Spätestens im kommenden Jahr finden Parlamentswahlen statt – und die größte Oppositionspartei PASOK (Panhellenische Sozialistische Bewegung) wird mit einem Schleier von Korruption konfrontiert, für die Parteimitglieder verantwortlich sein sollen.
Am Mittwoch (18.2.) wurde Anastassia Chatzidaki, bisher Mitglied des Zentralkomitees der PASOK und früher Sekretärin für Organisation, von der Parteimitgliedschaft suspendiert. Sie selbst hatte um diesen Schritt gebeten, bis die gegen sie erhobenen Vorwürfe aus der Welt geschafft werden könnten. Chatzidaki war bis Ende 2022 bei der staatlichen Organisation für Sozialleistungen und soziale Solidarität (OPEKA) in verantwortlicher Position für Zuwendungen an Bedürftige und Familien zuständig. Gegen sie wurde im Zuge einer Kontrolle durch die staatliche Transparenzbehörde der Verdacht erhoben, dass unter ihrer Führung in den Jahren 2020 bis 2022 soziale Zuwendungen in Höhe von 1.860.000 Euro an nichtberechtigte Personen ausgezahlt worden seien. Medienberichten zufolge will man bei insgesamt 372 Fällen auf zum Teil gravierende Unregelmäßigkeiten gestoßen sein. So etwa seien Anträge nicht in chronologischer Reihenfolge bearbeitet und Zuwendungen an Unberechtigte vergeben worden. Die Zeitung „Ta Nea“ titelte am Donnerstag (19.2.): „Eine neue Mine für die PASOK“.
Seitens der Regierungspartei Nea Dimokratia wies Fraktionssprecher Makarios Lazaridis mit Blick auf Chatzidaki darauf hin, dass diese über viele Jahre als PASOK-Funktionärin tätig war. Letztere stellte klar, dass sie mit den Behörden kooperieren werde, kritisierte aber, dass sie bisher noch keine Einsicht in den entsprechenden Bericht erhalten habe, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe entkräften zu können.
Innerhalb kurzer Zeit ist es bereits das zweite Mal, dass hochrangige PASOK-Mitglieder mit Vorwürfen von Korruption und Intransparenz konfrontiert werden. Erst vor wenigen Tagen war der der Vorsitzende des Dachverbandes der Gewerkschaften für die Privatwirtschaft (GSEE), Jannis Panagopoulos, als Parteimitglied suspendiert worden. Ihm hält man vor, dass unter seiner Verantwortung öffentliche Finanzmittel in Höhe von 73 Millionen Euro versickert sind bzw. zweckendfremdet an Unberechtigte ausgezahlt wurden. Beide Sozialisten, sowohl Chatzidaki als auch Panagopoulos, weisen die Vorwürfe kategorisch zurück.
(Griechenland Zeitung / Jan Hübel)