Griechenland und Österreich teilen viele Gemeinsamkeiten. Politisch florieren vor allem Kooperationen in den Bereichen Tourismus und Migration. Premierminister Mitsotakis hat anlässlich der Salzburger Festspiele Österreich einen Besuch abgestattet und traf sich dort mit Bundeskanzlers Stocker.
Premierminister Kyriakos Mitsotakis nahm an der Eröffnung der Salzburger Festspiele als Gast des österreichischen Bundeskanzlers Christian Stocker teil. Salzburg beschrieb der Besucher aus Athen als eine Stadt, „die wie kaum eine andere mit der europäischen Kultur verbunden ist und mit ihrem Festival seit Jahren internationale Maßstäbe setzt“.
Während seines Aufenthaltes in der Mozartstadt kam es am Montag (27.7.) zu einem offiziellen Treffen der beiden Regierungschefs. Der Gast aus Athen bezeichnete die Kultur als eine „verborgene Supermacht“ Griechenlands und als wichtigen Motor für die Entwicklung des Landes. Das zeige sich auch am weltweiten Interesse an der Verfilmung der „Odyssee“, die derzeit international für Aufmerksamkeit sorge und das Interesse an Griechenland, Homer und der griechischen Mythologie neu belebe.
Mehr zum Thema hier: Messenien als Filmkulisse für Hollywood-Epos Odyssee
Griechenland-Urlauber
Auf dem Gesprächstisch lagen weiterhin der Tourismus und die Migration. Stocker erwähnte, dass 2025 mehr als 900.000 Österreicher in Griechenland ihren Urlaub verbraucht haben – rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung des Alpenlandes. Mitsotakis fügte hinzu, dass auch viele Griechen Österreich als ihre Urlaubsdestination auswählen und dass Hellas insbesondere in den Bereichen Weiterbildung in der Reisebranche sowie nachhaltiges Management des Bergtourismus von den Erfahrungen Österreichs profitieren könne.
Auch interessant: Intensivierung des Gebirgstourismus rückt in Griechenland auf die Tagesordnung
Die Migrationsfrage
Der Gastgeber Stocker lobte Griechenland außerdem wegen seiner Arbeit angesichts der Migrationsfrage: „Griechenland leistet an der EU-Außengrenze Enormes – wir unterstützen diese wichtige europäische Aufgabe mit österreichischen FRONTEX-Beamtinnen und -Beamten.“ Wörtlich sagte er: „Österreich und Griechenland haben zur Trendwende in Europa im Kampf gegen die illegale Migration beigetragen.“ Und er fuhr fort: „Der neue EU-Asylpakt ermöglicht es uns, Return Hubs in Drittstaaten zu errichten. Gemeinsam haben wir das Ziel, bereits 2027 das erste Rückkehrzentrum zu schaffen.“
Der griechische Regierungschef zeigte sich in dieser Frage gegenüber seinem Gesprächspartner dankbar: „Gemeinsam haben wir erreicht, dass der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union als gemeinsame europäische Verantwortung anerkannt wurde.“ Dieser grundlegende Kurswechsel der EU spiegle sich nun auch im neuen Migrations- und Asylpakt wider. Er erinnerte an den März 2020, als tausende Menschen die türkisch-griechische Grenze am nordgriechischen Fluss Evros stürmen wollten. „Österreichische Einsatzkräfte gehörten damals zu den ersten, die Griechenland beim Schutz seiner Grenzen unterstützten“ erklärte der Premier aus Athen. „Damit wurde auch gegenüber der Europäischen Union deutlich gemacht, dass die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei zugleich eine Außengrenze Europas ist“, unterstrich Mitsotakis. Griechenland sei es gelungen, „die Zahl der irregulären Grenzübertritte und Ankünfte von Migranten und potenziellen Schutzsuchenden deutlich zu verringern.“ Er verwies darauf, dass Griechenland bei der Begrenzung der Migrationsbewegungen deutliche Fortschritte erzielt habe. Die Zahl der Ankünfte sei erheblich zurückgegangen. Zugleich verwies er auf Österreich, wo inzwischen mehr Rückführungen als neue Asylanträge verzeichnet würden.
Vielleicht interessiert Sie auch: Flüchtlinge aus Libyen: Griechenland will geschlossene Auffanglager auf Kreta errichten
Hilfe aus Österreich
Stocker erklärte anschließend, dass sich Athen und Wien „einig sind bei der europäischen Zukunft: Wettbewerbsfähigkeit ist die Grundvoraussetzung für unseren Wohlstand, und dazu gehören leistbare Energiepreise ebenso wie eine Klimapolitik mit Kopf statt Kopf-durch-die-Wand.“
Zum Schluss dankte Mitsotakis Österreich für die enge Zusammenarbeit im Katastrophenschutz. So seien österreichische Feuerwehrkräfte jeden Sommer in Griechenland stationiert, um bei Bedarf mit ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen Unterstützung zu leisten. Zugleich bezeichnete er dieses Modell als Vorbild für den Ausbau des freiwilligen Engagements. In diesem Sommer seien landesweit mehr als 5.000 organisierte Freiwillige am Schutz der griechischen Wälder beteiligt. Österreich habe Griechenland zudem stets unterstützt, wann immer Hilfe benötigt wurde und diese leisten konnte, betonte der Ministerpräsident.
Abschließend lud er den österreichischen Bundeskanzler Stocker zu einem Gegenbesuch nach Griechenland ein, um sich für die herzliche Gastfreundschaft zu revanchieren. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)