Nord-Euböa

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Natur, Kultur und eine lange Geschichte Griechenland/Euböa. Die Insel Euböa ist von Athen über die Nationalstraίe Athen - Lamia bequem zu erreichen.
a, Arial, Helvetica, sans-serif" size="1">Griechenland/Euböa. Die Insel Euböa ist von Athen über die Nationalstraίe Athen - Lamia bequem zu erreichen. Man fährt bis Chalkida und dann über die Brücke nach Euböa. Die Insel, über deren Höhenregionen die AZ kürzlich berichtete, hat viele Naturschönheiten und andere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Und trotzdem ist Euböa nicht überlaufen, und ihre Schönheiten sind auch unter Athenern weitgehend unbekannt. Dabei hat sie alles: von Bergen mit Zypressen- und Pinienwäldern bis hin zu langen Sandstränden. Und auίerdem Geschichte, Mythologie, Kultur und Tradition.Fährt man von Chalkida kommend von der Brücke ab und in Richtung „See" weiter – der See hat übrigens keinen Eigennamen, sondern wird lediglich See Euböas genannt - so erreicht man, die Dörfer Nea Artaki, Pisonas und Psachna hinter sich lassend, das Dorf Prokopi. In dem Kloster von Prokopi liegen die anbetungswürdigen Reliquien des Ossios Ioannis des Russen, denen wundertätige Wirkung nachgesagt wird. 1924 brachten Flüchtlinge aus Kleinasien die sterblichen überreste des Heiligen mit hierher. Sie hatten sie auf ihrer Flucht aus Prokopi in Kapadokien auf einem Karren mit Heu versteckt. Nach feindlichen Angriffen fing der Wagen Feuer - der Leichnam konnte in einer mumifizierten Form gerettet werden. Das Kloster feiert am 27. Mai und zieht viele Pilger an. Die Reise in Richtung See fortsetzend, kommt man zu dem Dorf Pagoda, das unter den erwähnten Dörfern das am höchsten gelegene ist. Von hier aus hat man einen fantastischen Ausblick auf das dichte Grün Nord-Euböas und seine Wälder.
Auf einem engen Landstreifen in Meeresnähe gebaut liegt die Kleinstadt Limni, die ausgeprägtem Inselcharakter aufweist. Eines ihrer markantesten Merkmale ist ihre Lage an dem See Euböas und ihre gleichzeitige Meeresnähe. über ihr thront das Bergmassiv Kandili (1.225 m). Limni hat eine lange Seefahrer-Tradition, die bis in die Antike zurückgeht und in der neueren Geschichte vor allem nach der Griechischen Revolution von 1821 neu belebt wurde. Ihre Einwohner waren in der Technik des Schiffsbaus bewandert, und ihr Ruhm reichte bis weit über die Grenzen hinaus. In den Kämpfen der Revolution zerstörten die Türken Limni fast vollständig; die Einwohner aus der Stadt flohen auf entfernte Inseln. Nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland bauten sie die Stadt schnell wieder auf und bildeten eine Handelsflotte, die zur gröίten in Euböa anwuchs und zu einer der wichtigsten im damaligen Griechenland zählte. Es war das Zeitalter, in dem Griechenland wieder zu einer groίen Seefahrernation wurde, und die Limiotischen Schiffe befuhren die Weltmeere und brachten Kultur, Reichtum und Wohlstand in ihr Heimatland. Diese Blüte, die bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts andauerte, war das goldene Zeitalter des Sees und von Limni am See.
In den engen Straίen der Stadt sind viele, gröίtenteils gut erhaltene neoklassizistische Gebäude zu bewundern. Wie überall so sind auch hier in den letzten Jahrzehnten viele Neubauten hinzugekommen, doch es muί anerkennend gesagt werden, daί sie im allgemeinen die ästhetik und das traditionelle Flair nicht stören.
Die Meerespromenade von Limni ist abends voller flanierender Spaziergänger und in den engen Gassen pulsiert das Leben. Wer sich für lokale Traditionen und Ethnologie interessiert, sollte dem gutbestückten Volkskundemuseum in Limni einen Besuch abstatten.
Am See werden im Sommer viele traditionelle und sonstige Kulturveranstaltungen geboten; so wird am 4. Juli zu Ehren des Generals Angelis Gobios ein Fest organisiert, am 24. Juli beginnt das Sommerfestival von Limni - das bis zum 15. August (Mariä Himmelfahrt) andauert - mit Konzerten, Theateraufführungen, Ausstellungen usw. Die Gemeinde am See weist das ganze Jahr hindurch ein reges kulturelles Leben auf.
Der See hat vieles zu bieten. In den Städten und Siedlungen Euböas und speziell in Limni gehen erste Spuren menschlichen Daseins bis in die Mitte des spätneolithischen Zeitalters zurück. Der See mit seinem Süίwasser ist wohl einer der Gründe für die frühe Besiedelung der Gegend. „Der breiten öffentlichkeit unbekannte prähistorische Fundstücke der beiden antiken Städte Aiges und Elymnion sind anzutreffen. Einige der schönsten und ältesten byzantinischen Klöster Griechenlands stehen hier auf den Fundamenten homerischer Tempel, eine Anzahl kleiner, verschämter Kapellen aus dem Mittelalter, errichtet vor und während der Türkenherrschaft. Auch die Ruinen weiterer mittelalterlicher Gebäude sind erhalten", berichtet der Historiker und Direktor des Volkskundemuseums Dimitris Apostolou.
Das Dorf Rhovies liegt etwa neun Kilometer nordwestlich vom See und inmitten von Olivenbäumen - darunter viele alte, prächtige Exemplare. Rund um die Häuser haben die Dorfbewohner blühende Sträucher und Bäume angepflanzt, worauf schon der Name des Dorfes hinweist. Die umliegenden Berge sind bis weit nach unten, bis in Meeresnähe dicht mit Pinien bewachsen.
Setzt man den Weg von Rhovies in Richtung Aedipsos fort, das sich ganz oben an der Nordspitze befindet, und biegt hinter Rhodies rechts ab, kommt man zu dem Dorf Drymona, das durch seine zahlreichen wunderschönen Wasserfälle bekannt ist, die in jeder Jahreszeit Wasser führen und einfach zu finden sind. Im Landesinneren Euböas wachsen an den zahlreichen kleinen und groίen Flüssen verschiedene Laubbaumarten, insbesondere prächtige Platanen und Ulmen.
Zurück auf die Hauptstraίe Richtung Norden trifft man auf das am Meer gelegene, sympathische kleine Dorf Elia, in dem man Privatzimmer mieten kann. Hinter Elia in einem Tal des Telethrios-Gebirges liegt Aedipsos. Es ist mit Abstand das gröίte Heilbad Griechenlands. Heiίe und kalte Quellen mit gesundheitsfördernder Wirkung bei Rheuma, Frauenleiden, Kreislauf- und Herzbeschwerden, Krampfadern und anderen Gesundheitsproblemen lassen jedes Jahr viele Kururlauber speziell aus dem Inland anreisen.
Natalia Sakkatou

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