Die Biene im Altertum

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Das Foto © Horst Schäfer aus seinem Buch „Die Natur Griechenlands“ (Verlag der Griechenland Zeitung) zeigt Honigbienen beim Saugen des Blütennektars. Das Foto © Horst Schäfer aus seinem Buch „Die Natur Griechenlands“ (Verlag der Griechenland Zeitung) zeigt Honigbienen beim Saugen des Blütennektars.

Unter den alten Kulturvölkern hat zweifellos das antike Griechenland die Zucht und Pflege der Biene auf die höchste Entwicklungsstufe gebracht, so dass die Bienenzüchter des alten Hellas nicht zu Unrecht als die Lehrmeister der späteren, nicht minder hoch entwickelten Bienenzucht des alten Roms gelten.


Die früheste Kunde über die Vorliebe der alten Griechen für die Biene können wir aus den Werken Hesiods entnehmen, der als einer der besten Schilderer der griechischen Landwirtschaft zu gelten hat. Aus den Überlieferungen Hesiods geht deutlich hervor, dass den alten Griechen schon früh der gewölbte Honigkorb und die verschiedenen Gattungen der Bienen bekannt waren; So äußert sich Hesiod in lobender Weise über den Fleiß der Arbeitsbienen, während er die Trägheit und Fresslust der Drohnen tadelt. Auch die Drohnenschlacht und die Sonderstellung der Bienenkönigin wird von Hesiod ausführlich und treffend geschildert. Eine außerordentliche Verbreitung hatte die Bienenzucht besonders in der griechischen Provinz Attika gefunden; in diesem Gebiete bildete die Haltung von Bienen und Honiggewinnung einen Hauptzweig der Landwirtschaft, so dass sich Solon, einer der bedeutendsten Staatsmänner Athens, veranlasst sah, in einer die Bienenzucht betreffenden Verordnung einen Abstand von wenigstens 300 Fuß für die einzelnen Bienenkorbe zu fordern, um Streitigkeiten zwischen den einzelnen Züchtern zu vermeiden. Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt fand die Biene zu jener Zeit besonders in den Werken des Aristoteles ihre volle Würdigung. Die Forschungen dieses großen Griechen über die Lebensweise der Biene bildeten besonders für die spätere römische Bienenzucht eines der wichtigsten Hilfsmittel. Unter den ersten römischen Bienenzüchtern, welche die Erfahrungen des Aristoteles, wie überhaupt der Griechen praktisch verwerteten, ist besonders M. Terentius Varro zu nennen, der etwa um 116 v. Chr. lebte, und als einer der besten und erfolgreichsten Bienenzüchter des alten Roms galt.

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Foto © Horst Schäfer: Heute zählt die Peloponnes zu den bedeutendsten Honigregionen Griechenlands.

Die symbolische Bedeutung der Bienen wurde sowohl bei den Griechen, wie auch bei den Römern stets in Beziehung zu ihren Göttergestalten gebracht. So spielt in der Volkssage der Griechen die Biene bei der Geburt des höchsten Gottes Zeus auf der Insel Kreta eine nicht unbedeutende Rolle, denn die Ernährung des Neugeborenen wurde ausschließlich von den Bienen und Amalthea, der Ziege, besorgt. Der in der Antike bekannte, sogenannte „heilige Honig“ wurde von einer besonderen kupferfarbigen Bienenart erzeugt; weder die Menschen, noch die Götter durften diesen Honig berühren und als Nahrung verwenden, wenn sie sich nicht den Zorn des höchsten Gottes Zeus zuziehen wollten, um so der Vernichtung anheimzufallen. Diese Sage des heiligen Honigs bildete später die Grundlage für den Göttertrunk Nektar, der neunmal süßer als Honig war. Von Bacchus, dem Gott des Weines, wird erzählt, dass er als erster die ihn umschwirrenden Bienen gebändigt und in einem hohlen Baum zum Bau einer Wohnung veranlasst habe. Wie Zeus, ist auch Bacchus in seiner Jugend von Bienen ernährt worden; die Nymphe Brisa soll ihm später die Kunst des Honigschleuderns gezeigt haben. Auch in der Mythologie des Gottes Apollo spielen die Bienen als der „Musen Vogel“ eine bedeutende Rolle, so wurde die Priesterin des Gottes zu Delphi im Volksmunde als „delphische Biene“ bezeichnet. Nach einer in einigen Gebieten Griechenlands vertretenen Auffassung wird die Erfindung der Bienenzucht dem Heros Aristus zugeschrieben, einem Sohne des Apollo und der Nymphe Cyrene. Und zwar soll die Gottin Ceres ihren Lieblingstieren, den Bienen, befohlen haben, Heros in der Kunst der Imkerei zu unterrichten. Die ihm erteilten Lehren über die Bienenzucht setzte Heros in Thessalien in die Tat um, indem er die wildlebenden Waldbienen in selbstangefertigte Bienenstöcke einschloss, und so den gewonnenen Honig als Nahrung verwertete. Die außerordentliche Bedeutung der Biene in der antiken Götterwelt brachte es als selbstverständliche Folge mit sich, dass das Produkt der Bienen, der Honig, als Weihgeschenk für die zahlreichen Gottheiten vielseitigste Verwendung fand. (gekürzt nach Dr. P. Marte 11, Berlin-Johannisthal, Entomologischer Anzeiger Jahrgang IX)

Auszug dem Buch „Die Natur Griechenlands“, das im Herbst im Verlag der Griechenland Zeitung erschienen ist. Horst Schäfer stellt in seinem Buch die häufigsten und auffälligsten Insekten und Reptilien Griechenlands in faszinierenden Bildern und lehrreichen Texten vor.  

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