Der tragische Vorfall im südlichen Athener Vorort Ilioupoli, bei dem sich in dieser Woche zwei 17-jährige Mädchen offenbar in selbstmörderischer Absicht vom Dach eines sechsstöckigen Wohnhauses stürzten, hat in Griechenland eine intensive Debatte über die psychische Verfassung junger Menschen ausgelöst.
Eine der Jugendlichen starb noch am Ort des Geschehens; die zweite erlag am Donnerstagabend (14.5.) auf der Intensivstation eines Athener Krankenhauses ihren schweren Verletzungen. Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, der zuvor das Amt des Bildungsministers innehatte, sprach im Parlament von einem „zutiefst besorgniserregenden gesellschaftlichen Problem“ und betonte, dass man „diesen tragischen Fall nicht als eine bloße Nachricht, die man schnell wieder vergessen kann“, behandeln könne. „Wir müssen offen diskutieren, die wahren Ursachen untersuchen und versuchen, die Bedingungen zu beseitigen, die Kinder zu derart extremen und verzweifelten Handlungen nötigen“, erklärte er.
In griechischen Medienberichten wird auf einen angeblichen Abschiedsbrief von einem der Mädchen Bezug genommen. Er soll mit den Worten „Mama, Papa, diese Welt ist nicht für mich gemacht“ beginnen. Außerdem äußert das Mädchen darin eine pessimistische Einschätzung über den Ausgang der in einem Jahr für sie anstehenden Panhellenischen Prüfungen, bei denen sie „nicht gut abschneiden“ werde. Diese sogenannten „Panellinies“ entscheiden in Griechenland über den Zugang zu einer Universität.
Als Reaktion auf die Ereignisse in Ilioupoli warnt die Organisation KLIMAKA, die sich dem Kampf gegen die soziale Isolation verschrieben hat, vor den aktuellen Problemen für Jugendliche. Ihren Angaben zufolge muss 2026 ein Anstieg von Suiziden bei der Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahren registriert werden. In den ersten Monaten dieses Jahres haben sich bereits acht Jugendliche dieser Altersgruppe das Leben genommen; mit dem Tod des Mädchens am Donnerstag sind es nun neun. In den Jahren 2022 bis 2025 lag die Gesamtzahl für alle zwölf Monate stets darunter. Nur 2023 waren es insgesamt ebenfalls neun. Experten von KLIMAKA betonen, dass suizidales Verhalten meist nicht plötzlich in Erscheinung tritt, sondern das Ergebnis einer komplexen, oft lange unbemerkten psychischen Belastung sei. Gerade im Jugendalter blieben Gefühle wie Überforderung, Isolation oder Angst häufig unerkannt. Die Fachleute fordern daher den Ausbau von Präventionsangeboten, mehr Aufklärung sowie niedrigschwellige Hilfsangebote.
Elisa Warwas / Robert Stadler