Griechenland / Athen. In die politische Debatte rückte unmittelbar
nach der Rückkehr von Außenministerin Dora Bakojanni aus den USA
der wiederholt vorgebrachte Vorschlag, in Athen eine Moschee für
die gläubigen Moslems der Hauptstadt zu errichten. Bereits in der
Vergangenheit wurde die Wiedereröffnung der historischen Moschee am
Monastiraki-Platz ins Auge gefasst. Presseberichten zufolge will
sich Außenministerin Dora Bakojanni mit Erzbischof Christodoulos in
dieser Frage beraten. Letzterer hatte sich in der Vergangenheit
gegen die Wiedereröffnung der historischen Moschee ausgesprochen.
Enge Mitarbeiter des Erzbischofs verwiesen nun darauf, dass diese
Moschee, die zur Zeit als Museum dient, für die gläubigen Moslems
in Athen nicht genug Raum biete. Zu Wort meldete sich auch
Verteidigungsminister Evangelos Meimarakis. „Wir sind der Ansicht,
dass es eine absolute religiöse Freiheit geben muss, und genau
deshalb glauben wir auch, dass es eine Moschee geben muss." Man
müsse sich darüber verständigen, wo genau diese Moschee ihren
Standort haben soll. Der Präsident der Linksallianz SYN, Alekos
Alavanos, wies auf ein „großes Defizit" hin: „In Athen leben
tausende Moslems und wir sollten so kultiviert sein, ihnen einen
Raum für die religiöse Andacht zu geben." Außerdem sollte man dem
türkischen Premier Erdogan „keinen Vorwand bieten", die kirchlichen
Einrichtungen in der Türkei nicht mit dem gebührenden Respekt zu
behandeln „oder die Religionsschule in Chalki nicht zu eröffnen".
Hintergrund dafür ist eine Bemerkung des türkischen Premiers am
Wochenende. Vor Anhängern seiner Partei hatte er erklärt, dass er
bereits mehrmals um die „Renovierung der drei Moscheen in Athen"
gebeten habe; „und das machen Sie nicht". Außerdem hatte Erdogan
konstatiert, dass die Moslems in Thrakien ihre religiösen Führer
nicht wählen dürften. Hingegen schreibe seine Regierung nicht vor,
wer zum Patriarchen gewählt werde. Der türkische Premier kam
deshalb zur Schlussfolgerung: „Folglich sind wir liberaler. Das ist
der Unterschied."