Nach 140 Tagen hat am Mittwochabend (24.6.) der Aktivist Aristotelis Chantzis seinen Hungerstreik in der griechischen Hauptstadt abgebrochen. Auch die Aktivistin Suzon Doppagne, die seit dem 1. Mai die Nahrungsaufnahme verweigerte, entschloss sich zum Abbruch dieser Protestform.
Der Rat der Stadt Athen hatte zuvor die übergeordnete Hauptverwaltungsregion (Periferie), sowie die Regierung und die im Streik befindlichen Aktivisten mit einem entsprechenden Beschluss dazu aufgefordert, jeweils einen Schritt zurückzugehen. Ziel sei es, im Dialog eine gemeinsame Lösung für die besetzten „historischen Bauten“ an der Alexandras Avenue zu finden.
Suche nach einem Kompromiss
Der Athener Stadtrat schlägt vor, diese Mitte der30er Jahre des 20. Jahrhunderts für Flüchtlinge errichteten Häuser zu renovieren und jenen Menschen, die diese Gebäude besetzt halten, andere Unterkünfte anzubieten. Im Dialog müsse man „den Spannungen ein für alle Mal ein Ende setzen“.
Athens Bürgermeister Charis Doukas verurteilte gleichzeitig einen jüngst erfolgten Anschlag auf das Haus des Präsidenten der Periferie Attika, Nikos Chardalias. Zuvor hatte sich vor allem der Gesundheitszustand des hungerstreikenden Aristotelis Chatzis lebensbedrohlich verschlechtert. Seit Montag (22.6.) wird er u. a. aufgrund einer neurologischen Erkrankung, die unter dem Fachbegriff Wernicke-Enzephalopathie bekannt ist, in einem Krankenhaus in Athen behandelt. Sein behandelnder Arzt sprach von einem „Todesurteil“, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden sollten.
Chatzis wog nach 140 Tagen im Hungerstreik nur noch 35 Kilogramm. Mit seinem Protest wollte er erreichen, dass die historische Flüchtlingssiedlung „Prosfygika“ an der hauptstädtischen Alexandras Avenue erhalten bleibt und dass die dort lebenden Menschen weiterhin ein Dach über dem Kopf haben.
"Soziale Struktur der Solidarität"
In den einst leerstehenden Gebäuden leben seit 16 Jahren etwa 400 Personen, darunter auch viele Asylsuchende. Auch Patienten und deren Begleitpersonen, die im daneben liegenden Krankenhaus Agios Savvas behandelt werden, sollen zum Teil dort untergebracht worden sein, heißt es aus Kreisen der Hausbesetzer.
Angesichts der Pläne der Präfektur Attika, die diese Gebäude umgestalten und einer anderen Nutzung zuführen will, machten die Bewohner darauf aufmerksam, dass „das Recht auf Wohnen ein universelles Recht ist“. Dies betreffe „vor allem diejenigen, die von sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind“. Sie fordern „die Anerkennung einer Gemeinschaft von Menschen, die seit vielen Jahren in den „Prosfygika“ leben und die Gebäude instand halten sowie nutzen. Diese seien zwar Eigentum des Staates, doch sie seien von diesem „dem Verfall überlassen worden“. Ihr Ziel ist es, dass das geplante Umgestaltungsprojekt gestoppt und dass anerkannt wird, „dass die Bewohner der Prosfygika dort faktisch eine soziale Struktur der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung geschaffen haben“. Zusätzlich weisen sie auf das große Wohnungsproblem in der griechischen Hauptstadt hin. Für 55 Tage befand sich auch die Aktivistin Suzon Doppagne im Hungerstreik, um damit diesem Ziel der in den Prosfygika lebenden Menschen Nachdruck zu verleihen.
In Athen und in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki kam es vermehrt zu Solidaritätskundgebungen, so auch am Mittwochabend vor dem Parlament in der Hauptstadt. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)
Lesen Sie auch über eine Polizeiaktion in den „Prosfygika“ im November 2022:
Polizeiaktion auf dem Gelände der denkmalgeschützten „Flüchtlingshäuser“ in Athen
https://www.griechenland.net/nachrichten/chronik/32301-polizeiaktion-auf-dem-gel%C3%A4nde-der-denkmalgesch%C3%BCtzten-%E2%80%9Efl%C3%BCchtlingsh%C3%A4user%E2%80%9C-in-athen