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GZ-Interview: „Griechenland darf sich nicht fürchten!“

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GZ-Interview: „Griechenland darf sich nicht fürchten!“

Seine Glanzzeit erlebte Belgiens Fußball-Legende Jean Marie Pfaff in den 80er Jahren, als er im Trikot der belgischen Nationalmannschaft und vom Bayern München etliche Erfolge feierte und zum Welttorhüter avancierte (1987). Heute gibt der 63-jährige Flame, der in Antwerpen lebt, Motivationsvorträge für Unternehmenskader in ganz Europa. Bei einem seiner Termine in Deutschland sprach Dimitrios Dimoulas im Auftrag der GZ mit ihm über seine Karriere, Otto Rehhagel und das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel zwischen Belgien und Griechenland in Brüssel.

GZ: Wie betrachten Sie das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel zwischen der belgischen Auswahl und Griechenland?
PFAFF: Normalerweise dürfte Belgien anhand der Qualität seiner Spieler und des Heimvorteils keine besonderen Probleme haben, das Spiel zu gewinnen. Aber das ist eine rein theoretische Herangehensweise, die im Fußball oft widerlegt wird, wie ich am eigenen Leibe erfahren musste (schmunzelt). Griechenland darf sich nicht fürchten und verstecken. Die Spieler müssen sich an die Tugenden von Portugal 2004 besinnen, um in Brüssel zu bestehen: Konzentration, Selbstbewusstsein, Aufopferungsgeist und taktische Disziplin. Zudem vermisse ich den Hauch von spielerischen Aggressivität bei den Hellenen, die anscheinend in den letzten Jahren etwas abhandengekommen ist.   

GZ: Ein Highlight Ihrer Karriere war die WM 1986, wo Sie erst im Halbfinale am späteren Turniersieger Argentinien gescheitert sind. Bei jenem Spiel hatten Sie eine Begegnung der besonderen Art mit Otto Rehhagel. Wie kam es dazu?
PFAFF: Als ich im Azteken-Stadion zum Aufwärmen eingelaufen bin, hörte ich vor dieser einmaligen Kulisse von 115.000 Zuschauern eine Stimmte, die permanent „Jean Marie“ skandierte. Anfangs dachte ich, es wäre ein verrückter belgischer Anhänger, der meine Aufmerksamkeit gewinnen wollte. Bei näherer Betrachtung erkannte ich unweit unserer Trainerbank Otto Rehhagel, der damals Trainer von Werder Bremen war. Ich war sehr gerührt von der Szene, zumal ich bis dato ein rein professionelles und oberflächliches Verhältnis zu Rehhagel hatte. Dieses Erlebnis markierte den Beginn einer großen Freundschaft, die bis heute anhält und die mich zum Zeitzeugen des griechischen Riesenerfolgs bei der EM in Portugal machte. Rehhagel war nicht nur ein großartiger Trainer, er ist auch ein besonders liebenswerter Mensch mit feinen Charakterzügen. Trotz der Rehhagelschen Aufmunterung vor dem Spiel konnte ich aber damals die zwei Gegentore von Maradona nicht vereiteln!! (lacht).

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