Paläo Trikeri – Der alleräußerste Zipfel des südwestlichen Pilions

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Paläo Trikeri – Der alleräußerste Zipfel des südwestlichen Pilions
Kleine Insel ohne Autos Von Volos, der quirligen Bezirkshauptstadt von Magnesia, ist der Weg nach Trikeri weit und nicht gerade bequem. Auf kurvigen Straßen geht es zum Teil an der Westküste des Pilion entlang, über die gesamte Halbinsel.
der Weg nach Trikeri weit und nicht gerade bequem. Auf kurvigen Straßen geht es zum Teil an der Westküste des Pilion entlang, über die gesamte Halbinsel. Nach und nach wird es immer ruhiger auf dem Pilion. Die Ausblicke auf den Golf von Volos werden dafür immer beeindruckender. Der äußerste Zipfel des Pilion ist touristisch nur wenig erschlossen, was wiederum seinen Reiz ausmacht. Man stößt hier auf unberührte Natur und auf lebendige Traditionen. Zur Gemeinde Trikeri gehören im Wesentlichen vier Orte: Trikeri-Dorf, auf der südwestlichen Spitze des Pilion thronend, Agia Kyriaki und Kottes, die Hafenorte Trikeris, sowie Paläo Trikeri, die kleine Insel im Pagasitischen Golf, die der Bergkette vorgelagert ist.

Von Philomena Konstantinidis

Hat man nicht gerade das Glück, Verwandtschaft auf der Insel zu haben, würde man wohl nicht einmal wissen, dass es sie gibt, die kleine Insel Paläo Trikeri im Golf von Volos. Schon von den Küstenstraßen im Südwesten aus lässt sie sich immer wieder schemenhaft erkennen, ihre rote Erde und ihre Olivenbäume strahlen einen aus der Ferne regelrecht an. Im Bergdorf Trikeri angekommen, genauer gesagt kurz vor Einfahrt in das Dorf, führt auf der rechten Seite eine Straße hinunter nach Alogoporgos. An diesem Strand steht man dem Inselchen schon gegenüber. Man muss nur noch das Seetaxi rufen und wird in fünf Minuten Fahrt hinübergebracht nach Agios Ioannis, dem pittoresken Hafenörtchen von Paläo Trikeri.

Von besseren Zeiten

Hier ließen sich die ersten Einwohner der Gemeinde nieder. Schon im ersten Jahrtausend nach Chr. gab es, wie Quellen belegen, eine bewohnte Insel im Pagasitschen Golf, die damals Kikinithos hieß. Man kann also mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es sich hierbei um die heutige Insel Paläo Trikeri handelt. Später, im 18. Jahrhundert, flüchteten die Bewohner vor der Piraterie und fanden auf der Bergspitze, im heutigen Hauptdorf der Gemeinde, in Trikeri, ein neues Heim. Der Legende nach sollen die Insulaner beim Verlassen der Insel drei Kerzen (Tri Kerion) in einem Kerzenständer angezündet und an der Stelle, an der die Kerzen erlöschten, das neue Dorf errichtet haben. Die trikeriotische Frachtschiffflotte war Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Flotten Griechenlands. Im Befreiungskrieg gegen die türkische Besatzung hat sie eine wichtige Rolle gespielt, denn die reichen Kapitäne der Flotte haben den griechischen Widerstand mitfinanziert und ihre Schiffe zur Verfügung gestellt. Nach der Bannung der Piratengefahr im 19. Jahrhundert wurde die Insel wieder besiedelt. Vor allem Fischer und Olivenbauern ließen sich hier nieder. Der Golf war damals noch fischreich und der Hafen der Insel war voll von Fischerbooten einheimischer und fremder Fischer. Olivenprodukte und Fischfang waren für lange Zeit Haupteinnahmequellen der Inselbewohner. Es gab früher auch eine eigene Olivenmühle im Hafenort. Seit der Golf jedoch leer gefischt wurde, sinkt auch die Zahl der Einwohner. Die Verbliebenen haben mit Abwanderung, wie sie auch aus anderen Dörfern Griechenlands bekannt ist, zu kämpfen. In den 1960ern waren es noch 100 Bewohner, es gab noch eine Schule für die Kinder und die nötige Infrastruktur, das heißt Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf. Heute sind es vielleicht noch 20 Seelen, die ständig, also auch im Winter, dort leben. Die Verbindung zur Insel ist heute schlecht. Nachdem in den 90ern ein Zwischenstopp auf Trikeri aus dem Fahrplan der täglichen Fährverbindung von Volos zu den Sporaden gestrichen wurde, war die Insel nur über das Festland per Bus oder Auto von Volos nach Trikeri mit anschließendem Übersetzen erreichbar. Im Frühjahr 2007 wurde allerdings wieder eine Schiffsverbindung eingerichtet, die täglich zwischen der Insel und Volos verkehrt. Es besteht also Hoffnung, dass das auch so bleibt.

In zwei Stunden um die Insel

Allein im Sommer füllt sich die Insel jedes Jahr mit Leben. Die ausgewanderten Bewohner sowie ihre Kinder und Kindeskinder verbringen dort ihre Ferien, Volioten und Athener suchen nach Ruhe in ihren Ferienhäusern, Segelschiffe, die auf Kreuzfahrt durch die Ägäis schippern, legen am Hafen an, und auch einige Touristen, die meist schon seit vielen Jahren Stammgäste in einer der Unterkünfte sind, haben den Weg aus Deutschland, Österreich, der Schweiz oder England nach Trikeri gefunden. Autos gibt es bis heute nicht auf Paläo Trikeri. Bei einer Gesamtgröße von circa 4,5 Quadratkilometern werden alle Wege per Pedes oder mit dem Esel zurückgelegt. Zu Fuß kann die Insel in circa zwei Stunden vollständig umrundet werden. Bei einer solchen Wanderung wird man auf viele kleine versteckte Buchten, zumeist mit Kieselstränden, stoßen, die man auch im Sommer oft ganz für sich alleine haben kann. Und man wird an den Kirchlein Agios Ioannis und Agios Giorgios, sowie an den Resten einer ehemaligen Kirche in der gleichnamigen Bucht Agia Sofia vorbeigehen.

Das Kloster und seine Mythen

Nicht zu verfehlen ist auch das Kloster Panagias Evangelistrias im Zentrum der Insel, umgeben von mehreren hohen Zypressen. Die Klosterkirche wurde im Jahr 1825 erbaut und ist der Heiligen Mutter Gottes geweiht. Andere Quellen sprechen von dem Erbauungsdatum 1725. Nach und nach wurde das Kloster bis 1837 erweitert. Um die Klosterkirche rankt sich eine Geschichte, die von einem jungen Mönch erzählt, der in einer Zelle neben der Dorfkirche wohnte. Er soll im Traum die Anweisung der Heiligen Maria bekommen haben, in den Trümmern einer alten Kirche zu graben, um eine verlorene Ikone zu finden. Nach langem Suchen fand er sie unter der Wurzel eines Olivenbaums. Es soll am 10. September gewesen sein, der Tag an dem auch heute noch das Panigiri, der Jahrestag der Klosterkirche, gefeiert wird. Tausende von Menschen besuchen zu diesem Anlass die Insel um am Abend des 9. September an der Messe und der Prozession teilzunehmen. Es folgt ausgelassenes Feiern mit Musik und Tanz auf dem Dorfplatz.

„Raubfischer im Hellas"

Das Kloster selbst war nie von Mönchen bewohnt. Verschiedene Popen waren über Jahre hinweg die einzigen geistlichen Bewohner. Die Räume dienten vielmehr der Unterbringung von Saisonarbeitern, die zur Olivenernte auf die Insel kamen. In den 1950er und 60er Jahren war ein Teil der Klosterzellen an den Österreicher Alfons Hochhauser und seine griechische Frau Charikilia verpachtet, der die Zellen an ruhesuchende Touristen vermietete, überwiegend Deutsche und Österreicher. Einige seiner Gäste sind der Insel bis heute erhalten geblieben und er hat dazu beigetragen, die Insel für den Tourismus zu öffnen. Hochhauser, von dem im Pilion und anderswo noch heutzutage viel erzählt wird, war unter anderem ein guter Kenner der griechischen Mythologie. Er war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg nach Griechenland gekommen. Der „Aussteiger" dürfte den Lesern von Werner Helwigs Roman „Raubfischer im Hellas" nicht unbekannt sein, denn Hochhausers Erzählungen an seinen Freund Helwig bildeten die Grundlage für dessen Romanreihe über die Gegend. Hochhauser lebte zunächst im Ostpilion und erlernte von den dort ansässigen Dynamitfischern das Fischer- und Kaufmannshandwerk. In mehrstündigen Fußmärschen soll er die Fischkisten nach Volos gebracht haben um die Fische dort zu verkaufen. Während des Zweiten Weltkriegs soll er mit der deutschen Marine zusammengearbeitet haben und als Spion tätig gewesen sein, so erzählt man es sich zumindest unter den Trikerioten. – Nachdem Hochhauser den Betrieb des Klosters Ende der 60er Jahre aufgab, wurde es im Kloster immer ruhiger, einige Teile drohten zu verfallen. In den 90ern beschloss die örtliche Kirchenverwaltung das Kloster zu renovieren.

Verbannungsort nach dem Bürgerkrieg bis 1952

Wer auf seinem Spaziergang über die Insel auf Mauerreste von kleinen Häuschen stoßen sollte, muss wissen, dass die Insel während und nach dem Bürgerkrieg noch bis 1952 als Exil für Gefangene diente. Die Ruinen zeugen von der Gefangennahme zahlreicher Frauen, die hier als Mitglieder der kommunistischen Partei in die Verbannung geschickt wurden, und in diesen Hütten lebten. – So klein diese Insel, so spannend ist ihre Geschichte; sie zu entdecken ist lohnenswert. Und nimmt man die Mühe auf sich, das Inselchen zu erreichen, wird man nicht nur auf die Herzlichkeit der Gastgeber stoßen, sondern auch auf jede Menge Gelegenheit zur Erholung abseits allen Trubels.

©Griechenland Zeitung, erschienen in Ausgabe Nr. 80 vom 09.05.2007

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