Mit ihrem Tod verlieren die griechischen Geisteswissenschaften eine prägende Persönlichkeit. Am Montag (16.2.) ist die Byzantinistin Eleni Glykatzi-Ahrweiler im Alter von 99 Jahren verstorben.
Zur Welt gekommen war sie am 29. August 1926 in der Athener Gemeinde Vyronas. Ihre Eltern waren Flüchtlinge aus Kleinasien. Sie wuchs mit fünf weiteren Geschwistern auf. Als Jugendliche war sie während des Zweiten Weltkriegs aktiv im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. An der Universität Athen studierte sie zunächst Geschichte und Archäologie. Anschließend zog sie nach Paris, um ihre Studien dort fortzusetzen. Schließlich wurde sie als Professorin an die Universität Paris berufen und diente später u. a. als Direktorin der Abteilung für Geschichte in der geisteswissenschaftlichen Fakultät. Anfang der 70er Jahre gehörte sie zu den Gründern der auf Geistes-, Sozial- und Rechtswissenschaften spezialisierten Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne und war später deren Präsidentin. In der rund 700-jährigen Geschichte der Sorbonne war sie die erste Frau in diesem Amt – und weltweit die erste Frau an der Spitze einer Universität von internationalem Rang. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen und war Ehrendoktor mehrerer Universitäten. Darunter sind die Universitäten von London, Belgrad, New York, New Brunswick (Kanada), Lima, Harvard, Haifa, Freiburg (Schweiz) und Thessaloniki. Ihr Name wurde wie kaum ein anderer mit der Erforschung der byzantinischen Geschichte identifiziert. Nicht zuletzt vertrat sie auch die Überzeugung, dass das Grab Philipps II. in Vergina in Wirklichkeit das Alexanders des Großen und nicht dessen Vaters sei. (Griechenland Zeitung / eh)