Griechenlands Parteienlandschaft wird ein Stück vielfältiger. Am Donnerstag (21.5.) stellte die griechische Aktivistin Maria Karystianou im Kino Olympion im nordgriechischen Thessaloniki die von ihr gegründete politische Formation mit dem etwas sperrigen Namen „Hoffnung für die Demokratie, Maria Karystianou, Unabhängige Bürgerbewegung“ vor. Das Emblem der Partei setzt sich aus einer weißen Taube und einem Olivenzweig zusammen.
Zu den wichtigsten Punkten ihrer Gründungserklärung zählen Kampf gegen Korruption, Unabhängigkeit der Justiz, Widerherstellung der Institutionen, eine wirtschaftliche Stärkung der Gesellschaft, Ausbau des öffentlichen Bildungssystems, Schutz der Arbeitnehmerrechte, Unterstützung der sozial schwächsten Gruppen der Gesellschaft sowie eine Strategie für Entwicklung des Landes und für gewisse existentielle außenpolitische Themen – die sogenannten „nationalen Fragen“. In ihrer Gründungsrede warnte die 53-Jährige, die von Beruf Kinderärztin ist, vor einer „Herabwürdigung des Landes“. Nun aber sei „der gesunde Teil Griechenlands erwacht und vereint“. Gleichzeitig forderte sie die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihre „Bestrebung zur nationalen Wiederbelebung“ zu unterstützen.
Ins Zentrum ihrer Ausführungen rückte sie auch ein schweres Eisenbahnunglück, das sich am 28. Februar 2023 bei Tempi ereignet hatte. Damals kamen 57 Menschen ums Leben und 85 wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Todesopfern war auch die 19-jährige Tochter von Maria Karystianou. Die trauernde Mutter stand danach an der Spitze einer Bürgerbewegung, die Gerechtigkeit für die Opfer dieses Unfalls forderte und erlangte dadurch in der Öffentlichkeit eine größere Popularität. Sie hielt Reden im griechischen- und im Europaparlament sowie bei zahlreichen Massenkundgebungen und war auch in den Massenmedien sehr präsent. Seit Monaten verdichteten sich mehr und mehr die Gerüchte, dass sie eine eigene Partei aus der Taufe heben würde. Nun ist es soweit: Karystianou wird wahrscheinlich noch am heutigen Freitag (22.5.) die Gründungserklärung ihrer Partei beim griechischen Höchstgericht einreichen. – Und schon in der nächsten Woche soll noch eine weitere politische Formation ins Leben gerufen werden: Am kommenden Dienstag (26.5.) will der ehemalige Ministerpräsident Alexis Tsipras eine eigene Partei vorstellen. Der Zeitpunkt für diese Schritte wurde sehr bewusst gewählt: spätestens in einem Jahr müssen laut Verfassung Parlamentswahlen stattfinden. Da theoretisch auch die Möglichkeit für vorverlegte Wahlen besteht, will man auf jeden Fall rechtzeitig vorbereitet sein.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)