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Gericht spricht Angehörigen nach Tempi-Unglück Entschädigung zu Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand am Unfallort bei Tempi. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand am Unfallort bei Tempi.

Erstmals spricht ein Gericht nach dem Zugunglück von Tempi dem Staat Verantwortung zu. Vier Angehörige von zwei Opfern erhalten 400.000 Euro Entschädigung. Das Urteil könnte Signalwirkung für weitere Verfahren haben.

Ein Gericht in Athen hat vier Angehörigen von zwei Opfern des Zugunglücks von Tempi, das sich Ende Februar 2023 ereignete, in erster Instanz eine Entschädigung in Höhe von 400.000 Euro zugesprochen. Es handelt sich dabei um das erste gefällte Urteil, das dem Staat in dieser Sache Verantwortung zuschreibt.
In der ausführlichen Begründung der Entscheidung wird unter anderem ausdrücklich hervorgehoben, dass der griechische Staat – vertreten durch das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr – „trotz langjähriger Kenntnis über den gefährlichen und völlig unzureichenden Zustand des Eisenbahnnetzes seiner Aufsichtspflicht nur mangelhaft und ineffektiv nachgekommen“ sei. Durch dieses „rechtswidrige Unterlassen hat er kausal zum Schadensereignis beigetragen, das hätte verhindert werden können“. Der Interpretation des Anwalts der Familie zufolge kam das Gericht zu dem Schluss, dass der griechische Staat aufgrund des schlechten Zustands des Schienennetzes eine Mitverantwortung für die Tragödie trage.
Geklagt hatte die Familie der beiden Opfer. Die Klage war im April 2024 beim Verwaltungsgericht erster Instanz in Athen eingereicht worden und richtete sich gegen den griechischen Staat sowie die staatliche Eisenbahngesellschaft OSE.
Das Verfahren wurde jedoch dreimal vertagt und schließlich im Mai 2025 verhandelt. Das Urteil wurde am 27. März verkündet. In einer Stellungnahme betonte der Anwalt der Familie, dass die Katastrophe von Tempi kein Einzelfall oder zufälliges Ereignis gewesen sei, sondern das Ergebnis schwerwiegender Versäumnisse und eines systemischen Versagens bei Betrieb und Aufsicht des Eisenbahnnetzes. Diese gerichtliche Entwicklung mache deutlich, dass „die Suche nach Verantwortlichkeiten nicht bei einzelnen natürlichen Personen endet, sondern sich bis in den Kern des staatlichen Handelns erstreckt“.

Erweiterung des Gerichtssaales
Unterdessen wurde der Gerichtssaal in der mittelgriechischen Stadt Larissa, in dem der Hauptprozess zum Tempi-Eisenbahnunglück verhandelt wird, um 80 Quadratmeter vergrößert. Dadurch werden zusätzlich 50 Personen einen Sitzplatz bekommen. Außerdem werden mehr Mikrophone für die Anwälte installiert und Vertreter der Presse müssen sich akkreditieren lassen, um den Prozess verfolgen zu können. Der Prozess, der vorige Woche mit organisatorischen Schwierigkeiten begonnen hatte, musste u. a. wegen Platzmangels auf den 1. April vertagt werden. In den Fall verwickelt sind 36 Angeklagte, 250 Rechtsanwälte, zahlreiche Familienmitglieder der 57 Todesopfer sowie Menschen, die bei diesem Eisenbahnunglück verletzt wurden. Das Zugunglück hatte sich am 28. Februar 2023 auf der Strecke zwischen Athen und Thessaloniki ereignet, als ein Güterzug und ein Passagierzug frontal zusammenprallten. Unter den Opfern waren hauptsächlich Studenten. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

 

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