Sechs Jahre nach dem verheerenden Unwetter „Ianos“ müssen Tausende Hochwassergeschädigte in Griechenland erneut Nachweise für erhaltene Entschädigungen vorlegen. Andernfalls droht eine Rückforderung von Zahlungen. Betroffene und Opposition sprechen von überzogenen Anforderungen und werfen den Behörden Versäumnisse vor.
„Die Bevölkerung ist äußerst aufgebracht. Sollte an diesen Plänen festgehalten werden, werden wir mit Protestmaßnahmen reagieren“, erklärte der Vorsitzende der Gemeinde Agios Theodoros in der Regionalbezirkseinheit Karditsa, Kostas Daraklitsis, gegenüber der Zeitung Ethnos.
Hintergrund sind finanzielle Entschädigungen für Schäden, die das Unwetter „Ianos“ hinterließe, das 2020 in der Gegend gewütet hatte. Bei Ianos handelt es sich um einen sogenannten Medicane, der im September 2020 in Griechenland insgesamt vier Menschen das Leben gekostet hat: ein seltener mediterraner Wirbelsturm. In Mitleidenschaft gezogen wurden vor allem Regionen wie Thessalien und die Ionischen Inseln. Dort kam es zu verheerenden Überschwemmungen und anderen schweren Schäden. Die größten Probleme hatten die Menschen auf den Ionischen Inseln sowie in der Region rund um die mittelgriechische Stadt Karditsa.
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Das griechische Rote Kreuz verteilte Wasserflaschen und Decken.
Millionen-Entschädigung
Der damalige Staatssekretär im Innenministerium, Thodoris Livanios, der heute dieses Ministerium leitet, erklärte im September 2020, dass mehr als 37 Millionen Euro in den durch das Sturmtief Ianos betroffenen Regionen Griechenlands zum Einsatz kommen sollten, um Schäden zu beheben. So etwa sollte jeder Haushalt, der vom Medicane betroffen war, eine einmalige Unterstützung in Höhe von 600 Euro erhalten; weitere 600 Euro waren für kinderreiche Familien oder Familien, die eine Person mit Behinderung betreuen, gedacht. Zusätzlich wurden je 5.000 Euro für Schäden an privaten Wohnhäusern vergeben.
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Eine Frau zeigt die Schäden in ihrem Hof nach dem Unwetter.
Überprüfungen aussetzen
Nun berichtet die Zeitung Ethnos, dass die Betroffenen zur Kasse gebeten werden, um die erhaltenen 5.000 Euro zurückzuzahlen, sollten sie nicht „eine Reihe von Nachweisen sowie Fotografien aus jener Zeit vorlegen“. Mindestens acht von zehn Betroffenen seien nicht mehr in der Lage, diese Unterlagen beizubringen, erklären Vertreter der Einwohner. Die Entschädigung sei seinerzeit für die Wiederbeschaffung zerstörter Haushaltsgegenstände eingesetzt worden. Personen, die erheblichere Schäden erlitten hätten, seien hingegen noch immer nicht entschädigt worden, so Ethnos. An die Betroffenen wurden bislang rund 10.000 Benachrichtigungsschreiben verschickt.
„Seit dem Unwetter Ianos sind sechs Jahre vergangen. Nach einem derart langen Zeitraum können die Behörden die Verantwortung nicht auf die Bürger abwälzen“, betonte der Vizegouverneur der Regionalbezirkseinheit Karditsa, Kostas Telios, gegenüber Ethnos.
Auf die Reportage der Zeitung reagierte die im Parlament vertretene Oppositionspartei Nea Aristera (Neue Linke). Sie fordert die Regierung auf, die Überprüfungen auszusetzen und auf bereits vorhandene amtliche Gutachten zurückzugreifen. Kein tatsächlich Geschädigter dürfe zur Rückzahlung seiner Entschädigung gezwungen werden. (Griechenland Zeitung / eh)