Griechenlands Außenminister Jorgos Gerapetritis und Energieminister Stavros Papastavrou besuchen derzeit die USA. Im Fokus stehen Sicherheitsfragen, der sogenannte „Vertical Gas Corridor“ und Investitionen im Energiesektor. Die griechische Seite unterstreicht, dass damit die transatlantische Kooperation sowie die geopolitische Position des Landes weiter gestärkt würden.
Von Mittwoch bis Freitag (25.-27.2.) besucht Außenminister Jorgos Gerapetritis die USA. Es ist bereits seine zweite offizielle Reise nach Washington seit dem letzten Wahlsieg von Donald Trump. Aus Athen hieß es, dass dies die guten bilateralen Beziehungen verdeutliche. Während seines jetzigen Aufenthalts steht u. a. ein Treffen mit seinem Amtskollegen Marco Rubio auf dem Programm. Darüber hinaus wird der Gast aus Hellas weitere Kontakte pflegen und eine Rede beim Thinktank Atlantic Council halten. Abschließend wird Gerapetritis an der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen der griechischen Industrie- und Technologiegruppe ONEX Shipyards and Technologies und der Hanwha Power Systems Group teilnehmen.
„Geopolitische Stärke“
In Washington hält sich diese Tage außerdem der griechische Minister für Umwelt und Energie Stavros Papastavrou auf. Im Mittelpunkt seines Besuches steht der „Vertical Gas Corridor“, ein strategisches Gastransportnetz, das Energie über vertikale Achsen – also von Süden nach Norden – liefern soll. Dieser Korridor soll es Ländern ermöglichen, Erdgas aus verschiedenen Quellen zu beziehen, um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu reduzieren. Durch alternative Routen, so das Konzept, könnten Lieferausfälle oder geopolitische Spannungen besser abgefedert werden. So soll dieser Vertical Gas Corridor etwa Gas aus Griechenland über Rumänien, Bulgarien, bis nach Ungarn, in die Ukraine und in die Slowakei transportieren. Erklärtes Ziel ist ein sicherer Transport von Gas aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa, ohne ausschließlich auf die Ost-West-Routen durch Russland angewiesen zu sein.Papastavrou stellte dazu fest: „Wir haben aus unserer Geografie eine geopolitische Stärke gemacht.“ Außerdem fasste er zusammen: „Energie ist ein Pfeiler von Sicherheit und Resilienz sowie ein grundlegendes Strukturmerkmal der strategischen Annäherung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika.“ In Washington hat sich der Minister aus Athen u. a. an einem Kongress des Donald J. Trump Institute of Peace zum Thema „Transatlantic Gas Security Summit“ beteiligt. Zudem standen Treffen mit Innenminister Doug Burgum und Energieminister Christopher Wright auf dem Programm. Der Besuch erfolgt im Anschluss an eine Energievereinbarungen, die im Rahmen der Transatlantischen Energiekonferenz (P-TEC) unterzeichnet wurden, und zielt darauf ab, die transatlantische Zusammenarbeit im Bereich von verflüssigtem Erdgas (LNG) weiter zu vertiefen sowie die Infrastruktur zu stärken, um eine energetische Resilienz Südosteuropas zu ermöglichen.
„Energie-Autonomie“
Erst kürzlich hatte die griechische Regierung Verträge mit den US-Energieunternehmen Chevron und ExxonMobil unterschrieben. Auf deren Grundlage soll in den Regionen südlich von Kreta und südlich der Peloponnes nach Erdgas- bzw. Erdöl gebohrt werden. Bereits am Wochenende hatte Premierminister Kyriakos Mitsotakis diese Vereinbarungen hervorgehoben: „Mit diesen vier neuen Konzessionsverträgen sichert sich der griechische Staat etwa 40 Prozent der Erlöse im Falle einer Entdeckung und Förderung potenzieller Lagerstätten, ohne dass staatliche Mittel für diese risikoreichen Investitionen aufgewendet werden müssen.“ Mit diesen Vereinbarungen „stärkt Griechenland seine Energie-Autonomie und -Sicherheit, schafft einen attraktiven Rahmen für neue Investitionen und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze und generiert zugleich deutlich höhere öffentliche Einnahmen“. Zudem sprach er von einem „wirklichen Sprung bei den erneuerbaren Energien – bereits 50 Prozent der erzeugten Energie stammen aus erneuerbaren Quellen“, sagte er mit Blick auf sein Land. Griechenland sei „heute schon ein energiepolitisches Exportland“. Kontakte zur Führungselite der USA hatte kürzlich auch Verteidigungsminister Nikos Dendias. Ende der vorigen Woche hatte er sich in Athen mit einer Delegation des US-Kongresses getroffen. Anschließend betonte er: „Wir haben über die Stärkung der strategischen Verteidigungsbeziehung zwischen Griechenland und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie und über deren Bedeutung für die Stabilität der Region gesprochen“.
„Kriegsstützpunkt“
Die im Parlament vertretene kommunistische KKE sprach unterdessen von einer „Verschärfung der Verwicklung Griechenlands in den Energiekrieg und in gefährliche Konkurrenzkämpfe“. Der Regierung wird vorgehalten, „eine Politik zu verfolgen, die das Land zu einem Kriegsstützpunkt macht“. Es wurde darauf hingewiesen, dass „auf dem Stützpunkt Souda auf Kreta eine enorme Feuerkraft der USA konzentriert wird, um die mörderischen Pläne der US und NATO Truppen in der weiteren Region und gegen den Iran zu unterstützen“. Außerdem war die Rede von einer „Übertragung des natürlichen Reichtums des Volkes an amerikanische und griechische Monopole“, während das Volk weiterhin „horrende Energiepreise“ zahlen müsse. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)