Tätlicher Angriff von Neofaschisten auf Pädagogen Tagesthema

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Tätlicher Angriff von Neofaschisten auf Pädagogen

Im westlichen Athener Vorort Perama kam es am Dienstag in einer Schule zu Übergriffen von Neonazis auf Pädagogen und Vertreter der lokalen Selbstverwaltung. Anlass war eine Sitzung, bei der Einzelheiten über den Unterricht für 25 Flüchtlingskinder in der Schule besprochen werden sollten.

Um die Mittagszeit drangen rund 20 Mitglieder und Sympathisanten der Neonazipartei „Chryssis Avgi“ (CA = „Goldene Morgenröte“) bis auf den Schulhof vor und prügelten auf Anwesende ein. Geleitet worden sei diese Aktion vom CA-Parlamentarier Jannis Lagos, berichteten Augenzeugen. Einige Eltern, die sich ebenfalls versammelt hatten, sollen sich als Sympathisanten der CA zu erkennen gegeben haben. Betroffene berichteten, dass sie von den Neofaschisten brutal mit Schlägen und Fußtritten attackiert wurden. Auch zahlreiche Schüler seien zum Zeitpunkt des Vorfalls auf dem Hof gewesen. Ziel sei es offenbar gewesen, ein Klima der Angst und des Schreckens zu verbreiten. Kritisiert wurde von den Opfern vor allem die Tatsache, dass Einsatzkräfte der Polizei bei diesem Vorfall anwesend waren, aber nicht eingriffen. Die Lehrergewerkschaft DOE rügte dementsprechend in einer Erklärung, dass der Angriff unter Duldung der anwesenden Polizisten erfolgt sei. Die Polizeidirektion hat eine interne Untersuchung zu den erhobenen Vorwürfen angekündigt. 

Der Generalsekretär des Bildungsministeriums Jannis Pantis erklärte, dass durch den Vorfall der Unterricht für die Flüchtlingskinder nicht zum Erliegen kommen werde. Man werde „am moralischen Kodex und an den internationalen Verträgen, die unser Land unterzeichnet hat, festhalten“. Sämtliche Flüchtlingskinder müssten Unterricht erhalten.
In der Region Perama / Keratsini, traditionelle Arbeiterbezirke westlich von Piräus mit besonders hoher Arbeitslosigkeit, haben insgesamt drei Schulen den Auftrag erhalten, Flüchtlingskinder zu unterrichten. Es handelt sich um 80 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren, die in einem Lager bei Schisto, östlich von Piräus, untergebracht sind. (Griechenland Zeitung / jh)
 
Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Dienstag während eines Besuches des italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella (3.v.r.) im Flüchtlingslager bei Eleona in der Nähe von Athen. Letzterer hatte sich in der griechischen Hauptstadt u. a. mit seinem Amtskollegen Prokopis Pavlopoulos und mit Ministerpräsident Alexis Tsipras beraten. 
 
 
 
 
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