Pefkari auf Thassos.

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Pefkari auf Thassos.

Du fliegst ein in Kavala, auf einen Flughafen, der nicht so richtig einer ist,
leer von Flugzeugen.
Wenn du ausgestiegen bist und zurückschaust, kommt dir die Boeing 737-800 wie
verloren auf dem Flugfeld vor.

Den Flug zu buchen hierher, geht nur mit Hindernissen, erst von da und dann von
dort und letztlich geht es viel früher oder viel später los, nicht mit der Linie, sondern
mit einer anderen und dann nicht direkt, sondern via Zakynthos oder einer der
anderen der vielen griechischen Inseln.
Aber das ist noch nicht alles.
Der Bus fährt zum Hafen Keramoti. Überfahrt mit der Fähre nach Thassos-Stadt und
anschließend Busfahrt um die halbe Insel nach Pefkari.

Also, keine angenehme Anreise, wie sie der verwöhnte Tourist aus Deutschland
kennt - Abfahrt von zu Hause und Einflug ins Hotel, natürlich alles inklusive.
Dann ein Hotel und „riesige Zimmer“, in denen man nicht weiß, wo man die Koffer
hinstellen soll.
Wasserhähne, aus denen es immer tropft. Die Türklinke hat man in der Hand beim
Öffnen oder Schließen.
Die Handtücher kratzen wie Sandpapier.
Die Hellhörigkeit des Hauses läßt den Nachbarn alles miterleben.
Die Musik der Bar übertönt das Rauschen des Meeres.
Unser Hotel in Pefkari, im Süden von Thassos, das in Deutschland von den
Behörden geschlossen würde. Aber für mich das Top-Hotel mit der Wärme und Güte
dieser Menschen, die hier leben und dieses Hotel betreiben.
Ich komme hierher, zum vierten Mal, „nach Hause“ zu den Menschen, zu Kostas und
seiner Familie.
Schon beim ersten Mal, als ich hier war, empfand ich, daß sie meiner Seele nahe
waren.
Jetzt komme ich hierher, werde empfangen mit Küßchen von Oma und strahlenden
Augen vom Opa, der mir erklärt, daß seine Zigaretten gesünder sind als meine, und
dabei schleicht ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht.

Ein freudiges Hallo von Kostas und den anderen Angestellten, die einen nach einem
Jahr wiedererkennen.
Bei meinem ersten Besuch meine Frage „Wo ist der Safe, wie ist es mit Bezahlen?“
Antwort: „Kein Safe, kein Problem, trinken und essen, bezahlen später.“
Ich bezahlte nicht am ersten Tag, nicht am zweiten. Kostas winkte immer ab und
sagte „Später“.
Mißtrauisch schrieb ich meinen Konsum auf.
Beim Bezahlen stimmte die Rechnung nicht.
Es war viel zu wenig, was er berechnete.
Auch beim zweiten Urlaub war es so.
Hier habe ich wirklich Urlaub, und zum Schluß zahlte ich mit gutem Trinkgeld und
gutem Gewissen.
Es ist toll.
Die Bar hat geöffnet bis open end. Die Gläser sind übervoll und jeder Wunsch wird
mit Freundlichkeit erfüllt.
Aber was zählt:
Dieses Hotel mit seiner Familie.
Dieses wunderschöne Anwesen unter Pinien und Palmen. Die Bar, die
Frühstücksterrasse, die Taverne, alles im Freien, mit Blick auf das rauschende Meer.
Die tiefblaue Ägäis.

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Der Blick auf die liebliche Bucht, und manchmal – wenn das Wetter es zuläßt – grüßt
der Berg Athos in der Ferne mit seinem Mythos über das Meer.
Menschen, mit denen ich hier bin und war, und die Stammgäste, die man
kennenlernen durfte und die – wie wir – die Innigkeit dieses Fleckchens Erde mit
seinen Menschen spüren.
Die die Unzulänglichkeiten des Hierseins teilen und den Himmel lieben, unter dem
man seine Seele baumeln lassen kann.
Die Insel mit den Dörfern, die sich in den Bergen in milder Stille verstecken, in denen
du dich verlieren kannst.
Die kleinen, geschäftigen Häfen an der Küste mit ihren Stränden.
Die einladenden türkis schillernden Buchten.
Das Grün des Bergwaldes, die Olivenhaine, der beschauliche Untergang der Sonne
über Limenaria und den Bergen, und da ist noch was …
Die mit mir sind, fühlen es, aber es läßt sich nicht beschreiben.
Es hängt mit diesen Menschen, mit ihrer Kultur, ihrer Musik und dieser Landschaft
zusammen.
So wie sich die Abenddämmerung melancholisch über das Meer und die Bucht legt,
kommt der Appetit auf Tzatziki, Wein und die Musik mit ihrer Kraft des Gütigen, für
die Sinne.
Hier habe ich Lust auf das Leben.

Wolfgang Schmidt

Dieser Beitrag und die Fotos wurden uns im Rahmen unseres Leserwettbewerbes zum zehnjährigen Jubiläum der Griechenland Zeitung von Frau Anngret Glöß zugeschickt. Verfasst und gezeichnet bzw. aufgenommen wurden sie von Herrn Wolfgang Schmidt. Wir möchten uns dafür ganz herzlich bedanken!

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