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Erinnerung des Genozids an den Pontosgriechen vor mehr als 100 Jahren Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Sonntag, 19.5.2024, vor dem Parlament in Athen. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Sonntag, 19.5.2024, vor dem Parlament in Athen.

Am Sonntag (19.5.) gedachte man in ganz Griechenland des Genzoids an den Pontosgriechen, der in den Jahren 1914 bis 1923 an dieser im damaligen Osmanischen Reich lebenden Bevölkerungsgruppe verübt wurde. Die Zahl der Ermordeten wird von Historikern auf über 350.000 geschätzt.

Gängige Methoden für dieses Verbrechen waren etwa die berüchtigten Todesmärsche ohne Trinkwasser und Verpflegung in Wüstengebiete, aber auch Hinrichtungen, willkürliche Ermordungen oder auch der systematische Entzug von Lebensmitteln.
In Erinnerung an diese Ereignisse fand u. a. auf dem Athener Syntagmaplatz eine Gedenkveranstaltung statt, anschließend folgte ein Protestmarsch bis vor die türkische Botschaft. In einem dort übergebenen Schriftstück wurde etwa gefordert, dass Bürger, die sich für die Findung der historischen Wahrheit einsetzen, nicht verfolgt werden dürften und dass Denkmäler des Griechentums in der Türkei geschützt werden müssten. Zu Wort meldeten sich auch die politische Führung Griechenlands sowie die Oppositionsparteien. Sie riefen die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, den Völkermord an der Volksgruppe der Pontier offiziell anzuerkennen. Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou konstatierte: „Jedes Volk hat die Verpflichtung, sein historisches Gedächtnis zu wahren.“ Außerdem kommentierte sie, dass die internationale Gemeinschaft „abscheuliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennen und verurteilen“ müsse, „um ähnliche barbarische Taten in Zukunft zu verhindern“.
Parallel zu diesen Appellen provozierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit der Feststellung, dass der „Geist des 19. Mai das größte Vermächtnis, das größte Kapital“ seiner Nation sei. Dieser Tag sei der „Funke des Geistes der Unabhängigkeit und der Zukunft der Nation“. Gemünzt waren diese Bemerkungen auf den Atatürk-Gedenktag in der Türkei.
Angesichts dieser Äußerungen rief die größte griechisch Oppositionspartei SYRIZA Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis dazu auf, auf diese Provokationen zu reagieren.
Die Präsidenten der Panhellenischen Föderation der Pontischen Verbände, Christina Sachinidou, erklärte, dass man die Erinnerung wach halten werde. Angesichts von „353.000 unschuldigen Opfern“, die damals unmenschlich ums Leben gekommen seien, warte man weiterhin auf Ankerkennung der damaligen Ereignisse durch die internationale Staatengemeinschaft. – Vom griechischen Parlament war der 19. Mai im Jahre 1994 als offizieller „Tag des Gedenkens an den Völkermord der Griechen im kleinasiatischen Pontos“ festgeschrieben worden. (Griechenland Zeitung / Jan Hübel)

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