Endstation Griechenland

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Die schlimmsten Befürchtungen Griechenlands bezüglich der Flüchtlingspolitik Österreichs scheinen Realität zu werden. Beim Treffen der sogenannten „Westbalkanländer“ in Wien am Mittwoch (24.2.), zu welchem Griechenland nicht eingeladen wurde, sagte die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, dass Österreich seine Grenzen demnächst für Flüchtlinge komplett schließen werde. Bereits jetzt hat das Land die Aufnahme von Flüchtlingen, die über die Balkanroute kommen, auf 80 Asylanträge pro Tag begrenzt. Damit wurde schon ein beachtlicher Rückstau von Menschen in Griechenland hervorgerufen.

Ministerpräsident Tsipras sprach von einer „feindseligen Konferenz“ und von einer „Schande für Europa“. Griechenland würde damit zwangsläufig zur Endstation für die Flüchtlinge und innerhalb kürzester Zeit zu einem einzigen, riesigen Hot Spot werden. Sieht so die angestrebte Lösung der Flüchtlingsproblematik aus? Sieht so die vielbeschworene Solidarität Europas aus? Ausgerechnet das Land, das noch vor kurzem während der Wirtschaftskrise als „Armenhaus Europas“ bezeichnet wurde, soll nun tausende von Flüchtlingen unterbringen und versorgen!
Wer, wie ich, seit vielen Jahren in Griechenland lebt, weiß, wie arm die Menschen hier teilweise sind. Trotzdem sind sie immer noch bereit, ihre nicht gerade üppigen Mahlzeiten mit Gästen zu teilen. Griechenland ist aufgrund seiner geographischen Lage sozusagen das „letzte Glied“ in der Kette,
es kann die Menschen nicht „irgendwohin“ zurückschicken. Das uralte Sprichwort, dass sich in der Not jeder selbst der Nächste ist, scheint sich mal wieder zu bestätigen. Weiterhin offen bleibt aber auch die Frage: Was passiert an den geschlossenen Grenzen bzw. an den Grenzzäunen, wenn die dort Wartenden nicht mehr bereit sind, noch länger unter den teilweise menschenunwürdigen Bedingungen auszuharren? Eine Antwort darauf möchte ich mir noch nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen ausmalen.
Christiane Dalbeck, Pylos

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