Die beiden Nachbarländer Griechenland und Bulgarien rücken ein Stück näher zusammen. Das wurde bei einem offiziellen Besuch von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Donnerstag (5.6.) in Sofia deutlich. Im Gespräch mit seinem bulgarischen Amtskollegen Rumen Radew, der erst Anfang Mai in dieses Amt gewählt wurde, stellten beide Seiten klar, dass man etwa in den Bereichen Energie, Verteidigung und Nutzung der natürlichen Wasserreserven enger kooperieren will.
Auch gesamteuropäische Themen standen auf der Tagesordnung. Ein wichtiger Hintergrund dafür ist das Gipfeltreffen der Führungsspitze der EU und des Westbalkans, das am heutigen Freitag (5.6.) in Tivat (Montenegro) stattfindet.
Mitsotakis sprach gegenüber Radew von einem Straßen- und Eisenbahnkorridor durch beide Länder, der die Häfen Griechenlands künftig mit der Ukraine verbinden soll. Voraussetzung dafür seien entsprechende Kooperationen mit Bulgarien und Rumänien. Besonderen Nachdruck verlieh Mitsotakis einer Erdgaspipeline, die aus Griechenland kommend, für Energiesicherheit in ganz Südosteuropa sorgen soll. Außerdem machte er deutlich, dass Athen und Sofia für die Realisierung wichtiger Infrastrukturprojekte EU-Mittel beanspruchen können.
Nicht zuletzt regte der Besucher aus Griechenland eine langfristige bilaterale Vereinbarung über die Nutzung der grenzüberschreitenden Wasserreserven an. Er unterstrich, dass dies sowohl für lokale Gemeinden als auch für das gesamte Spektrum der Zusammenarbeit beider Länder sehr wichtig sei. Dabei geht es vor allem um eine Nutzung von grenzüberschreitenden Flüssen. Bis Juli 2024 war über einen Zeitraum von 60 Jahren ein bilaterales Abkommen in Kraft, mit dem festgelegt war, wie viel Wasser aus Bulgarien an Griechenland geliefert werden muss. Es handelte sich um eine Form von Reparationen, die Sofia für die Besatzungszeit im II. Weltkrieg bzw. für die damals entstandenen Schäden an das Nachbarland leisten musste. Was den Fluss Ardas (bulgarisch: Arda) betrifft, so wurde 2025 ein weiteres Fünf-Jahres-Abkommen vereinbart. Ein weiterer wichtiger Wasserspender für die griechische Seite ist der Fluss Nestos (bulgarisch: Mesta), hier steht eine neue Einigung noch aus. Aus Athen wurden immer wieder Vorwürfe laut, dass die bulgarische Seite vor allem in Trockenperioden – die durch die Klimakrise bedingt immer heftiger werden – zu viel Wasser für den eigenen Bedarf zurückhalte.
Was den Verteidigungssektor betrifft, so lag auch hier eine Vertiefung der bilateralen Beziehungen auf dem Tisch. Mitsotakis erinnerte daran, dass sich sein Land aktiv an der Sicherung des bulgarischen Luftraumes beteiligt: Athen hat an der Grenze zu Bulgarien ein „Patriot“-Luftabwehrbatterie stationiert. Zudem führen beide Länder regelmäßig gemeinsame Übungen mit Kampfflugzeugen durch.
Sein bulgarischer Amtskollege Radew, ein ehemaliger Generalmajor, der von 2014 bis 2016 die bulgarischen Luftstreitkräfte kommandierte, machte deutlich, dass beide Staaten eine gemeinsame Verantwortung für Stabilität und Sicherheit in der Region tragen.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)