Die St. Georgs-Kirche in Kolindros: Besonders auf den zweiten Blick

Unser Foto zeigt die Ikonostase. Diese Wand trennt das innere Kirchenschiff vom Altarraum, wo nur der Priester agieren darf. Unser Foto zeigt die Ikonostase. Diese Wand trennt das innere Kirchenschiff vom Altarraum, wo nur der Priester agieren darf.
Fast unscheinbar wirkt die St. Georgs-Kirche (Agios Georgios) in Kolindros am nordöstlichen Ausläufer des Olymps. Es handelt sich um ein kleines, schlichtes Gebäude – ganz anders als die großen prachtvollen Gotteshäuser, an die viele Menschen bei dem Begriff Kirche vielleicht als Erstes denken würden. 
Zwischen den Schichten aus Stein sind hin und wieder Holzbalken in die Gemäuer eingearbeitet, die Fenster sind klein, die Eingangstür ist niedrig. 
Doch das macht das Gebäude nicht weniger interessant – ganz im Gegenteil. Denn die St. Georgs-Kirche hat eine Geschichte, die weit zurück in die Vergangenheit reicht. 
Erbaut wurde sie während der Osmanischen Herrschaft, wahrscheinlich 1750. Damit sie von den Osmanen nicht sofort zerstört würde, verzichtete man bei dem Bau auf jegliche prunkvolle Elemente. Der tief gebaute Eingang diente als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme – „damit die Osmanen auf ihren Pferden nicht eindringen konnten“, erklärt der Pope Panagiotis, der hier jeden Samstag einen Gottesdienst abhält. Der Geistliche, Vater von vier Kindern, wirkt in dieser Kirche bereits seit zwölf Jahren.
Einige Jahrzehnte nach der Kirchweihe musste angebaut werden – die Gemeinde war gewachsen. Bis in die 1920er war Kolindros auch Sitz des Bischofs Kitrous und St. Georg gleichzeitig die Kathedrale. Der originale Eingang des Gotteshauses ist deswegen erst nach dem Durchqueren eines Vorraums zu sehen. Dieser ist ebenfalls nicht sonderlich groß, bietet jedoch neben einigen Sitzgelegenheiten für seine Besucher die Möglichkeit, eine Kerze für Lebende oder Verstorbene anzuzünden.  
 
Wertvolle Devotionalien
 
Doch so schlicht, wie das Bethaus von außen wirkt, so aufwändig und schön gestaltet ist es im Inneren. Zu ihrer Zeit hoch angesehene Maler haben die Räumlichkeiten ausgestattet, erklärt unser Tour Guide: „Sie verwendeten damals neue und innovative Techniken und Designs, zum Beispiel das dreidimensionale Malen.“ Unter den Kostbarkeiten befindet sich etwa eine berühmte Ikone aus der Zeit der Palaiologen und sie soll etwa 1400 n. Chr. entstanden sein: Die Ikone ist auf beiden Seiten bemalt sowie auf noch älteren Heiligenbildern gemalt.
Von den insgesamt 6.500 wertvollen Devotionalien der orthodoxen Kirche in ganz Pieria würden sich allein in Kolindros 1.300 befinden, weiß Pater Panagiotis zu erzählen. 
Einige Ikonen sind in dem kleinen Hauptraum der Kirche ausgestellt. Bis auf eine handelt es sich dabei aus Sicherheitsgründen allerdings nicht mehr um die Originale, sondern um sehr gute Nachbildungen. 
Die hölzernen Sitzgelegenheiten in dem Raum sind auf einen halbrunden Bereich ausgerichtet, den nur der Pope betreten darf. Alle anderen Personen, insbesondere Frauen, sind dort nicht erlaubt. An diesem Ort hält der Geistliche die wöchentlichen Gottesdienste ab. 
In einem kleineren Nebenraum der Kirche, der im Gegensatz zu dem Hauptraum eher spartanisch eingerichtet ist, durften früher die Frauen beten – es herrschte strikte Geschlechtertrennung bei den Gottesdiensten. 
 
Weitere Fotos:

Vorraum
Vorraum der Kirche
 
 
Nebenraum für Frauen
Nebenraum für die Frauen
 
Text und Fotos: Leonie Wartenberg / Griechenland Zeitung
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