Wildtiere seit über 20 Jahren Die griechische Wildtierschutzorganisation ANIMA ruft wegen der derzeitigen Hochsaison in ihren Auffangstationen zu Spenden und freiwilliger Mitarbeit auf. Besonders viele verwaiste oder verletzte Jungtiere wie Vögel, Füchse, Frettchen und Igel müssen aktuell intensiv versorgt werden, was die Pflegezentren stark belastet. Seit ihrer Gründung im Jahr 2005 hat ANIMA nach eigenen Angaben mehr als 80.000 Wildtiere gerettet und engagiert sich zusätzlich in Forschung, Umweltbildung und Rettungseinsätzen.
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Kultur
US-amerikanischer Künstler Jeff Koons im Museum für Kykladische Kunst Das Museum für Kykladische Kunst zeigt bis Ende August die Skulptur Balloon Venus Lespugue (Orange) des amerikanischen Künstlers Jeff Koons, die von der steinzeitlichen Venus von Lespugue inspiriert wurde. Die Ausstellung verbindet prähistorische Kunst mit moderner Bildhauerei und präsentiert neben Koons’ Werk auch Repliken berühmter altsteinzeitlicher Frauenfiguren wie der Venus von Willendorf sowie vorbereitende Skizzen des Künstlers. Koons gilt heute als einer der bekanntesten Vertreter der modernen Kunst, auch wenn seine Werke zwischen Bewunderung und Kritik als kitschig oder kommerziell umstritten sind.
Reportage
Relikt eines früheren Selbstversorgerdaseins Die traditionelle Viehwanderwirtschaft der Walachen in Griechenland steht vor dem Aus, obwohl sie seit Jahrhunderten eine nachhaltige Form der Tierhaltung darstellt. Familien wie die der Kiosis ziehen noch immer mit ihren Herden zwischen Sommer- und Winterweiden umher und bewahren damit eine Lebensweise, die von harter Arbeit, engem Familienzusammenhalt und tiefer Verbundenheit zur Natur geprägt ist. Gleichzeitig verschwinden mit dieser Kultur auch die walachische Sprache und viele alte Traditionen eines einst bedeutenden Hirten- und Händlervolkes.
Sprachrohr
Halsweh ist kein Schnupfen Der heutige griechische Begriff für Schnupfen, sináchi, stammt ursprünglich aus dem Altgriechischen und bezeichnete früher eigentlich eine Halsentzündung oder Verengung des Rachens. Der Text zeigt, wie sich Bedeutungen im Laufe der Sprachgeschichte verändert haben und verbindet dies mit weiteren altgriechischen Begriffen rund um Nase, Schleim und Schnäuzen. Besonders interessant ist, dass Wörter für Nasengeräusche und Rotz im Griechischen auch übertragene Bedeutungen wie Spott, Betrug oder Verhöhnung entwickelten und damit Einblicke in die Kulturgeschichte geben.
Hintergrund
Bündnisse Griechenlands Ausdruck gemeinsamer Sicherheitsinteressen Die sicherheitspolitischen Spannungen im östlichen Mittelmeer nehmen zu, weil Griechenland, Israel und Zypern ihre militärische und strategische Zusammenarbeit ausbauen, was die Türkei als Bedrohung empfindet. Griechenland investiert dabei verstärkt in israelische Verteidigungstechnologie und gemeinsame Militärprogramme, während Ankara mit scharfer Rhetorik, eigenen Manövern und zusätzlicher Militärpräsenz reagiert. Experten halten einen Krieg zwar derzeit für unwahrscheinlich, warnen jedoch davor, dass Aufrüstung, ungelöste Territorialkonflikte und die zunehmende Blockbildung die Lage weiter destabilisieren könnten.
Thema
„Von der Außenwelt abgeschnitten“ Das Gedicht „Mauern“ von Konstantinos Kavafis thematisiert die psychische Gefangenschaft des Menschen durch gesellschaftliche Zwänge und innere Isolation. Der Text zieht dabei Parallelen zu Franz Kafka, Fernando Pessoa und José Ortega y Gasset, deren Werke ebenfalls den Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung im modernen Leben behandeln. Besonders Kavafis’ verborgen gelebte Homosexualität wird als wichtiger Hintergrund für die Darstellung von inneren „Mauern“, Einsamkeit und sozialem Druck hervorgehoben.
Feuilleton
Es blüht und grünt – nicht nur die Kretische Zistrose Die ionischen Küsten- und Bergregionen in Griechenland sind ein Hotspot mediterraner Biodiversität, in dem eine außergewöhnlich artenreiche Flora mit zahlreichen Heilpflanzen auf engem Raum vorkommt. Besonders im Fokus stehen dabei traditionelle Nutzungen von Wildpflanzen wie Kamille und die wissenschaftlich untersuchte Cistus creticus, deren Inhaltsstoffe in der Naturheilkunde und in aktuellen pharmakologischen Studien diskutiert werden. Damit verbindet sich die regionale Pflanzenwelt mit lokalem Erfahrungswissen und moderner Forschung über potenziell antivirale und entzündungshemmende Wirkstoffe.
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Unser Griechenland-Zitat für diese Woche:
Bier oder Wein?
„Wer bist denn du, Dionysos etwa? Beim wahren Bakchos, Ich erkenne dich nicht, weiß nur vom Sohne des Zeus. Der aber duftet nach Nektar und du nach dem Ziegenbock. Kelten, denen die Trauben fremd, haben aus Korn dich gebraut. Wie sollst also du heißen? Demetrios, nicht Dionysos, weizen-, nicht feuergeboren, Brummschädel, nicht Bromios.“
«Τίς, πόθεν εἶς, Διόνυσε; μὰ τὸν ἀληθέα Βάκχον, οὐ σ᾽ ἐπιγιγνώσκω, τὸν Διὸς οἶδα μόνον. κεῖνος νέκταρ ὄδωδε, σὺ δὲ τράγον. ᾖ ῥά σε Κελτοὶ τῇ πενίῃ βοτρύων τεῦξαν ἀπ᾽ ἀσταχύων· τῷ σε χρὴ καλέειν Δημήτριον, οὐ Διόνυσον, πυρογενῆ μᾶλλον καὶ Βρόμον, οὐ Βρόμιον.»
Kaiser Julianus, 4. Jahrhundert n. Chr., (Anthologia Palatina 9, 368)
Einen kommentierenden Text zum Zitat finden Sie in der aktuellen Griechenland Zeitung!
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