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Die „Argolidischen Heiligen“

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Die „Argolidischen Heiligen“

Allzu oft werden Sie ihnen in der Argolis nicht begegnen, den zwei jungen und fünf alten Männern, zumindest nicht auf einer Ikone. Die einzelnen Heiligen sind allein oder mit anderen in den Kirchen der Argolis gegenwärtig. Zwei von ihnen sollen hier gewürdigt werden.

Zum ersten Mal begegneten wir ihnen in einer kleinen Giorgios-Kapelle. An der Straße von Nafplion nach Tolen verweist nach rechts ein neues Hinweisschild zu einem Metamorphosis-Kloster. Hier beginnt ein Neubaugebiet links der Straße. Diese führt zunächst zu einem der häufigen Profiti-Elias-Berge, zu dem ein zwar steiler, aber beleuchteter Fußweg hinauf führt. Die Kapelle auf der Spitze ist leider meist geschlossen. Die Straße endet in einem kleinen Platz, unter dem rechts einige Meter tiefer die Klosterkirche liegt. Vom Kloster selbst zeugen hohe Mauern den Berg aufwärts.

An einem 4. August befanden wir uns nachmittags an der Kirche, als ein Mann mit Kleintransporter ankam, und begann, den Kirchenvorplatz zu schmücken und Beleuchtungsketten zu verlegen. Er erklärte uns, dass am nächsten Abend (dem Vorabend von Metamorphosis, Verklärung Christi) hier ein Gottesdienst mit anschließendem Fest stattfinden würde. Wir waren da und begeistert! Oberhalb der Kirche steht am Fahrweg weit sichtbar die neue Kapelle mit einer Ikone der Argolidischen Heiligen.
Ein zweites Mal fanden wir sie in der Kathedrale von Argos, wo sie zeitweise vom Tagesheiligen überdeckt sind, der auf demselben Pult aufgelegt wird. Reliquien des Heiligen Petros befinden sich hier in „seiner“ Kathedrale und in Nafplion. Petros stammte aus frommer Familie, deren Mitglieder alle in den Mönchsstand übertraten, und wollte eigentlich kein Bischof werden. Er widmete sich in einer Einsiedelei bei Korinth, wo sein ältester Bruder Bischof war, der Hymnendichtung. Nach längeren Bitten wurde er Bischof und wurde von da an berühmt für sein soziales Engagement, das sich auf alle Bittsteller erstreckte, die er so viele wie möglich in seinem Haus aufnahm und versorgte.

Er wirkte Wunder und erscheint bis heute den Menschen in den Straßen von Argos, stellt sich als Bischof von Argos vor und hinterlässt verwunderte Gesprächspartner erst, wenn er plötzlich verschwindet. So erzählt der Pfarrer von Ag. Anastasios in Nafplion, der nördlichsten modernen Kirche in einem Neubaugebiet, die einem jüngeren Heiligen geweiht ist. Dort erhält man Ikonen von Anastasios und CDs mit Gesängen aus dem Gottesdienst zu seinen Ehren. Geboren und aufgewachsen in Nafplion soll Anastasios als Maler in einer Ikonenwerkstatt gearbeitet haben. Er verlobte sich mit einem christlichen Mädchen, von dem ihm kurz danach nicht genannte Verfehlungen zugetragen wurden, worauf er die Verlobung löste. Die Verwandten des Mädchens, „noch nicht fest gegründet im Christentum“, griffen auf magische Künste zurück, um ihn wieder zur Liebe zu ihr zu verführen und ihn zur Heirat zu bewegen. Nach einer gewissen Zeit zeigte das Zaubermittel Wirkung und der junge Mann wurde vollständig verrückt. Die Verwandten des Mädchens bemerkten sein Verhalten und nutzten es aus, um ihn durch die Beschneidung zum Moslem zu machen. Trotzdem verzieh Gott Anastasios und gewährte ihm nach einigen Tagen eine vollständige Heilung seiner geistigen Fähigkeiten.

Anastasios erlangte sein Bewusstsein zurück und sah, dass er einen weißen Turban trug wie die Moslems. Er widerrief den Übertritt zum Islam, wurde verklagt und zum Tode durch Enthauptung. Die anwesenden Moslems waren jedoch mit dem Richterspruch nicht einverstanden. Sie drängten Anastasios aus dem Gerichtshof und griffen ihn an, schlugen und stachen auf ihn ein und hackten seinen Leib in kleine Stücke. Eine andere Version erzählt, das Mädchen sei Muslima gewesen, und nachdem Anastasios die Beziehung gelöst hatte, hätten die Verwandten ihre Ehre gerächt. Am Ort seines Martyriums neben der Panagia-Kirche in Nafplion steht immer noch der alte Olivenbaum, bei dem die Tat geschah. Eine neue (2010) große Marmortafel erinnert daran.

An der Kathedrale trafen wir die Küsterin, die ein T-Shirt mit Wappen und Namen der St.-Ursula-Schule Geisenheim trug, des bischöflichen Gymnasiums in einer Nachbarstadt zu unserem Wohnort, wo meine Frau Lehrerin war. Ob nicht doch der heilige Bischof Petros?

Abb. obere Reihe v. l.: Anastasios, + Argos 01.02.1655. – Theodosios v. Argos der Wundertäter, * 862, + 07. Aug. ????. – Angelis v. Chios, * Argos, + 03.12.1813. – untere Reihe v. l.: Leontios d. Myroblyt v. Dionysiou, * Argos 1520, + 16.03.1580/1605. – Petros Bischof v. Argos, Wundertäter, * 858, + 03.05.928. – Niphon, Patriarch v. Konstantinopel, * Peloponnes, 1430, + 11.08.1508 (1370-1460). – Leonidis, * Pelopones, + um 250/281.

Guntram Schwitalla

Dieser Beitrag und das Foto wurden uns im Rahmen unseres Leserwettbewerbes zum zehnjährigen Jubiläum der Griechenland Zeitung von Guntram Schwitalla zugeschickt. Wir möchten uns dafür ganz herzlich bedanken!

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