Erneut Gewalt in Hotspot auf Chios

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Erneut Gewalt in Hotspot auf Chios
In der zweiten Nacht in Folge kam es am gestrigen Donnerstag in einem Hotspot auf der Insel Chios in Griechenland zu schweren Ausschreitungen. Dabei gingen mehrere Zelte von Flüchtlingen in Flammen auf. Da der Hotspot nach den bisher vorliegenden Informationen von außen mit Brandflaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen wurde, wird ein rechtsradikaler Hintergrund nicht ausgeschlossen.
Wie die amtliche Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA meldet, wurden gegen 20 Uhr zwei Brandflaschen in den Souda-Hotspot geworfen, der sich im Festungsgraben von Chios-Stadt befindet. Vermutlich seien sie von der Festungsmauer hinabgeschleudert worden, hieß es unter Berufung auf die Polizei. Daraufhin seien rund dreißig solidarische Bürger, die gerade ein einem Gedenkmarsch für den Studentenaufstand im Athener Polytechnikum 1973 teilnahmen, zum Lager geeilt. Sie seien aber von der Bereitschaftspolizei nicht hineingelassen worden. Dabei sei es auch zu verbalen Auseinandersetzungen mit anwesenden Rechtsradikalen gekommen.
Um 23 Uhr wurden dann weitere Brandflaschen sowie Böller in das Lager geworfen, vermutlich erneut von der Festungsmauer aus. 150 Flüchtlinge, vor allem Familien, seien daraufhin in eine nahe gelegene Fischauktionshalle geflüchtet. Zwei griechische Unterstützer der Flüchtlinge wurden später in der Nacht von ungefähr dreißig Unbekannten zusammengeschlagen, als sie das Gebäude am Fischereihafen verließen.
Bereits am Vorabend war es im Hotspot zu Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Teil des Lagers abbrannte. Allerdings waren in diesem Zusammenhang die Flüchtlinge selbst als Verursacher genannt worden: Sie hätten ein Geschäft mit Feuerwerkskörpern geplündert und diese dann abgefeuert. Anschließend kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Anwohnern. 37 Menschen wurden wegen der Krawalle in der Nacht zum Donnerstag vorläufig festgenommen und zwei von ihnen verhaftet. Es gab vier Verletzte und erhebliche Sachschäden an Geschäften und parkenden Autos.
 
(Griechenland Zeitung / ak, Archivfoto: © Eurokinissi)
 
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