Am kommenden Dienstag (26.5.) will der früher Ministerpräsident Alexis Tsipras (2015-2019) offiziell die Gründung seiner neuen Partei, ihren Namen und das Emblem bekanntgeben. Dadurch dürften andere linke Parteien in Bedrängnis kommen; es ist damit zu rechnen, dass sich dem Ex-Premier und ehemaligen Vorsitzenden des Bündnisses der Radikalen Linken (SYRIZA) auch Politiker aus dem weiteren linken politischen Spektrum anschließend dürften.
So etwa trat der der bisherige SYRIZA-Sekretär Stergios Kalpakis von seinem Posten zurück. Gleichzeitig brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es „schon bald“ positive Entwicklungen geben werde, um der regierenden Nea Dimokratia einen „starken fortschrittlichen Block“ entgegensetzen zu können. Beobachter rechnen auch mit Abgängen bei der Partei „Neue Linke“, die als Abspaltung von SYRIZA entstanden ist.
Bei SYRIZA will man auf die jüngsten Entwicklungen mit einer Sitzung des Zentralkomitees reagieren, die für den 6. Juni anberaumt wurde. Zuvor wird bereits das Politische Sekretariat über die entstandene Lage beraten. Der Parteivorsitzende Sokratis Famellos begründete die Termine für diese Sitzungen damit, dass man zunächst abwarten wolle, bis Tsipras seine Partei tatsächlich offiziell gegründet habe, um klare Fakten auf dem Tisch zu haben. In einem Interview gegenüber dem staatlichen Sender ERT dementierte Famellos die Möglichkeit, dass sich SYRIZA angesichts der sich anbahnenden Entwicklungen eventuell auflösen könnte: Die Partei werde an den kommenden Parlamentswahlen „innerhalb einer großen, vereinenden Form“ teilnehmen. Die Rolle von Tsipras sei maßgeblich; „Entscheidungen und Weg müssen zusammenlaufen“ und es müsse „eine Synthese“ geben.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)