56 Jahre Griechenland

  • geschrieben von 
56 Jahre Griechenland

Im August 1959 fuhren unser Vater mit meiner älteren Schwester und mir in einem Opel Olympia über Italien nach Griechenland. Die klassische Tour Delphi, Athen, Mykene, Olympia aber im Zelt.
Die Straßen waren noch eher Flussbetten, als Autobahnen.


Auf der Heimfahrt suchten wir für die daheim gebliebenen Schwestern ein Geschenk. In Tegea auf dem Markt zu Panagia fanden wir schließlich einen ein Tag alten Zwergesel, den wir im Auto über die Adria und über sechs Grenzen nach Deutschland schmuggelten. Asina wurde 30 Jahre alt. 

Während der Juntazeit packte mich in Göttingen die Sehnsucht nach meiner ersten Liebe, die mit ihrer Mutter in Aegina Urlaub machte und so fuhr ich mit meinem ersten Käfer über den Autoput nach Aegina. Als ich Sabine auf der Promenade von Ägina Stadt küsste, wurden wir von der Militärpolizei fast verhaftet.NEU

Im Herbst 1977 begegnete ich Nadja in Mykonos. Sie wohnte in Pangrati und ich ließ mich von der AEG in Ulm nach Athen entsenden. Als ich dort ankam, war sie schon in China.  Die eineinhalb Jahre bei der AEG in Moskaton zwischen Großmarkt und der Raffinerie Elvin waren hart. Zweimal wurde ich ohnmächtig; mein Chef arbeitete mit Vorliebe auch am Sonntag und ich sah den blauen griechischen Himmel nur aus dem Büro.
1980 kam mein Vater nach Athen und wir fuhren in meinen nagelneuen Käfer Cabrio über Thessaloniki auf den Athos. Es sollten 35 weitere Athos Wanderungen folgten: 
„Eine Wanderung über den Berg Athos ist eine Pilgerfahrt
zu den wundertätigen Ikonen der Panagia, der Mutter Gottes:
die berühmteste ist die die Axion Esti im Protaton in Karyes, es folgen die Schnellhörende im Kloster Dochiariou, die Sakristanin, die Weltenherrscherin und die Hingeschlachtete im Kloster Vatopediou, die Pförtnerin im Kloster Iviron, die Süßküssende im Kloster Filotheou, die Oikonomissa und die Koukouzelissa im Kloster Megistis Lavras und die Myrrhenduftende im Kloster Pavlou.
In der Stille der vom Mondschein trunkenen Klöster, nur die Gesänge der Zikaden im Ohr und auf den uralten nach Thymian duftenden Pfaden erwandere ich mir Gelassenheit gegenüber dem Leben.“mit Asina im August 1959.jpgbig

Meine Liebe gilt den griechischen Quellen und Flüssen: Die Thermopylen entdeckte ich, als ich an einem kalten Wintertag an dem Quelltopf vorbei fuhr; es folgten Methana, Ipati, Platistomo, Aridea und Agkistro. Heute gilt meine große Liebe Edipsos. Hier soll Herakles die Kraft für seine 12 Heldentaten geschöpft haben. Wenn ich morgens bei Sonnenaufgang in der Gourna vor dem Hotel Sylla sitze oder abends den Vollmond über den Kamm des Gebirges rollen sehe, glaube ich daran.
Das Tempital mit den riesigen Schatten und Kühle spendenden Platanen und mit der Quelle neben der Felsenkirche Agia Paraskevi, die Augenleiden heilt und den Quellen der Venus, der Artemis, der Athene…
Die Flüsse Pineios, Aliakmonas, Axios, Strimonas und Voidomatis.mlFDdWphxGUYwjCIFTXCdBxvU9gFQJwoPTQglLpjBpc

Hommage an Odysseas Elitis:
Als die Sonne über den Honigberg springt
und ihr gleißendes Licht in die schlafenden Straßen flutet,
erwachen die Ringeltauben in den Pinien von Zografou
und fliegen gurrend in den Morgen

Traumes trunken steigt meine Sehnsucht vom Nachtlager
am Fuße das Lykabettos durch seine weißen Marmorflanken
die duftende Gipfelkapelle umkreisend
mit blumenumkränzter Stirn wandere ich vorbei an
zyklopischen Säulen des heiligen Zeustempels
gen Salamis, Hyperion zu suchen.

Das wasserlose Ilissos Flussbett hinab wandernd,
sehe ich in Turkolimani dem Schaukeln der Boote zu
und schmecke den bitteren Geschmack des Meeres.

Ich blicke hinüber nach Ägina, der Mimoseninsel
nach Methanas blühenden Nussbäumen unter erloschene Vulkanen
und nach Poros, der Insel des Schlafmohns

Als die Abendsonne hinter weißen Bergdörfern verblutet,
rötet sie das Meer und den Himmel.
Im Angesicht der langsam verblassenden Inseln,
steigt die Wehmut aus der Tiefe, noch zaudernd,
Ob in Schmerz oder Freude mich hüllendsmall

Alexander Dombrowsky

Dieser Beitrag und die Fotos wurden uns im Rahmen unseres Leserwettbewerbes zum zehnjährigen Jubiläum der Griechenland Zeitung von Alexander Dombrowsky zugeschickt. Wir möchten uns dafür ganz herzlich bedanken!

Nach oben