16 Jahre nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine Bankfiliale in Athen gibt es neue Entwicklungen. Die griechischen Behörden haben mehrere Verdächtige identifiziert und Haftbefehle erlassen. Bei dem Anschlag, der sich 2010 im Umfeld einer Demonstration gegen die Sparpolitik ereignet hatte, waren drei Bankangestellte ums Leben gekommen.
Im Fall des Brandanschlags auf eine Filiale der Marfin-Bank in Athen vor 16 Jahren gibt es offenbar einen entscheidenden Ermittlungserfolg. Auslöser dafür war eine anonyme E-Mail. Bei den Verdächtigen handelt es sich um zwei Männer im Alter von 42 Jahren, die in Athen leben und um eine 46-jährige zweifache Mutter, die im Vereinigten Königreich zuhause ist. Sie kündigte an, sich den Behörden stellen zu wollen. Gegenüber der Polizei beteuerte sie ihre Unschuld. Die Behörden suchen nach neun weiteren Personen, die in dem Fall verwickelt sein sollen.
Die Haftbefehle beziehen sich auf den Vorwurf des mehrfachen vorsätzlichen Mordes. Die übrigen Straftatbestände der ursprünglichen Anklageschrift gelten nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden inzwischen als verjährt.
Die beiden 42-jährigen Verdächtigen sollen bereits am Dienstag (14.7.) ihre Aussage zu Protokoll geben.
Großkundgebung gegen Sparkurs
Hintergrund für den Brandanschlag am 5. Mai 2010 war eine Großkundgebung gegen die damals von der Regierung in die Wege geleitete Sparpolitik. Damals waren mehrere Vermummte in eine Filiale der Marfin-Bank im Athener Zentrum eingedrungen. Obwohl für diesen Tag offiziell ein Generalstreik ausgerufen worden war, befanden sich zu diesem Zeitpunkt 25 bis 30 Beschäftigter im Gebäude. Nachdem dieses in Flammen aufging, fanden drei Mitarbeiter im Alter zwischen 30 und 35 den Tod, darunter war auch eine schwangere Frau. Mehrere Kollegen wurden verletzt.
Bereits im Jahre 2013 waren mehrere Verantwortliche der Bank wegen fahrlässiger Tötung von drei Beschäftigten sowie der Körperverletzung von 21 weiteren Mitarbeitern und wegen gravierender Versäumnisse beim Brandschutz und bei einer entsprechenden Einweisung des Personals verurteilt worden.
Im Oktober 2016 wurde ein Verdächtiger im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Marfin-Bank freigesprochen. Der Betroffene erklärte damals, er sei lediglich aus politischen Gründen verfolgt worden, weil er sich selbst dem anarchistischen Spektrum zuordne.
Nach Erkenntnissen der Polizei war der Anschlag auf die Marfin-Bank vor 16 Jahren organisiert worden und nicht etwa eine Zufallstat. Demnach waren insgesamt zwölf Personen beteiligt, die in Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben agierten, darunter ausführende Täter und Koordinatoren. Den Ermittlungen zufolge schlug eine als Nummer 8 bezeichnete Person eine Schaufensterscheibe ein, eine Person mit der Nummer 10 warf den Molotowcocktail, während die als Nummer 11 genannte Person Anweisungen erteilt haben soll. Die damalige Demonstration im Athener Zentrum gehörte mit schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Teilnehmern zu den größten Kundgebungen der jüngeren griechischen Geschichte.

Ein Polizist legt Blumen vor dem Gebäude der Bank nieder.
„Kampf gegen den Terrorismus“
Angesichts der jüngsten Entwicklungen meldete sich auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis zu Wort. Er erklärte, im Kampf gegen den Terrorismus dürfe es „weder Relativierungen noch Aufrechnungen“ geben. Erforderlich sei vielmehr „eine gemeinsame Front, die allen, die Gewalt als Mittel wählen, jede Form der Duldung und jede politische Rechtfertigung entzieht“. Dies sei man den Opfern politischer Gewalt und den kommenden Generationen schuldig.
Von einem „Sieg der Demokratie“ sprach auch Bürgerschutzminister Michalis Chrysochoidis. Er konstatierte: „Es gibt keine Demokratie ohne Rechtsprechung. Niemand darf sich das Privileg anmaßen, andere durch Gewalt und Einschüchterung in Angst zu versetzen.“
(Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)