Enthüllungsjournalist zu Haftstrafe mit Bewährung verurteilt Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den Herausgeber und Journalisten Kostas Vaxevanis im April 2017 vor dem Gericht. Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den Herausgeber und Journalisten Kostas Vaxevanis im April 2017 vor dem Gericht.
Der griechische Enthüllungsjournalist Kostas Vaxevanis wurde am Mittwoch zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt, die auf eine dreijährige Bewährung ausgesetzt wurde. Verurteilt wurde er wegen übler Nachrede. Eingereicht hatte die Klage die Ehefrau des Gouverneurs der Griechischen Zentralbank, Jannis Stournaras.
Der Verurteilte ist Herausgeber der Zeitschrift Hot Doc. Darin hatte er ein Bild von Stournaras und dessen Ehefrau Nina Nikolopoulou samt Bildtext veröffentlicht, den das Paar als beleidigend und verleumdend empfand. Den Tatbestand der Verleumdung sah das Gericht als nicht ausreichend erwiesen. Das Vorgehen des Journalisten sei allerdings beleidigend gewesen, so das Urteil.
Kostas Vaxevanis hat sich als Journalist in Griechenland und im Ausland einen Namen gemacht, weil er auch vor der Aufarbeitung sehr heikler Themen nicht zurückschreckt. Ausgezeichnet wurde er dafür u. a. mit dem Journalistenpreis Julio Anguita Parrado. 
Begonnen hatte er seine journalistische Karriere Ende der 80er Jahre beim Zentralorgan der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) „Rizospastis“. Später arbeitete er für liberale Zeitungen wie To Vima, Eleftherotypia, Kathimerini und To Pontiki. Anschließend begannen Einsätze als Kriegsberichterstatter für griechische TV-Sender. 
Mit seiner journalistischen Arbeit – vor allem im 2012 von ihm gegründeten Hot Doc – legte er sich mit zahlreichen Vertreter des Establishments an. Auf ihn wurde u. a. ein Mordanschlag verübt. Verhaftet worden war er u. a. wegen der Veröffentlichung der sogenannten „Lagarde Liste“ im Oktober 2012. Er hatte damals 2.059 Namen, die sich auf der Liste befanden, im Hot Doc veröffentlicht. Zum Teil handelt es sich dabei um Steuerhinterzieher. Das Thema ist bis heute auf dem Tisch und sorgte in der Vergangenheit auch immer wieder für politische Turbulenzen.
 
(Griechenland Zeitung / jh)
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