Byzantinisches Erbe am Hausberg Athens: Klöster des Hymettos, Teil 3 (Kareas)

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Byzantinisches Erbe am Hausberg Athens: Klöster des Hymettos, Teil 3 (Kareas)

Nur wenig oberhalb des Athener Vororts Kareas liegt eines der größten Klöster am Hymettos. Es ist Johannes Prodromos, Johannes dem Täufer, geweiht (Μονή Αγ. Ιωάννου Προδρόμου Καρέα), und wird von einer Schwesterngemeinschaft bewohnt.

Die Nonnen sind im Jahre 1971 hergekommen, und haben sich hier mittlerweile ein kleines Paradies geschaffen. Harmonisch fügen sich die umfangreiche moderne Bebauung und der bereits vorgefundene historische Bestand zusammen, liebevoll ist das ganze Areal mit reichem Pflanzenbewuchs ausgestattet. Besucher kommen gerne her, nicht nur um das mittelalterliche Katholikon des Klosters, seine Hauptkirche, zu sehen, sondern ganz besonders auch wegen der einladenden Atmosphäre, welche die Anlage in ihrer Gesamtheit ausstrahlt. Es scheint fast so etwas wie eine belebte und dennoch ruhige Oase in unmittelbarer Nähe des angrenzenden Großstadtdschungels zu sein.

Zeiten der Blüte und des Niederganges
Das Kloster wurde an einem Abhang unterhalb der antiken Steinbrüche von Kareas gegründet. Schaut man sich heute in der außerordentlich gepflegten Anlage um, so lässt sich nur schwer erahnen, dass das Kloster im Laufe seiner bewegten Geschichte neben Zeiten der Blüte auch solche des Niedergangs und bitterster Verödung durchlebt hat. Stiller Zeuge dieser wechselvollen Entwicklung ist das ehrwürdige Katholikon, das noch immer seinen angestammten Platz im Zentrum der gewaltigen Anlage behauptet. Es ist der wohl älteste Teil des Baukomplexes und wurde, wiederum unter Verwendung von Spolienmaterial, im 11. oder 12. Jahrhundert errichtet, wahrscheinlich zeitgleich mit der Gründung eines ersten Klosters. Auch in späterer Zeit wurden noch mehrfach Arbeiten an der Kirche vorgenommen. Auf solche geht beispielsweise der Austausch einer der vier die Kuppel tragenden Säulen durch einen Pfeiler zurück oder auch die Anbringung der Reliefplatte über der Zugangstür zum Katholikon, die eine Inschrift aus dem Jahre 1769 trägt. Dass die heute kahlen Wände des Innenraumes früher bemalt waren, belegt ein entsprechendes Fragment, das sich in der Prothesis erhalten hat, jenem Bereich also, der sich hinter der linken Tür der Ikonostase verbirgt.

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Ein Phänomen der Kultkontinuität
Das Katholikon des Klosters Kareas wurde nicht ohne Grund an eben diesem Platz gebaut. Es setzt hier nämlich ganz offenbar eine kultische Tradition fort, die möglicherweise schon in frühchristlicher Zeit ihren Anfang nahm. Darauf jedenfalls deuten entsprechende, vor Ort gemachte Funde hin. Und es gibt sogar die Vermutung, dass der frühchristliche Kult an der Stelle eines heidnischen Heiligtums aus klassischer Zeit eingerichtet worden war. Sollte dies wirklich zutreffen, so hätten wir es in Kareas, wie letztlich ja auch schon in Kaisariani, mit dem so genannten Phänomen der Kultkontinuität zu tun. Damit bezeichnet man den Umstand, dass eine neue Religion sich am Platz ihres Vorgängers installiert – bei der Christianisierung des Römischen Reiches ein allenthalben anzutreffender Vorgang.
Der Niedergang des Klosters setzte zum Ende des 18. Jahrhunderts ein, als die Mönchsgemeinschaft sich dazu entschloss, in das größeren Schutz bietende Kloster Asomaton Petraki umzusiedeln, das bis dahin als Metochi im Besitz von Kareas war. Damit verkehrten sich die hierarchischen Verhältnisse, so dass sich Kareas nun nur noch in der Funktion einer Dependance der neuen Heimstatt der Mönche wiederfand. Seine Stellung als eigenständiges Kloster büßte es ein und wurde selbst zum Metochi des früheren Besitzes. Aufgrund mangelnder Fürsorge geriet es im Laufe der weiteren Entwicklung dann in einen beklagenswerten, völlig verwahrlosten Zustand. Schließlich war es mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Erst in den 1960er Jahren wurde mit Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten begonnen. Im Mai 1971 wandelte sich das Schicksal des Klosters Kareas dann vollends, als es von einer Schwesterngemeinschaft bezogen wurde. Es wurde aus seiner Abhängigkeit vom Kloster Asomaton Petraki befreit und erhielt seine Eigenständigkeit zurück. Nun war der Weg frei für den prächtigen Aufschwung, dessen Ergebnis der Besucher heute nur bestaunen kann, der aber gewiss auch noch lange nicht am seinem Endpunkt angekommen ist.

Man kommt zum Kloster Kareas, indem man von der Leoforos Katechaki Alimou den Abzweig nach Kareas nimmt und dann der Leoforos Karea solange bergan folgt, bis ein Hinweisschild den Weg nach links zum Kloster weist. Öffnungszeiten: vormittags 8-12 Uhr; nachmittags von April bis September 16-19.30 Uhr, von Oktober bis März 15.30 bis Sonnenuntergang.

Jens Rohmann

Beide Fotos (© Jens Rohmann) entstanden auf dem Hymettos.

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