Die griechische Regierung hat ein neues Gesetz zur Stärkung der Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen vorgestellt. Das Arbeitsministerium in Athen will damit die EU-Richtlinie 2023/970 umsetzen und das Lohngefälle in der Arbeitswelt weiter reduzieren.
Arbeitsministerin Niki Kerameus betonte bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs am Dienstag (26.5.): „Mit dem neuen Gesetz machen wir einen weiteren entscheidenden Schritt hin zu mehr Transparenz, gleichen Chancen und einem effektiven Schutz der Arbeitnehmer.“ Ziel sei es sicherzustellen, dass die Bezahlung ausschließlich von der Arbeit und ihrem Wert abhänge – nicht vom Geschlecht.
Auch Premierminister Kyriakos Mitsotakis unterstrich im Ministerrat die Bedeutung der Reform. „Die Gleichheit der Bezahlung ist ein Grundprinzip, das zwar verfassungsrechtlich und europäisch verankert ist, aber in der Praxis noch immer Lücken aufweist, die endlich geschlossen werden müssen“, sagte Mitsotakis.
Regierungssprecher Pavlos Marinakis erklärte nach der Sitzung des Ministerrats, das Gesetz schaffe erstmals ein umfassendes System zur Lohntransparenz – sowohl vor als auch während eines Beschäftigungsverhältnisses. Arbeitgeber müssten künftig bereits im Bewerbungsprozess über Gehaltsspannen informieren, während Fragen nach früheren Gehältern untersagt werden.
Zudem sieht der Entwurf vor, dass Unternehmen verpflichtet werden, geschlechtsneutrale und transparente Gehaltsstrukturen einzuführen. Beschäftigte sollen künftig das Recht haben, Informationen über ihre eigene Vergütung sowie über Durchschnittsgehälter vergleichbarer Positionen zu erhalten.
Bei nicht erklärbaren Lohnunterschieden von mindestens fünf Prozent sollen Arbeitgeber zu Korrekturen verpflichtet werden. Die griechische Arbeitsinspektion erhält zudem erweiterte Kontroll- und Sanktionsbefugnisse.
In einem Interview mit dem Sender ERTnews sagte Kerameus, dass Frauen in Griechenland derzeit im Durchschnitt rund 13 Prozent weniger verdienen als Männer. „Das darf so nicht bleiben“, betonte sie. Gleichzeitig kündigte sie eine Ausweitung der digitalen Arbeitszeitkarte sowie eine weitere Senkung der Sozialversicherungsbeiträge an.
Die Regierung bezeichnet die Reform als einen zentralen Schritt zur Modernisierung des Arbeitsmarktes und zur Stärkung der Arbeitnehmerrechte. (Griechenland Zeitung / eh)