Hellas fordert nach dem Brexit mehr Europa und mehr Solidarität Tagesthema

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Hellas fordert nach dem Brexit mehr Europa und mehr Solidarität

Die politische Elite Griechenlands hat nach dem Ergebnis des britischen Referendums über einen Austritt Großbritanniens aus der EU anfänglich sichtlich geschockt, letztlich aber gefasst reagiert. Der Tenor in Athen lautet, dass Europa von nun an mehr Politik und gesellschaftliche Gerechtigkeit zeigen müsse. Aus der Sicht Athens könnte man das Ergebnis des Referendums mit den Worten zusammenfassen: mehr Europa, mehr Solidarität.
Ministerpräsident Alexis Tsipras sprach von einem „unbestreitbar schwierigen Tag für Europa“. Die Entscheidung des britischen Volkes habe eine „tiefe politische Krise, eine Krise der Identität und der Strategie für Europa“ sichtbar gemacht. Das Ergebnis sei jedoch „kein Blitz aus heiterem Himmel“. Es habe Vorwarnungen gegeben, etwa durch den Anstieg der extremen Rechten und der nationalistische Kräfte. Die harten Sparmaßnahen hätten zu größeren Ungleichheiten sowohl zwischen dem europäischen Norden und Süden als auch im Inneren der europäischen Länder geführt.


Tsipras erwähnte in seiner Rede auch den Umgang mit der Flüchtlingskrise und hier etwa die Errichtung von Grenzzäunen. „Das britische Referendum wird entweder als Wecker“ oder als „Anfang einer sehr gefährlichen Rutschgefahr für unsere Völker fungieren“, schätzte der Premier ein. Letztendlich rief er zu einer „Vision für ein besseres Europa“ auf.

Die Meinung der Opposition
Zu Wort meldet sich auch der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia (ND) Kyriakos Mitsotakis. Er forderte die EU – „die für Jahrzehnte den Frieden und die Stabilität gewahrt“ habe – zu „Selbstkritik“ auf. Die Vorsitzende der sozialistischen PASOK Fofi Gennimata konstatierte: „Es ist ein Kampf verloren gegangen und nicht der Krieg.“ Sie betonte, dass „Europa unser gemeinsames Haus ist“. Dementsprechend müsse man sich über die Ursachen des Ergebnisses des britischen Referendums Gedanken machen. Aus den Reihen der liberalen „To Potami“ war die Rede von „einem Fehler der Geschichte“ und dass man „gegen die Populisten verloren“ habe. Nun sei es in Brüssel an der Zeit „mutige Veränderungen“ einzuleiten. Die kommunistische KKE wies auf die „inneren Wiedersprüche der EU“ hin. Und was die faschistische Chryssi Avgi betrifft, so begrüßte diese dezidiert den „Brexit“. (Griechenland Zeitung / eh)

Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt Ministerpräsident Alexis Tsipras am Samstag während einer Sitzung des Zentralkomitees seiner Linkspartei SYRIZA.

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