Griechenland Zeitung - Leser-Blog / Leser-Geschichten

Görlitz - 100 Jahre deutsch-griechische Freundschaft

Begonnen hat diese im 1. Weltkrieg. König Konstantin I war mit einer Schwester von Kaiser Wilhelm II verheiratet und sympathisierte mit dem deutschen Kaiserreich, die Regierung in Athen aber mit den Alliierten Großbritannien und Frankreich. Das 4. Armeekorps Griechenlands geriet 1916 zwischen die Fronten der Großmächte. Kommandant Ioannis Chatzopoulos bat daraufhin Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg um Hilfe. Dieser vereinbarte, dass die Soldaten „Gäste der Reichsregierung für die Dauer des Krieges“ sein sollten. Und so kamen 6.100 Soldaten und 430 Offiziere in Görlitz unter. Die Soldaten in einer leerstehenden Kaserne und die Offiziere, die auch ihre Familien mitbrachten, wohnten in Privathaushalten. In Görlitz wurden sie sehr herzlich empfangen und prägten alsbald das Bild der Stadt, mit damals ca. 90.000 Einwohnern. Da viele deutsche Männer im Krieg waren, lernten einige Griechen auch Berufe, wie z.B. Schneider oder Schuster. Man verliebte und verheiratete sich, zeugte deutsch-griechischen Nachwuchs. Leider starben 1918 insgesamt 133 Soldaten an der Spanischen Grippe. Noch heute ist das eigens von der Stadt eingerichtete Grabfeld zu besichtigen. Auch nach 1919 blieben noch einige der Griechen in Görlitz und fanden dort ihr Glück, sowohl privat als auch beruflich. Nach 1949 begann das zweite Kapitel der Freundschaftsbeziehung zwischen Görlitz und Griechenland, dieses Mal im mittlerweile polnischen Teil, in Zgorzelec, dem Ostteil von Görlitz. Als der griechische Bürgerkrieg beendet war, mussten tausende Kommunisten fliehen, 14.000 davon kamen nach Polen, viele nach Zgorzelec. Zeitweise nannte man den Ort auch „Republika Grecka“. Den Geflüchteten wurde schnell klar, dass sie so schnell, vielleicht sogar nie, in die Heimat zurückkehren würden. Aufgrund der aberkannten Staatsbürgerschaft konnen viele Griechen erst ab 198, nach dem Sieg von Andreas Papandreou, nach Griechenland zurückkommen. Geblieben sind einige griechische Familiennamen und ein einmal jährlich stattfindendes „Griechisches Festival! seit 2011 unter der Schirmherrschaft des griechischen Botschaft. Auf die nächsten 100 Jahre! Kai sta epomena ekato!

Christiane Dalbeck, Pylos Weiterlesen ...

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Susann – ein Portät

Das Haus liegt weit ab vom Dorf, oben in den Bergen. Die Strasse dorthin ist ein Schotterweg, den man vorsichtig und langsam befahren muss. Einige Schlammlöcher und Steine lassen die Anfahrt abenteuerlich werden. Der Blick jedoch, über den weiten Taleinschnitt bis hin zum Meer, in dem die Sonne sich spiegelt, ist zauberhaft. Weiterlesen ...

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Schinoussa – Sommer 1987

Bei gleißender Hitze bringt uns das Schiff von Iraklia nach Schinoussa. Schinoussa gehört wie Iraklia, Koufonissia und Donussa zu den Erimonissia-Inseln, die zwischen Kos und Naxos liegen. Erimonissi heißt die „Einsamen“ und tatsächlich gibt es dort wenig von all dem Trubel und der Hektik, die der Tourismus auf den meisten Inseln der Kykladen verbreitet. Weiterlesen ...

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Jubiläumsparaden zur Schlacht von Navarino


Also auf zum großen Fest, zumal man vorher noch die unter venezianischer Herrschaft entstandene Festung und das dazugehörige Museum besichtigen konnte. Kaum angekommen, leiteten uns wegen des erwarteten Ansturms freundliche Polizisten auf eine Umgehungsstraße um, die ihrerseits von ortskundigen Griechen auch gleich umgangen wurde. Der große Platz direkt am Hafen mit seinen unzähligen Cafés und riesigen Schatten spendenden Platanen war in der Mitte bereits mit Seilen abgesichert. Ehepaare hatten sich „in Schale geworfen“: über die Schulter gehängte Jacketts, extrem hochhackige Absätze, festlich heraus geputzte Kinder, große Stapel von Plastikstühlen für die Zuschauer. Die obligatorischen Luftballonverkäufer fehlten ebenso wenig, wie emsige Kellner, die auf das anschließende Mittagsgeschäft warteten.
Unsere Enkelin, die mit ihren zwei Jahren natürlich überhaupt nicht wusste, was hier eigentlich passieren sollte, ignorierte den festlichen Trubel juchzend auf einer für 50  Cent sich drehenden Eisenbahn, die außer dem typischen Getute zudem noch Kinderlieder ausstieß (In Koroni kostete die gleiche Lok das Doppelte!)

Schließlich marschierten ganz in weiß uniformierte Soldaten der griechischen Seestreitkräfte in mehr oder weniger gleichem Rhythmus auf den freien Platz, um sich sogleich in den einzigen verfügbaren Schatten zu stellen. Gefolgt von Schülergruppen aus Pylos, Soldaten des griechischen Heeres und einer russischen Delegation, die nun alle in der mittäglichen Herbstsonne braten durften.
Ein älterer Herr, vielleicht der Bürgermeister, kündigte nun mit kratzig-brüchiger Stimme das jeweils Kommende an: Reden wurden gehalten, Kinder trugen patriotische Gedichte vor, die obligatorische Marschmusik und die französisch-englisch-russisch-griechischen Nationalhymnen erklangen, die die jeweiligen Touristen zum Aufstehen zwangen.
Inzwischen hatte sich der gesamte Platz gefüllt. Eltern klatschen und winkten stolz ihren Kindern zu, besonders als dann auch noch der ganze Tross, erweitert um weitere Blaskapellen, Kinder und ältere Damen in wirklich hübschen Trachten an den Zuschauermassen vorbei defilierten.

Unsere Enkelin, die ich überzeugt hatte, dass im Moment einmal Bahn fahren reichen müsste, war nun ebenso angetan von dem, was hier geschah, wie ihre Eltern und Großeltern.
Als dann aber auch noch die russische Delegation vorbeimarschierte – ich hatte einen neben mir stehenden Griechen vorsichtshalber nach ihrer Herkunft befragt, worauf er antwortete, dass man das doch merken würde, weil die im Marschieren mehr auf Zack seien als die eigenen Landsleute, bei denen das eher wie Volkstanz aussehen würde – und die Blaskappellen sich gegenseitig zu überbieten schienen, signalisierte die Zweijährige in einem immerhin schon Vierwortsat:: „Das zu laut eben!“
Zum Glück war dieser Teil der Veranstaltung eh vorüber, sodass wir nun zur Besichtigung eines griechischen und eines russischen vor Anker liegenden Kriegschiffes übergehen konnten, Gedanken an Pazifismus hinter uns lassend, schließlich wollte das Kind ja „da auch hoch“…
Leider war nach einem leckeren Mahl mit Meeresblick (Moussaka, Tirokafteri, Kalamarakia usw.) Schlafenszeit für die Kleine angebrochen, so dass wir nach Hause ins 37 Kilometer entfernte Longá aufbrechen mussten.
Während das Kind bereits auf der Autofahrt einschlief und wohl von dem viel größeren russischen Schiff träumte, reifte in uns allen der Gedanke, dass wir im kommenden Jahr wiederkommen, um auch die Veranstaltungen am Nachmittag mit Tanz und anderen Darbietungen zu besuchen. Vielleicht sehen wir dann auch eines der versenkten Schiffe von 1827, die man angeblich bei schönem Wetter noch auf dem Grund liegen sehen kann. Und hoffentlich kostet die Eisenbahn dann noch immer nur 50 Cent!

(Griechenland Zeitung / Albrecht Schultze, Foto: © Gemeinde Pylos) Weiterlesen ...

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Vorschrift ist Vorschrift

„Vuaschrift is Vuaschrift!“ hätte ein Staatsbeamter der k.u.k. Monarchie gesagt und zugeschaut, wie ein wunderschöner, hölzerner Vorbau eines Hauses, welches seit 1887 besteht, höchstwahrscheinlich so langsam Brett für Brett abgetragen wird, dass es inzwischen einigen wichtigen, namhaften Personen aufgefallen wäre oder man sie darauf aufmerksam gemacht hätte, dass ein schützenswertes, landestypisches, ethnologisches Kulturgut gerade zu verschwinden droht, das erhalten bleiben muss, also natürlich stehen bleiben darf. Leider leben die Bewohner von Paläochora auf Kreta nicht in der österreichischen Kaiserzeit, und die Windeseile, mit der die wunderschöne Holzveranda des letzten typischen Kafenions zerstört wurde, schrie nach einem Skandal.  Weiterlesen ...

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Erdbeben - die zerstörerische Naturkatastrophe!

Neulich war ich mit meinem Mann mal wieder in Kalamata (Südpeloponnes) zum Großeinkauf. Dabei fielen mir in der Innenstadt einige alte Häuser auf, die noch Spuren des grossen Erdbebens von 1986 aufwiesen. Fast 30 Jahre ist es nun schon her, 13. September 1986 um genau zu sein, dass Kalamata von einem Erdbeben der Stärke 6,2 beinahe vollständig zerstört wurde. Weiterlesen ...

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Unsere Nachbarn aus Griechenland

Unsere direkten Nachbarn in Deutschland sind ein griechisches Ehepaar mit zwei erwachsenen Kindern. Die Familie kam vor ca. 25 Jahren nach Deutschland, sowohl Mutter als auch Vater fanden sofort Arbeit. Sie lebten zuvor in der Nähe von Thessaloniki auf dem Land und hatten dort kein Auskommen mehr und wollten ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten. Weiterlesen ...

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Agapi, Alois und der Rausch der Sinne – eine Urlaubsgeschichte auf Tinos

Vor drei Jahren konnte in meinen Kumpel Alois, mit dem ich nun 12 Jahre befreundet bin, überzeugen, doch mal eine Woche Urlaub auf meiner Lieblingsinsel Tinos mit mir zu verbringen. Alois ist Unternehmer in Wien und oft gestresst. Kennengelernt haben wir uns vor 12 Jahren in der Felixx-Bar in Wien, wo ich seit dieser Zeit regelmäßig als DJ arbeite. Er wurde Fan meiner Musik, Stammgast und sehr guter Freund. Wir sind ca. gleich alt, er 55 und ich 53. Also beide in einem Alter wo Happy und Birthday getrennte Wege gehen. Aber wir verstehen uns prima. 

Nun, im September 2013 war es so weit. Alois und Tom gemeinsam auf der Insel der Winde.

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Ostern in Griechenland - ein Fest für die Sinne

Zeitlich betrachtet fällt es selten mit dem westlichen Osterfest zusammen, da es nach dem alten Julianischen Kalender berechnet wird. Mit dem Rosenmontag hat die Fastenzeit in der Ostkirche begonnen, d.h., es werden weder Fleisch noch Fisch noch Milchprodukte gegessen. Während der Karwoche fallen auch beispielsweise Kalamaris und Muscheln, also Meerestiere, weg. Wir haben immer wieder festgestellt, das sich die jüngeren Griechinnen und Griechen nicht mehr ganz so strikt an diese Vorgaben halten. Teilweise wurde auch heimlich gegessen! Es ist eben auch in Griechenland nicht anders als überall auf der Welt: Der Geist ist willig, jedoch der Körper ist schwach! Weiterlesen ...

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Letzte Inselromantik oder Eine Reise ins Paradies

Von Eleonore Hillebrand, 2009. „Kimolos, mein Paradies“, dieses Bekenntnis steht in griechischen Buchstaben, in ebenso typisch griechischem Blau an eine kleine weiße Mauer gemalt. Dieser Auspruch ist der Anfang zu einem zweiten Teil, der die ganze Sehnsucht der durch mancherlei, vor allem auch türkische Fremdherrschaft vertriebenen Kimolaner nach der Heimat in sich trägt, nämlich „…käme ich nach Psathi, würde ich deinen Sand küssen.“ 

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Odysseas Elytis - der wohl berühmteste griechische Dichter


Kostprobe aus seinem Hauptwerk "Axion Esti":
Nur diese eine Schwalbe / der Frühling macht sich rar / damit die Sonne heimkehrt / bringen wir Opfer dar / Tausende Tote braucht es / wenn das Lichtrad ruht / lebende Leiber braucht es / wärmend verströmt ihr Blut...

Christiane Dalbeck, Pylos

Foto: http://www.astrology.gr

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Camper-Freuden

Erneut haben wir gelesen, dass die Urlaubsbuchungen für die griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos drastisch zurückgegangen sind. Als Grund wird unisono die Flüchtlingssituation in der östlichen Ägäis erwähnt. Mit Schwimmwesten verschmutze Strände werden angeführt und die Konfrontation mit Tausenden von Flüchtlingen und ihrer bedrückenden Situation, evtl. sogar Versorgungsschwierigkeiten. Der Rückzug der Urlauber verstärkt die ohnehin massiven wirtschaftlichen Einbußen der Inselbewohner, der Griechinnen und Griechen insgesamt. Weiterlesen ...

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