LESER-GESCHICHTEN: Ein Tag auf Tinos, der heiligen Insel

  • geschrieben von 
LESER-GESCHICHTEN: Ein Tag auf Tinos, der heiligen Insel
„O Filos mou" Dimitris schlägt den gefangenen Kalamari auf der Hafenmauer von Panormos weich, dadurch wurde ich wach, weil mein Zimmer im Hotel Elena nur wenige Meter vom Meer entfernt ist und Dimitris dort jeden Tag seinen Fischfang aus den Netzen sammelt. Er wird dabei von einer kleinen Schar Katzen genau beobachtet und manchmal haben sie Glück, da fällt dann etwas für sie ab. Die Sonne blinzelt über den Berg im Rücken des Fischerortes und das Meer liegt einladend hellblau und still vor uns. Wenn ich nach rechts schaue kann ich weit aufs Meer blicken und dort draußen sehe ich dann kleine Poseidon- Wellen mit Schaumkronen. Nach kleiner Morgentoilette geht es mit Badehose und Handtuch zum ca.
zum ca. zehn Minuten zu Fuß entfernten und von Tamarisken geschmückten  Strand Rohari, der schon von der morgendlichen Sonne erwärmt wird.  Da er die ersten 20 Meter sehr flach ist, erwärmt er sich schnell. Wenn man auf dem sehr weichen Sand  weiter rein läuft,  bemerkt man mit der zunehmenden Tiefe auch die kalten Strömungen vom Meer. Aber das macht nichts. Jetzt im Mai hat er morgens maximal 20 °, aber zum Wachwerden ist das erfrischende Bad genau das Richtige.

Auf dem Weg zurück, am Meer entlang, meckert mich vom Hügel eine der auf Tinos vielen wildlebenden Ziegen an. Vielleicht war es auch ein Morgengruß, ich meckere frohgestimmt zurück. Nach der Dusche im Hotel gehts zum griechischen Frühstück in die nahe Taverne To Limanaki. Andreas der Wirt gibt mir einen „megalo, metrio greek Coffee" und einen frischgepressten Orangensaft.  Da ich wie fast alle Griechen abends spät esse, ist dies das Einzige was ich morgens zu mir nehme. Dabei genieße ich, direkt am Meer sitzend,  die unglaubliche Stille des Fischerortes Panormos Bay, die nur von einigen Autos der Anwohner sanft unterbrochen wird. Die Fischerfrau von der Taverne nebenan gießt fröhlich lächelnd ihre Blumen, während ihr Mann die Netze säubert.

Frisch gestärkt fahre ich heute nach Koumelas und Mali. Diese Orte liegen sehr abgelegen im Westen von Tinos und sind nur über eine steile, zum Teil unbefestigte und ausgewaschene Straße erreichbar, welche an vielen Stellen eine Steigung von 12—15 % hat und vielleicht sogar noch darüber hinaus. Meinem lieben Autoverleiher Dimitris darf ich davon gar nicht berichten dass ich diese Straße fahre, sonst gibt er mir vielleicht kein Auto mehr...grins. Ich bin ein recht erfahrener Autofahrer der schon mehr als 1,5 Millionen Kilometer berufsmäßig und privat gefahren ist. Doch diese Straße, die sehr eng ist und meist links oder rechst sehr steil abfällt, ist selbst für mich eine große Herausforderung. Zunächst fahre ich aber auf guten Straßen am malerischen Pyrgos vorbei, dort wo es die berühmten Marmormuseen und viele Künstler gibt, und die sehr berühmte Platia mit der uralten Platane und den schönen Tavernen. Pyrgos ist ein malerischer Ort, besonders frühmorgens oder abends, wenn die Touristen noch nicht da oder schon wieder weg sind. Nach Pyrgos geht es rechts ab nach Marlas, einem kleinen Dorf hoch oben auf ca 550  Metern.  Bei guter Fernsicht kann man von diesem kleinen malerischen Ort bis Ikaria schauen, aber auf jeden Fall nach Pyrgos und runter nach Panormos-Bay. In Marlas leben laut meinem Freund Manoulis, einem ehemaligen Schiffkapitän der sich dort niedergelassen hat und ein kleines, schönes, selbst restauriertes Haus besitzt, mit ihm noch 22 andere Griechen.  Nach Marlas geht es dann zunehmend steil bergab nach Koumelas, vorbei an einem riesigen ehemaligen Marmorsteinbruch. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir kein Auto entgegen kommt, denn nur für einen von uns ist Platz genug auf der Straße mit Ausblick nach Andros, der nahen Nachbarinsel. Nach 20 Minuten sehr vorsichtiger Fahrt im Schritttempo (gute Bremsen sind  sehr wichtig auf diesem Weg nach unten ans Meer) werde ich mit dem Ausblick des malerischen, aber noch fast  einsamen Ort Koumelas, belohnt. 

Wie in Mali leben hier nur in den Sommermonaten Juni-August/September einige Menschen. Manche kommen auch mit dem Boot an und ersparen sich die sehr steile und schwierige Straße. Ich verdränge den Gedanken, dass ich diese Straße auch wieder hoch muss. Vielmehr genieße ich jetzt im Mai diesen romantischen Ort, der sicherlich nur von maximal 1 % aller Touristen und 10% aller Einwohner von Tinos besucht wird. Andros ist zum Greifen nah und mein Fotoapparat freut sich über die vielen Motive.

Von Koumelas führt eine kleine schwierige Geröllstraße nach Mali. Aber auch diese Anstrengung lohnt sich sehr. Mali ist noch ein wenig romantischer und malerischer als Koumelas und bietet zudem 2 Traumstrände, wo von einer nur  mit dem Boot oder mittels hinschwimmen erreichbar ist.  Der Blick aufs Meer ist gigantisch, auf  Andros kann man fast jedes Haus und jeden Baum erkennen, so nah ist diese noch etwas größere Nachbarinsel. Von der Kirche auf dem Felsvorspung kann man weit blicken. Alle Strapazen haben sich gelohnt. Nur einen einzigen Einwohner kann ich wahrnehmen, alle anderen Häuser erscheinen noch unbewohnt.  Tavernen gibt es da leider keine, aber die Augen erblicken viele schöne Motive. Und die Ruhe ist götlich. Man hört nur das wohlklingende Rauschen des Meeres. 

Nach unzähligen schönen Fotos mache ich mich wieder auf  den Weg, mit einem mulmigen Gefühl, denn die steile Straße muss noch bewältigt werden.  An manchen Stellen ist dies nur im ersten Gang möglich und selbst als geübter Fahrer ziemlich schwierig. Damit das Fahrzeug auf der zum Teil unbefestigten Straße mit der  ausgewaschenen Fahrbahn (da werden im Winter sicher große Wassermassen herunterstürzen) nicht aufsetzt.  Mit etwas Schweiß und Geduld schaffe ich es schließlich wieder in Marlas unbeschadet anzukommen. Das Auto hat gute Dienste geleistet und wird bei der nächsten Tankstelle mit neuer Tankfüllung und gesäuberter Frontscheibe belohnt.

Nach diesem Abenteuer führt mich mein Ausflug von  Marlas  vorbei an Pyrgos und dem Ort Platia zum Strand von Kalombithra. Der liegt ganz im Norden der schönen Insel. Dorthin führt mich eine sehr einsame Bergstraße , die höchste auf Tinos. Und nach links immer mit dem Blick aufs Meer. Im Mai wird man nicht nur auf dieser schönen Straße von leuchtendem und wohlriechenden Ginster begleitet und von unglaublich viel wildem Oleander, der in den Farben weiß bis dunkelrot im Paradies leuchtet. Kein Auto kommt mir bis Aetofolia entgegen (zirka 30 Minuten lang), dafür aber zahlreiche Schafe und wildlebende Ziegen, die immer wieder mal auf der Straße stehen. Meist unbeeindruckt von den wenig vorbeifahrenden Autos. Nur wenige der Tiere sind an den Läufen zusammen gebunden und können sich so frei bewegen. Durch Zufall erblicke ich zwei junge Esel, die von einem Felsvorsprung zu mir herabschauen. Ich liebe diese Tiere sehr und freue mich über deren Anblick. Und sie freuen sich über meine frischen Karotten (beim Gemüsehändler in Pyrgos kaufe ich fast tägliche welche), die ich auf Tinos immer dabei, um diese Tiere nicht nur mit meinem Anblick zu erfreuen.

Oberhalb von Aetofolia führt die Straße steil in Serpentinen bergab an einem kleinen Wasserfall vorbei, an  zahlreichen wunderschönen Kapellen und wunderbaren Olivenbäumen. Und im Ort selbst gibt es unglaublich viele Zitronenbäume mit riesigen Früchten. Die Straße führt weiter nach Kalo Klisma zur gigantischen grünen Lunge von Tinos, Katomeri .Dort wächst in dieser Ebene, die von zahlreichen Quellen gespeist wird, und bis zum Strand von Kalombithra reicht, eigentlich alles an Obst und Gemüse und Getreide, was man zum leben benötigt.  Diese fruchtbare Landschaft ist  für Tinos und seine Bewohner ein reicher Segen, aber auch für alle Touristen, welche die köstlichen Produkte  genießen dürfen. Getreide, Trauben, Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Äpfel, Zitronen, Madarinen, Pfirsiche und noch vieles mehr erblicken meine wissbegierigen Augen. Sogar viele Baumwollpflanzen sehe ich dort. Die Straße führt nach der Abbiegung in Kalo Klisma  und einer im Ort Komi direkt an den Strand von Kalombithra, direkt durch die grüne Lunge von Katomeri.
Und auf einmal tut sich das Meer auf, es ist ein gigantischer Anblick.
Nach einer Biegung, die an beiden Stränden von Kalombithra vorbei führt endet die Straße oberhalb einer Strandtaverne, ideal um ein zweites Bad zu nehmen und einen köstlichen Frappé zu genießen. Dazu ein wundervoller Meerblick. So macht ein Ausflug sehr viel Freude.

Nach diesem Genuss ist mein Ziel das wunderschöne Dorf Agapi (die Liebe). Ich fahre denselben Weg zurück bis Komi, dort muss ich gleich am Ortseingang links abbiegen in die Straße nach Loutra. Doch schon nach wenigen Metern führt eine Straße scharf links nach Agapi. Diese Abzweigung kann man leicht verpassen, da man vergeblich auf ein Hinweisschild, für Verkehrsteilnehmer von Komi kommend, wartet. Nur im Rückspiegel erkennt man ein Straßenschild welches eigentlich nur von der anderen Fahrtrichtung erkennbar ist. Macht nichts, wir haben es ja rechtzeitig erkannt und außerdem sind wir in Griechenland. Ich liebe dieses Land, weil nicht alles so perfekt ist bzw. nicht alles so wie gewohnt oder logisch angeordnet ist.  Übrigens nennt man das Tal,  welches von  Xinara und Kampus (nordwestlich vom Exemburgho, so heißt der markante Felsen der auch als Wahrzeichen neben der berühmte Wallfahrtskirche Maria  die oberhalb von Tinos-Stadt thront) bis runter zu Komi und Kalo Klisma führt auch das „Tal der Taubenhäuser". Auf der ganzen Insel gibt es zirka 740 Taubenhäuser, wovon ca. 200 genutzt werden, nach dem aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Taubenhaltung fast eingestellt war. Der Ursprung der Taubenhäuser geht auf die Venezianer zurück, die im Mittelalter die Insel verwalteten. Das älteste Taubenhaus soll  aus dem Jahre 1700 stammen. Es wird vermutet, dass die Tauben zur Nachrichtenübermittlung dienten, aber auch als Leibspeise.

Im Tal von Agapi stehen auch ca. 25 zum Teil wunderschön erhaltene Taubenhäuser, von denen die Hälfte noch oder wieder genutzt werden.
Das Tal von Agapi hat einen ganz besonderen Zauber und ist sehr grün.  Nicht nur viel blühender Ginster und Oleander sind zu bestaunen, auch die vielen Oliven-und Laubbäume machen das Tal zu einer sehenswerten Oase, gekrönt von der sehr alten und wunderschönen  Ortschaft Agapi. Und ich glaube, es heißt nicht zufällig die Liebe. Unglaublich viele Blumen sind neben den typischen, kykladischen, meist in blau-weiß gehalten Häusern. Auf dem Weg zur Taverna, die mitten in einem dunklen Gang liegt und auf die eine kahle Glühbirne hinweißt, spazieren wir vorbei an traumhaft intensiv blühenden Bougainvillea und herrlichem Oleander vorbei.
Diese alte griechische Taverna ist bezaubernd sowie die alten Damen welche diese führen. Alle Speisen werden selbst zubereitet (alte griechische Hausmannkost) und die Zutaten sind meist aus dem eigenen Garten.  Es schmeckt so gut wie es klingt. Ob Salat oder Zuchinibällchen, Fenchelbällchen oder das  berühmte Omelett, in dem sich neben Eier auch Hauswurst, Lammfleischstücke und Kartoffeln nebst Kräutern wieder finden. Dazu das passende Bier von Tinos welches Nissos heißt und ein selbstgebrannter Tsipuro.  Eine Alternative ist der selbsthergestellte Retsina, kräftig im Geschmack, etwas dunkler in der Farbe, aber sehr wohlschmeckend. Zum Abschluss bekommt man als Geschenk einen Nachtisch: in Sirup eingelegte Zitronenscheiben, ein sehr süßer Genuss. Ich empfehle ein Glas Wasser dazu. Die Verabschiedung von den sehr liebevollen Damen fällt mir immer schwer, aber ich möchte noch nach Volax.

Da die Straße in Agapi endet, fahre ich auf derselben wieder zurück und biege links ab Richtung Loutra. Nach etlichen Taubenhäusern und dem Blick rechts nach Kaloni biege ich nach dem Ort Krokos links ab nach Skalados. Dies ist ein sehr malerischer Ort und immer wenn ich dort vorbei fahre, sehe ich rechts ein Pferd an einen Baum gebunden, wie in einem alten Westernfilm. Nach Slalados  biege ich links zum dem magischen Ort Volax ab, dem nächsten Ziel meines Ausfluges. Die Landschaft von Volax hat etwas Magisches. Es schaut fast so aus, als hätte einer der Götter mit riesigen Steinen gewürfelt und die vielen Steinwürfel einfach doch liegen gelassen. Eine Art Stonehenge. Dazu unglaublich viel Ginster, mam wähnt sich in einem gelben Meer, Olivenbäume, verstreute Kapelle und dann der malerische Ort Volax, ein beliebtes Reiseziel vieler Tinosbesucher.
Volax, welches auch als Korbflechterdorf bekannt ist, denn dort kann man vier verschiedenen Korbflechtern noch bei der Arbeit zusehen, hat neben dem schönen Amphitheater viele wunderschöne Häuser nebst wunderschön blühenden Pflanzen. Eine Augeschmaus nicht nur für Kameras. Und es gibt zwei Tavernen, wobei die erste am Beginn des Ortes meist von den Touristen genutzt wird, während die zweite im Ort drin eher etwas für  Einheimische und Insider ist.  Sie erinnert in ihren Speisen an die Taverna in Agapi, also sehr empfehlenswert (ganz besonders die griechische Hauswurst und die säuerlich eingelegten Artischocken). Und wie es der Zufall oder die Bestimmung will, treffe ich meinem griechischen Freund Leandros mit seinem Pferd Mima vor dem örtlichen Spezialitätengeschäft, wo man Produkte von Tinos (Kräuter wie Oregano und Thymian, Olivenöl, den berühmten Thymianhonig, die große Tinos-Kapern und vieles mehr) erwerben kann.  Leandros  ist ein griechisches Original und seine positive Ausstrahlung ist schon ansteckend.  Er sagt, dass er seine Kraft und seinen Lebenswillen von dem Kosmos, also von den Sternen empfängt. Hier auf Volax, sagt Leandros, ist man den Himmelsgestirnen sehr nah und kann auch neben Delphi die Kraft der Götter am stärksten spüren.

Leandros ist ein positiv verrückter Mann (mittlerweile Freund), ich muss gestehen, dass ich ihn sehr mag. Manchmal, wenn er zu lange von diesen Himmelskräften spricht, wird sein Pferd Mima ungeduldig und dreht eigenständig eine kleine Runde durch Volax, kommt aber nach einigen Minuten immer wieder zurück. Bevor ich mich verabschiede, verabrede mich mit Leandros auf ein Treffen beim nächsten Mal in seinem Garten bei Volax. Er sagt, es gebe dann Fisch und Spagetthi und selbstgemachten Wein. Ich bin schon voller Ungeduld wenn ich nur dran denke.
Mein Weg führt mich jetzt zurück über Loutra  in Richtung dem Bergdorf Kardiani. Die Straße führt  auf den Bergkamm bei Xiinara, wo ich dann rechts abbiege. Zwischen Kampos und Tarampados kommt mir dann lustigerweise mitten auf der Straße auf dem Mittelstreifen ein Stier entgegen. Ich weiche langsam nach links aus, als ich merke, dass er sich relativ friedlich nach rechts orientiert. Er würdigt mich eines kurzen Blickes und geht dann gemächlich seines Weges entlang. Gottlob fahren auf Tinos sehr wenige Autos und die Einheimischen wissen, dass man auf dieser heiligen Insel immer mit Tieren rechnen muss.

Es ist schon sehr später Nachmittag als ich auf dieser südlichen Bergstraße mit dem Blick links aufs Meer, nach Syros und zur ehemaligen Gefangeneninsel Jaros mich langsam dem wunderschön in einem grünen Gürtel gelegenen Dorf Kardiani nähere. Der Ausblick aus einer Höhe von 400 m aufs Meer ist unbeschreiblich schön. Der Wald, in dem Kardiani liegt, ist für die Kykladen ungewohnt dicht und erinnert mich an Österreich. Die kleine Nebenstraße die zum Dorf führt endet am Eingang desselben. Kardiani selbst kann man wegen der kleinen engen Gassen und vielen Treppen nur zu Fuß begehen.  Dieser Bilderbuch-Ort  verzaubert jeden der Griechenland liebt.  Mein Fotoapperat läuft heiß. Für die Augen ist es eine Wohltat sondergleichen. Zwischen diesen bezaubernden Häusern in atemberaubenden weiß-blau, weiß-rot und weiß-braun immer wieder der Blick aufs tiefblaue Meer und der sehr gut sichtbaren Nachbarinsel Syros. 

Kardiani (Kardia heißt übersetzt das Herz) hat fünf prächtige, ja imposante Kirchen, obwohl nur ca. 120 Menschen in dem Ort leben. Kardiani ist überwiegend katholisch. Und als ich mich eineinhalb Stunden nach diesem Augenschmaus auf den Heimweg machen wollte, rufen zwei ältere Damen nach mir. Sie haben mich gleich wieder erkannt. Beim letzten Kardiani-Besuch hatten wir ein kurzes, aber sehr liebvolles Gespräch, trotz meiner bescheidenen Kenntnisse der griechischen Sprache.
Die zwei alten Damen waren voller Freude mich wieder zu sehen und boten mir, ohne mich lange zu fragen, eine selbstgemachten Tsipouro (griechischer Grappa) an, den ich einfach nicht abschlagen konnte. Ich bekam aber auch genügend Nero (Wasser) angeboten, denn der Tsipouro war sehr stark. Wir plauderten wieder intensiv und ehe ich es versah verging eine  Stunde.  Als ich mich dann verabschiede, bekam ich von jeder Dame noch ein Küsschen mit auf den Weg und die Einladung zum Panairi (so ähnlich wie ein Dorfkirtag). Mit diesem schönen Erlebnis ging es heimwärts nach Panormos-Bay, mittlerweile dämmerte es schon. Ich liebe ja besonders die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Nacht, dieses Farbenspiel beeindruckt mich immer sehr.  Auf dem Weg von Kardiani über dem Bergkamm hinter Isternia musste ich noch mal sehr langsam fahren, ein ganzes Rudel wilder Bergziegen hatte es sich auf der wohl noch warmen Straße bequem gemacht. Nach dem ich diese passieren durfte, führte mich meine Weg wieder mittels vieler Kurven steil abwärts, vorbei an Platia und Pyrgos nach Panormos. 
Im Fischerdorf angekommen kehrte ich noch bei meiner Lieblingstaverne „To Limanaki" ein und  erfreute mich über den lecker zubereiteten fangfrischen Fisch und ein paar Gläset griechischen Rotwein. Inmitten meiner griechischen Freunde, die ich zur Feier dieses wunderschönen Tages auf ein Glas Rakomello einlud (Raki mit Honig, sehr lecker, am besten heiß zu genießen).Wir saßen noch lange sehr gemütlich und angeheitert beisammen, bis sich meinen müden Beine in das 100 Meter entfernte Hotel  bemühten, wo ich nach einer erfrischenden Dusche sofort einschlief. Glücklich und  zufrieden.

Tom de Belfore (Thomas Brömme)

Unter der Rubrik "Leser-Geschichten" stellt die Griechenland Zeitung Zuschriften von Leserinnen und Lesern ins Netz. Redaktionelle Eingriffe werden an den Texten nur vorgenommen, wo es unbedingt nötig ist. Die Griechenland Zeitung will damit Leserinnen und Lesern für ihre Griechenland-Geschichten oder -Informationen eine Plattform bieten

Nach oben