Nach einem bewaffneten Angriff in Athen legen Justizangestellte die Arbeit nieder. Sie fordern mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. In der vorigen Woche hatte ein 89-Jähriger mehrere Menschen mit einem Karabiner verletzt und damit u. a. einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hatte.
Die Justizangestellten in Athen legen am Montag und Dienstag (4./5.5.) jeweils zwischen 9 und 11 Uhr ihre Arbeit nieder. Damit wollen sie höhere Sicherheitsmaßnahmen an ihrem Arbeitsplatz durchsetzen. In der vorigen Woche war ein 89-jähriger Mann mit einem Karabiner in Büros der Einheitlichen Sozialversicherungsanstalt (EFKA) und des Berufungsgerichts in Athen eingedrungen und hat auf dort tätige Beamte das Feuer eröffnet. Die Sache ging relativ glimpflich aus: Mit leichten Verletzungen wurden fünf Personen in ein Krankenhaus eingeliefert.
Kampf um die Rente
Der Täter konnte zunächst entkommen. Mit einem Taxi war er bis in die Hafenstadt Patras gereist, wo er schließlich verhaftet wurde. Von dort aus wollte er eigenen Angaben zufolge am Mittwoch auf die Fähre nach Ancona gelangen. Anschließend wollte er weiter nach Deutschland reisen, erklärte er gegenüber den Behörden. Diese haben jedoch Indizien dafür, dass der 89-Jährige in Wahrheit nach Straßburg zum Europäischen Parlament reisen wollte.Der Mann hatte über viele Jahre für eine Rente in Griechenland gekämpft, wo er in jungen Jahren gearbeitet hatte. Renten aus Deutschland und den USA, wo er mehrere Jahre beruflich tätig war, seien ihm innerhalb von nur wenigen Monaten zugestellt worden.
„Organisierter Plan“
Bereits 2018 war er mit einer Staatsanwältin in Konflikt geraten. Damals hatte er als Drohung auf deren Schreibtisch mehrere Gewehrkugeln gelegt. Daraufhin wurde er in einer psychiatrischen Anstalt in Athen eingeliefert. Zudem wurde ihm ein Jagdgewehr, das sich in seinem Besitz befand, entzogen.Unterdessen sprechen die Ermittler von einem „organisierten Plan“ des 89-Jährigen. Gewerkschafter bei der Sozialversicherungsanstalt EFKA als auch Justizpersonal hatten bereits vorige Woche aus Protest die Arbeit niedergelegt. Sie fordern u. a. Einstellung von mehr Personal sowie die Stärkung der Sicherheitsmaßnahmen an ihrem Arbeitsplatz, damit sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen kann. Aus den Reihen der Oppositionspartei PASOK wurde kritisiert: „Die Justizangestellten bangen mittlerweile um ihr Leben und ihre Sicherheit“; ähnlich sähe die Situation auch bei den Bürgern aus. (Griechenland Zeitung / eh)