Von Thermalbädern (Loutras) und „Schlammlöchern“ auf dem Peleponnes (Teil 1 )

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Wo die ehrwürdigen Götter des Olymp Erholung suchten Von Corinne Brombacher Griechenland hat eine alte Bäderkultur. Sie geht bis auf die Antike zurück, und es ist nicht genau erwiesen, ob die alten Griechen diese Tradition von den Persern oder den Ägyptern übernommen haben.
elvetica, sans-serif" size="1">Griechenland hat eine alte Bäderkultur. Sie geht bis auf die Antike zurück, und es ist nicht genau erwiesen, ob die alten Griechen diese Tradition von den Persern oder den Ägyptern übernommen haben. Jedenfalls gab es bereits im minoischen Knossos und in Mykene Badeinrichtungen, ganz zu schweigen von den Bädern in Olympia für die Athleten! Dass die Römer große Bäderfans waren, ist allgemein bekannt. Die ersten zuverlässigen Aufzeichnungen von antiken griechischen Thermalbädern machte der Reiseschriftsteller Pausanias (110-180 n. Ch.), von dem auch Überlieferungen über Bäder auf dem Peleponnes – wie Loutraki, Killini, Kaiafas und Methana – existieren.Als moderne Thermalbäder-Fans, überzeugt von der wohltuenden, ja prophylaktisch-heilenden Wirkung dieser Wässer, sind wir aufgebrochen, einige Loutras auf dem Peleponnes aufzusuchen.

Loutraki – die älteste Bäderstadt

Unsere erste Station, Loutraki am Golf von Korinth, soll die älteste Bäderstadt Griechenlands sein. In diese Thermen sollen bereits die ehrwürdigen Götter des Olymp zur Erholung gestiegen sein, und der gute Ruf der Thermalquellen dieses Ortes hat sich bis heute erhalten. Das leicht alkalische, metallische Chlornatrium mit Radioaktivität von 7-31 MACHE wird für eine ganze Palette von Beschwerden des Muskel- und Gelenkapparates, für Rheuma, Hauterkrankungen, Neuralgien usw. empfohlen. Loutraki präsentiert sich als Stadt mit mehrgeschossigen Häuser- und Hotelkomplexen, die die weite Bucht umsäumen, davor eine unendliche Strandpromenade mit Parkanlagen, Cafés und einem Badestrand.Unser Interesse galt vor allem dem Thermalbad und seinen Einrichtungen: Baden kann man in Badewannen, entweder mit sanft sprudelnder Hydromassage oder ohne „Beiwerk“. Angeboten werden auch Massagen, Sauna und verschiedene mechanische Therapien, Bewegungstherapie oder eine entspannende Gesichtsmassage. Ist das momentan noch in Bau befindliche Hydrotherapie-Zentrum mit großen Badepools einmal fertig gestellt, dann hat auch Loutraki den Anschluss an die zeitgemäße Bäder- und Spa-Kultur gefunden. Einen besonderen Reiz und Charme versprüht die im Jugendstil gehaltene Trinkhalle am Westende der Strandpromenade, wo man sich becherweise gesund trinken kann!

Die Schlammlöcher von Litsi und Killini

12 km entfernt vom westpeloponnesischen Hafenstädtchen Killini liegt das Dorf Litsi, sein Schlamm- und Heilbad in Richtung Meer mitten in einem idyllischen Eukalyptus- und Kiefernwald. Große Erwartungen wären falsch am Platz. Wo noch ein verfallenes, säulenbestandenes Rundgebäude aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg auszumachen ist, befinden sich unscheinbare sumpfige Tümpel, denen kaum Beachtung geschenkt würde, wären da nicht schlammverschmierte und mit Schlamm eingeriebene Leute, die sich an der Sonne trocknen lassen, bevor sie den Schlamm abspülen und mindestens um 20 Jahre verjüngt neu geboren werden! Der heilende Schlamm wird mit langstieligen Kellen aus den umliegenden Sumpflöchern geholt, eine Gratis-Therapie, auf die die Einheimischen schwören und an der so mancher Tourist seinen Spaß hat! Als Anfänger wird man von umstehenden Profis auch sofort in die Geheimnisse der Anwendung und ihrer Wirkung eingeweiht. Das einfache Heilbad ist einige hundert Meter entfernt, umgeben von einem penetranten Schwefelgeruch – ein einfaches Gebäude eingeteilt in spartanische Zellen mit Marmorbadewannen, aber sauber. Vor kurzem hat eine griechische Hotelkette das boomende Bedürfnis nach Wellness und Gesundheit vor Ort in eine luxuriöse, weitläufige Spa-Anlage verwirklicht – eine allzu typische Entwicklung: Wo die Griechische Fremdenverkehrszentrale EOT es verschläft, die natürlichen Ressourcen zu nützen und die alten Badeanstalten etwas zu modernisieren und auf Vordermann zu bringen, erkennen private Gesellschaften den Trend und investieren in modernste Luxusanlagen, die allerdings kaum mehr vom Normalverbraucher genutzt werden können, weil sie häufig viel zu teuer sind.

Kaiafas – ein Geheimtipp

Das nächste Ziel unserer Reise ist Kaiafas, kurz vor Kyparissi, an der Westküste und 26 km von Pygros entfernt. Übers Internet haben wir eine viel versprechende Webseite abgerufen, deren Infos in etwa stimmen. Kaiafas am gleichnamigen See verfügt über eine Hotelanlage auf einer Halbinsel, Sanddünen vor dem kilometerlangen Meeresstrand und natürlich die bekannten Thermalquellen der „Nymphen von Anigrida“. Einer Sage zufolge soll der Name Kaifas vom hebräischen Oberpriester stammen, der zusammen mit Pontius Pilatus auf seiner Reise nach Rom Schiffbruch erlitt und schwimmend die Ufer des heutigen Kaifas erreichte.Die Hauptstraße wird plötzlich auf beiden Seiten von Wasser begrenzt, rechts vom Meer und links von einem schilfbestandenen See. Eine schmale Brücke führt auf eine lang gezogene Halbinsel, wo die nicht mehr ganz neue Hotelanlage von Kaiafas mit verschiedenen Gebäuden liegt. Das Hauptgebäude in der Mitte mit seinen 18 Doppelzimmern und einem Aufenthaltsraum ist modern und ansprechend renoviert. Ein großes Gebäude mit zwei Türmchen linkerhand ist arg in die Jahre gekommen und vorläufig dem Verfall preisgegeben, während sich die lang gestreckten Gebäude seeabwärts als wahrlich nostalgische Absteige entpuppen. Zwar verfügen die sanft renovierten, einfachen Doppelzimmer nicht über eigene Toilette und Dusche – diese Gemeinschaftseinrichtungen sind auf dem Gang –, dafür aber über einen Balkon mit herrlichem Blick auf den romantischen See! Am Ende des Ganges eine Gemeinschaftsküche mit Kühlschränken, und im Souterrain sind ein Café und Minimarkt rund um die Uhr geöffnet. Überhaupt ist die Lage so einmalig zwischen den schilfbestandenen Ufern, dass man gerne auf Komfort verzichtet, wenn das Haupthaus besetzt ist, wie an diesem Wochenende. Ein Arm des Sees ist dem griechischen Nationalteam für Wasserski als Trainingsplatz reserviert – übrigens ohne Lärmemission –, das dann auch oft das Hotel besetzt. Im Altbau sind die Kurgäste unter sich, eine muntere Gruppe von Rentnern, unter die sich auch einige jüngere Gäste und wir als einzige Ausländer mischen. Viele verbringen zwei Wochen und mehr hier in der Kur, meist angereist per Zug – die Station ist ja nur gute fünf Minuten entfernt, und verfügt zudem über eine empfehlenswerte Taverne. Beim Essen ist man am Ort des Geschehens und beobachtet die anratternden Züge, die hier im Nirgendwo zwischen Sanddünen und See ihre Endstation haben. Zum Thermalbad auf der gegenüberliegenden Seite des Sees kommt man entweder auf der Ringstraße oder viel genüsslicher mit dem Hotelboot, das als Shuttle die Kurgäste kostenlos hinüberbringt und wieder abholt.

©Griechenland Zeitung, erschienen in Ausgabe Nr.63

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