Olympiakos: Alte Dame, alte Liebe und eine Reise nach Lissabon

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Das Foto von © Eurokinissi zeigt eine Szene des CL-Spiels Olympiakos gegen den FC Bayern aus dem Jahre 2015. Das Foto von © Eurokinissi zeigt eine Szene des CL-Spiels Olympiakos gegen den FC Bayern aus dem Jahre 2015.
In Piräus ist in den letzten Tagen eine Art Hysterie ausgebrochen. Lange ist es her, dass ein vergleichbarer Ansturm auf Dauerkarten für die Spiele der Rot-Weißen stattgefunden hat. Der Grund: Die Auslosung der Gruppenphase in der UEFA Champions League.
Neben dem Finalisten der vergangenen Saison, Juventus Turin um Torwartlegende „Gigi“ Buffon, trifft der griechische Meister auf Sporting Lissabon und den FC Barcelona. Das Aufeinandertreffen mit den „blaugrana“, wie die Katalanen von ihren Anhängern genannt werden, birgt eine ganz eigene und besondere Brisanz: Ernesto Valverde, der aktuelle Übungsleiter von Barcelona, war einst die Galionsfigur der Hafenstädter. Und zwar eine recht schillernde. Zwei erfolgreiche Amtszeiten lang zog er die Fäden bei Olympiakos. In insgesamt drei Jahren sammelte er fünf Titel, darunter drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Persönliche Gründe hätten ihn damals zum Abschied bewogen, heißt es. Bei den Fans steht er dennoch hoch im Kurs. Das spiegelt sich in den Kartenverkäufen wieder: Um sich einen Platz beim Heimspiel gegen die alte Liebe am 31. Oktober zu sichern und dem Gedränge im Vorverkauf zu entgehen, kauften sich bisher knapp 18.000 Anhänger eine Dauerkarte für die kommende Spielzeit. Ein Verkauf von etwa 20.000 Saisontickets wird erwartet, berichtete die Tageszeitung „Ta Nea“ in der Dienstagsausgabe. Somit wäre ein neuer Rekord eingestellt, die 33.296 Plätze im Georgios-Karaiskakis-Stadion zu fast zwei Drittel gefüllt.
 
Unabhängig der Romantik spricht sportlich recht wenig für ein Weiterkommen der Griechen. Wenn man der Grundwahrheit des ehemaligen Bundesligatrainers Alfred „Adi“ Preißler „Grau is alle Theorie – entscheidend is auf’m Platz“ folgen möchte, gibt es einen potenziellen Erfolgsfaktor. Nämlich: Der wieder auflebende Deutsche Marko Marin. Nach seiner Lei(h)denszeit beim FC Chelsea scheint der hochgejazzte Spielmacher unter Trainer Besnik Hasi endlich angekommen. Wer ihn in den Duellen gegen Rijeka gesehen hat, wird ihn kaum wiedererkannt haben. Auch wenn es nach Floskel klingt, aber er scheint als Fußballer gereift zu sein, zum Mann geworden. Die kleinen Drehungen auf engstem Raum hat er immer noch drauf, die Haken, die plötzlichen Richtungswechsel. Doch keine seiner Aktionen wirkt mehr so, als diene sie nur sich selbst. Alles scheint dem Sinn zu folgen, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Und wenn er mal selbst viel Wiese vor sich hat, macht er es häufig wie gegen Rijeka. Er zieht zum Tempodribbling an, umkurvt den Gegenspieler, am nächsten vorbei, dann zieht er ab und macht es selbst klar. Der Mann mit der Nummer zehn bei Olympiakos Piräus. Der Spielmacher des 44-fachen griechischen Meisters. Ein Leistungsträger.
 
Lukas van den Brink
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