Methana: Attraktive Halbinsel auf dem Kykladenbogen aktiver Vulkane

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Methana: Attraktive Halbinsel auf dem Kykladenbogen aktiver Vulkane

Ein Naturparadies mit reicher Flora und Fauna

Von Hubert Eichheim

Reges Leben herrscht um 7 Uhr abends an der Anlegestelle in Daphnisa im Norden der Halbinsel Methana. Zwei Kaikia werden beladen mit Getreide, Feigen, Geräuchertem, mit Orangen, Mandeln, Birnen, Wein und Olivenöl.

Die Waren sollen in der Früh auf dem Markt in Piräus verkauft werden. Vor der kleinen Kneipe stehen an die dreißig Esel und Maultiere. Ihre Besitzer kümmern sich entweder schreiend um die Verladung oder sie sitzen um die paar Tische und verzehren kleine, aber üppige Häppchen mit einem Glas Tsipouro. Man hört das Knallen der anschlagenden Tavlisteine. Auf der anderen Seite der Mole hat ein Fischerboot aus Ägina angelegt, um einzukaufen. Die „Hungerleider" von der Nachbarinsel haben nichts zu bieten als ein paar läppische Fischschwänze. Aber hier auf Methana gibt es alles in Hülle und Fülle.

So könnte es um 1950 gewesen sein. Beinahe 200 Tragtiere gehörten damals den Bauern des nördlichen Methana und acht Boote sorgten für den Transport der Waren zu den Märkten in der Hauptstadt.
Heute ist Daphnisa ein verlassener Ort. Nicht einmal Fischerboote legen noch an. Das Haus, in dem die Kneipe war, steht noch. Ein Photograph hat es vor Jahren gekauft und daneben einen Weinberg angelegt für seinen eigenen Bedarf, edle Gewächse wie Cabernet, Merlot. Diejenigen, die damals die Kneipe bevölkert haben, sind entweder tot oder fristen oben in den Bergen in Kounoupitsa oder Ano Mouska ihr Leben von einer mageren Rente und von dem, was sie aus dem schwierigen Gelände noch herausholen. Von den einstmals 900 Einwohnern von Kounoupitsa sind heute noch knapp 80 übrig. Deren Kinder sind ausgewandert, hinunter in den Hauptort Methana, nach Piräus oder nach Ägina, wo sie als Handwerker und Tagelöhner ihren Lebensunterhalt verdienen können. Viele hat es ins Ausland verschlagen, in die USA, nach Australien. Der einstige Reichtum der Halbinsel, ihre vulkanischen Böden, liegen zu steil, um sich für modernen Intensivanbau zu eignen. Die vor Jahrhunderten angelegten Terrassen existieren zwar noch bis hinauf zu den über 700 Meter hoch liegenden Gipfeln, aber sie sind überwiegend zugewachsen mit Sträuchern oder Pinienwäldern. Nur da und dort liegt noch ein gepflegter Weinberg inmitten des undurchdringlichen Gestrüpps.

Für die einen ein Unglück, für die anderen ein Glück

Was für die überwiegend arvanitischen Bewohner der Halbinsel eine unglückliche Entwicklung war, ist für den Naturfreund ein ausgesprochenes Glück gewesen. Methana hat sich in den letzten 40 Jahren zurück entwickelt zu einem Naturparadies mit einer reichen Fauna und Flora. Die etwa 10 Dörfer auf den Anhöhen haben ihren ursprünglichen Charakter fast rein erhalten. Lediglich unten am Meer haben sich an einigen Stellen Städter mit und ohne Baugenehmigung an einer noch erträglichen Verschandelung beteiligt. Über 60 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen die Anhöhen und Vulkankrater von Methana. Dem Wanderer erschließt sich vor allem im Frühjahr eine hinreißende Blumenwelt, und fast überall stößt er auf Relikte der über viertausend Jahre alten Geschichte dieser gesegneten und doch fast vergessenenen Landschaft, so nah an der Viermillionenstadt Athen.
Die Halbinsel ist auch auf dem Landweg erreichbar; eine wenige hundert Meter lange Landbrücke verbindet sie mit der Landschaft des antiken Troizen auf dem Peloponnes.
Methana gehört zu dem sogenannten Kykladenbogen aktiver Vulkane, der über Milos und Santorini nach Nissyros führt. Mehr als 20 Krater aus unterschiedlichen erdgeschichtlichen Epochen weist die Halbinsel auf. Der jüngste, eines der eindrücklichsten Ziele für den Besucher, ist nur 2300 Jahre alt. Damals brach im Nordwesten die Erde wie eine Blase auf, glühende Lava floss heraus und ergoss sich ins Meer. Da wo die Lava landeinwärts innehielt, befindet sich heute das Dorf „Kammeni Chora" (das verbrannte Land). Nur zwanzig Minuten Anstieg ist von der Straße aus nötig, um dieses imposante Meer von erstarrten Lavamassen und gesprungenen Felsformationen zu erreichen.

Heilsame Radon- und Schwefelquellen

Wir sind am Sonntagmorgen mit dem Schiff unten im Hauptort Methana angekommen, um eine Höhenwanderung von Stavrilongos nach Kammeni Chora zu unternehmen. Eine leichte Brise üblen Geruchs hat uns empfangen. Das Städtchen liegt nämlich genau zwischen den beiden Heilbädern, dem einen mit den Schwefelquellen im Süden und den Radonquellen am anderen Ende. Nirgendwo kann man die vulkanische Entstehung dieses einmaligen Platzes übersehen. Schon im Altertum wurde die heilsame Wirkung der Quellen erkannt. Strabo, Ovid und Pausanias berichteten darüber. Die ganze östliche und nördliche Küste entlang finden sich immer wieder Quellen unterschiedlicher Zusammensetzung. Die ergiebigsten liegen im Süden der Stadt am sogenannten Vromolimni, dem „Stinkenden See". Mit bis zu 40 Grad fließt das milchige und nach faulen Eiern riechende Wasser aus dem Fels und wird in die Badeeinrichtungen geleitet, die vor allem bei rheumatischen und dermatologischen Leiden aufgesucht werden. Etwa 1870 begann der Badebetrieb in Methana, das erste Badehaus stammt von dem Architekten Ernst Ziller, das zweite ist etwa um 1930 dazu gebaut worden. Beide stehen heute unter Denkmalschutz. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte das Heilbad seinen Höhepunkt erreicht. Nach dem Krieg unter der Geschäftsführung der griechischen Tourismusbehörde EOT verlor es stetig seine Bedeutung. Die schlecht gewarteten technischen Einrichtungen fielen immer wieder aus, die Gebäude verlotterten. So kam es, dass zuletzt nur noch alte Leute mit geringen finanziellen Möglichkeiten während des Sommers die Bäder aufsuchten. Eine parallele Entwicklung vollzogen die meisten Hotels. Nicht wenige der alten Herbergen stehen heute leer da und warten auf eine gründliche Renovierung. In manchen der funktionierenden Hotels müssen heute noch die Kurgäste aus fünf Zimmern ein einziges Bad mit Toilette teilen.

Verbindung von Kurbetrieb und alternativem Tourismus

Es gibt Hoffnung, dass der wirtschaftliche Niedergang nun die Talsohle erreicht hat und es wieder aufwärts geht. Im vergangenen Jahr hat ein privates Bieterkonsortium einen fünfzigjährigen Pachtvertrag mit der EOT zur Nutzung der Quellen und Badeeinrichtungen abgeschlossen. Eine deutsche Firma hat die balneologische Beratung übernommen. Neben umfangreichen Umbauten und der Modernisierung der Technik soll der Badebetrieb nach Aussagen von Spiros Papaioannou, dem neuen Geschäftsführer, von 120 Tagen pro Jahr vorerst auf 240 Tage ausgedehnt werden. Das wird zur Folge haben, dass die vierzig Mitarbeiter auch im Winter Arbeit haben, die Hotels sich auf eine andere Klientel umstellen müssen und die Cafés und Restaurants an der eleganten Hafenpromenade nicht nur im August besetzt sein werden. Wenn es dann noch gelingt, den Kurbetrieb mit einem alternativen Tourismus zu verbinden, steht Methana eine erfreuliche Zukunft bevor. Das erfordert allerdings eine behutsame Strukturpolitik der kommunalen Entscheidungsträger, eine Verbindung von Natur- und Denkmalschutz. Das hieße Verzicht auf den kostspieligen und in der Regel sinnlosen Bau neuer Straßen, einen planvollen weiteren Ausbau und die Markierung der Wanderwege, die vorsichtige Restaurierung alter Bausubstanz sowie die Förderung neuer Herbergen und Hotels. Die landwirtschaftliche Produktion könnte auf biologischen Anbau umgestellt werden, um den Bauern für ihr Obst und Gemüse, den Wein und das Öl höhere Rendite zu bringen. Ganz zu Anfang aber müssten die wilden Müllkippen und die überall deponierten Autowracks aufgeräumt werden.
Ein wichtiger Beginn für einen verstärkten Tourismus wurde in den vergangenen beiden Jahren durch die Erweiterung des Hafens gemacht. Jetzt können auch zwei Fährschiffe gleichzeitig anlegen.
Wir nehmen am Sonntag Abend die durchgehende Fähre nach Piräus, nachdem wir im Café BB noch ein wunderbares Baklawas gegessen haben, und blicken noch lange auf das imposante Gebirge aus dunklem Vulkangestein. Zwei Stunden später sitzen wir in der S-Bahn nach Athen.

Nützliche Telefonnummern:
Rathaus: 22980 92324.
Hafenamt: 22980 92279.
Nach Methana fahren zwei Gesellschaften: Helenic Seaways (210 4117341) und Nova Ferries (210 4126181).
Herberge Arsinoi in Megalochori (guter Ausgangspunkt für Wanderungen): 22980 92900.
Taxi Dritsas: 6977563458.

© Griechenland Zeitung

 

 

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