Die Reallöhne in Griechenland liegen der OECD zufolge rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2010. Das griechische Institut für Arbeitsforschung berichtet, dass der durchschnittliche reale Jahreslohn zwischen 2019 und 2025 lediglich um 0,3 Prozent gestiegen sei. Die Opposition kritisiert: „Der griechische Sommer wird zunehmend zu einem Privileg für wenige.“
Laut dem aktuellen Beschäftigungsausblick der OECD soll der durchschnittliche reale Stundenlohn in Griechenland zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem ersten Quartal 2026 zwar um 4,7 Prozent gestiegen sein. Wie das Nachrichtenportal in.gr berichtet, liegen die Reallöhne dennoch weiterhin rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2010. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass zwischen den Regionen der OECD-Mitgliedstaaten weiterhin erhebliche Unterschiede bei Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und verfügbarem Einkommen bestehen.
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„Eine geschönte Bilanz“
Aus den Reihen der sozialistischen Oppositionspartei PASOK hieß es kürzlich, dass nach Angaben des Instituts für Arbeitsforschung der griechischen Dachgewerkschaft GSEE der durchschnittliche reale Jahreslohn zwischen 2019 und 2025 lediglich um 0,3 Prozent gestiegen sei. Gleichzeitig liegt er weiterhin 1,3 Prozent unter dem Niveau von 2021.
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Während einer Parlamentsdebatte warf der PASOK-Vorsitzende Nikos Androulakis der Regierung vor, eine geschönte Bilanz ihrer siebenjährigen Amtszeit zu präsentieren. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis stelle die Entwicklung des Landes zu positiv dar, obwohl Griechenland „gemeinsam mit Bulgarien die geringste Kaufkraft in der Europäischen Union aufweist“. Androulakis kritisierte zudem die hohen privaten Ausgaben für Gesundheit und Bildung sowie die stark gestiegenen Wohnkosten. Viele Haushalte müssten einen unverhältnismäßig großen Teil ihres Einkommens für Wohnraum aufbringen, während die Wohneigentumsquote gesunken sei. Als Beispiel für Verschwendung von staatlichem Geld nannte der PASOK-Chef die sogenannten „Recycling-Häuschen“ bzw. Sammelstationen für Wertstoffe. Diese hätten den Staat rund 300.000 Euro pro Exemplar gekostet – fünf- bis sechsmal mehr als der Durchschnitt in der Europäischen Union, sagte Androulakis.
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Der Sozialist verwies zudem auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln. So erhielten Erzeuger für Kirschen lediglich zwischen 0,65 und 1,15 Euro pro Kilo, während die Früchte im Einzelhandel mit bis zu fünfmal höheren Preisen verkauft würden. Auch bei Milch für Säuglinge gebe es erhebliche Preisunterschiede: Nach seinen Angaben kostet ein Kilo Babynahrung in Griechenland durchschnittlich 32,79 Euro, verglichen mit 23,12 Euro im EU-Durchschnitt – ein Preisaufschlag von rund 40 Prozent.
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Sommerferien als Privileg
Auch das Bündnis der Radikalen Linken SYRIZA kritisierte die Teuerung in Griechenland: Nach sieben Jahren Regierung der Nea Dimokratia werde der „griechische Sommer zunehmend zu einem Privileg für wenige“.
Die Oppositionspartei bezog sich auf eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Prorata. Diese zeige, dass die hohen Preise für 69 Prozent der Bürger das größte Problem darstellen. 64 Prozent der Befragten müssten „von Monat zu Monat“ leben, und sechs von zehn Griechen könnten in diesem Jahr nicht in Urlaub fahren, weil sie die dafür nötigen Finanzmittel nicht aufbringen können. Arbeitnehmer und Familien sähen ihr Einkommen durch Ausgaben für Lebensmittel, Mieten, Rechnungen und Mobilität zunehmend aufgebraucht, wodurch Urlaub für viele zum Luxus werde, so SYRIZA. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)