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Beim Linksbündnis SYRIZA brodelt es erneut: Parteichef Kasselakis in Frage gestellt Tagesthema

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Beim Linksbündnis SYRIZA brodelt es erneut: Parteichef Kasselakis in Frage gestellt Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den SYRIZA-Vorsitzenden Stefanos Kasselakis am Donnerstagabend beim 4. Parteikongress in Athen.

Beim Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) stehen die Zeichen auf Sturm. Am Donnerstag begann mit einer Mamut-Ansprache des Vorsitzenden Stefanos Kasselakis – das Redemanuskript umfasste mehr als 50 Seiten – der 4. Parteikongress.

Überschattet wurde sein Auftritt von einer schriftlichen Stellungnahme des früheren Ministerpräsidenten (2015-2019) Alexis Tsipras, der gleichzeitig 15 Jahre lang Parteivorsitzender war (2008-2023). Er stellte mehr oder weniger die Position seines Nachfolgers in Frage und forderte dazu auf, erneut innerparteiliche Wahlen durchzuführen, um eine neue Führung zu wählen. Kasselakis war erst am 24. September per Urabstimmung von den Mitgliedern gekürt worden. Tsipras schätzte nun ein, dass dieser gewählt worden sei, „ohne dass er dazu kam, seine Positionen und seinen Plan analytisch auszuführen“. – Im Klartext: In der Partei wisse niemand, wer der neue Vorsitzende eigentlich sei und welche Ziele er verfolge. Tsipras begründete seine Meinung damit, dass sich SYRIZA in einer Krise befinde und – angesichts der Europawahlen – mit einer neuerlichen Niederlage rechnen müsse. Deshalb müssten die Mitglieder erneut entscheiden.
Kasselakis konterte durchaus selbstbewusst mit den Worten: „Findet mir einen Kontrahenten, und los geht’s!“ In seiner Ansprache forderte er, dass er nicht an den Ergebnissen bei den Europawahlen gemessen werden dürfe, sondern erste am denen der Parlamentswahlen in drei Jahren. Schließlich habe er sein Amt im September mit 56 Prozent der Stimmen der Parteibasis übernommen – er sei damit ausreichend legitimiert. Er benötige einfach mehr Zeit. Wenn jemand der Meinung sei, „innerhalb von wenigen Monaten eine Partei, die zweimal gespalten wurde“, auf Kurs zu bringen, „dann soll er übernehmen“.
Aus dem Umfeld des Vorsitzenden wurde die Meinung geäußert, dass man in zwei Wochen erneut Wahlen durchführen könnte, vorausgesetzt, dass ein Gegenkandidat antreten werde. Insgesamt ist die Stimmung für Kasselakis derzeit allerdings weniger komfortabel als noch im September; seither haben viele Mitglieder SYRIZA den Rücken gekehrt. Während der frisch aus den USA angereiste Unternehmer im September wie ein Messias empfangen wurde – stellen inzwischen viele der Genossen seine Führungsqualitäten und dessen politische Ziele in Frage. Erst vor knapp drei Monaten hatte sich die „Neue Linke“ von SYRIZA abgespalten und stellt seither eine eigene Fraktion in der Volksvertretung. Darunter sind aber auch bis dahin einflussreiche Funktionäre, die nun als Kandidaten für eine neue Parteiführung nicht mehr in Frage kommen.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)

 

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