Angistri – mit dem Oldtimer-Bus unterwegs auf der kleinen Insel im Saronischen Golf

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Angistri – mit dem Oldtimer-Bus unterwegs auf der kleinen Insel im Saronischen Golf
Von Christina Knechtl und Katrin Otter Langsam verliert die Fähre „Saronikos" an Geschwindigkeit. Vor knapp zwei Stunden begann sie ihre Fahrt in Piräus – quer durch den Saronischen Golf.
am verliert die Fähre „Saronikos" an Geschwindigkeit. Vor knapp zwei Stunden begann sie ihre Fahrt in Piräus – quer durch den Saronischen Golf. Beeindruckten aus der Ferne noch die leuchtend grünen Hügel, ist es jetzt das kristallklare, türkisblaue Wasser, das magisch anzieht. Weit über die Reling gebeugt ist manchen Passagieren die Vorfreude auf das Baden anzusehen – wahrscheinlich hat keiner vermutet, dass schon der kleine Hafenstrand von Skala auf Angistri solch ein einladendes Flair versprüht. Die meisten verlassen das Deck zu Fuß, nur wenige haben ihr Auto auf die 14 Quadratkilometer große Insel mit ihren knapp 1.000 Einwohnern mitgebracht.Entlang der Strandpromenade von Skala spazieren Eltern mit riesigen, aufblasbaren Schwimmtieren und ihren Sprösslingen im Schlepptau. Der flach abfallende Sandstrand von Skala mit seinen zahlreichen blauweiß gestreiften Strandliegen und umliegenden Tavernen locken das Gros der Touristen an. Und doch hat Agistri auch weniger frequentierte und Natur belassene Buchten zu bieten … die am günstigsten mit dem nostalgischen Nissan-Bus aus den frühen 80er Jahren von Petros zu erreichen sind. Am Platz der Kirche Agion Anargyron mit der leuchtend blauen Kuppel sitzt Petros unter einer Tamariske auf seinem grünen Plastikstuhl. Seinen blaugrünen Bus hat er direkt um die Ecke geparkt. Mit weit aufgeknöpftem, hellblauem Hemd gestikuliert er wild mit der rechten Hand – wartende Fahrgäste diskutieren mit ihm über den Busfahrpreis bis zum Dragonera-Strand. Zwei Euro kostet dies und Petros lässt nicht mit sich verhandeln. Vier mal am Tag fährt er die neun Kilometer von Skala nach Limenaria – und wieder zurück. Die Fahrzeiten hat er auf eine Kreidetafel gekritzelt. Und er fährt überraschend pünktlich ab. Das einzige Taxi der Insel nimmt den fünffachen Preis und ist nach über einer Stunde nach der Bestellung immer noch nicht aufgetaucht. Punkt 12.30 Uhr klappt Petros die Bustür auf und sammelt das Geld der Fahrgäste ein. Die 16 Sitzplätze sind schnell belegt … ein junges Pärchen muss sich einen der azurblauen Ledersitze teilen. Auf der holzgetäfelten Konsole sind Schwarzweiß-Bilder von Kindern angebracht. Auch sonst ist der Fahrerplatz mit vielen kleinen Erinnerungsstücken ausgeschmückt: ein Foto vom Nissan-Bus, umrandet von Amuletten, hängt in der Mitte. Petros scheint an ihm zu hängen – chauffiert er damit doch seit 1981 seine Fährgäste über Angistri.

Mit 10 km/h und herrlichen Ausblicken zum Dragonera-Strand

Vorbei an weiß getünchten Häusern und Olivengärten geht die Fahrt nach Megalochori (Milos), der Hauptstadt von Angistri. Zwei ältere griechische Damen mit Strohhüten steigen unterwegs zu. Petros weist sie an, auf der Stufe neben dem Fahrersitz Platz zu nehmen. Nachdem der Bus die sehr schmalen Gässchen mit den pittoresken Häusern souverän passiert hat, quält er sich mit 10 km/h den Hügel durch den Pinienwald hinauf. Umso mehr Zeit bleibt den Fahrgästen, den Blick aus der offenen Bustür durch das satte Grün der Nadelbäume auf das glitzernde Meer zu genießen. 15 Minuten nach Fahrtbeginn weist ein bunt bemalter Holz-Pfeil den Pinienwald hinab zum „Dragonera Beach". Der Bus stoppt. Abwärts zur Bucht führt ein gewundener Pfad – mit Muscheln und kleinen Steinen verzierte Schilder begrüßen mit „I love Angistri" und „Ola Love Dragonera Beach". Zelte in verschiedensten Farben sind unter den schattigen Bäumen aufgestellt. Die Hinweistafel „Camping is not allowed" wird von deren Besitzern dezent übersehen.

Eine Abkühlung im Türkisblau und an der Strandbar

Und dann verfängt sich der Blick im türkisblau schimmernden, kristallklaren Wasser der Bucht. Ein paar Felsen zur rechten Seite hinab gestiegen und schon taucht man ein in das kühlende Salzwasser. Ein Strand voll rund geschliffener Steine erstreckt sich linkerhand – unter Sonnenschirmen aus getrockneten Palmblättern räkeln sich die Badenden. Für sieben Euro am Tag sind der Schattenspender und zwei Strandliegen zu mieten. Einige Schritte weiter lockt „Kostas' Strandbar" mit kühlen Getränken und kleinen Snacks bei entspannender Musik. Je nach Lust und Laune nimmt man seinen Frappé am Aussichtsstuhl auf einer nahe gelegenen Pinie, auf den bunt bemalten Sitzsteinen, auf einer Hängematte oder an einem der sonnengeschützten Bar-Tische zu sich. Und die Zeit vergeht wie im Flug.Nun ist eine Entscheidung zu fällen: über Nacht auf Angistri bleiben, zum südlicher gelegenen Aponissos-Strand mit seinem nahe gelegenem Salzwassersee weiter fahren … oder doch den Oldtimer-Bus zurück nach Skala nehmen. Und in der Taverne der Familie Gionis an der Strandpromenade schmackhafte Mezedes mit einem kalten Glas Ouzo zu sich nehmen, bevor die „Saronikos" wieder nach Athen ablegt. In der Taverne sitzt auch Dimitris, genießt sein Mythos-Bier in der Pause vor seiner letzten Busfahrt – und ist wieder intensiv am diskutieren.

©Griechenland Zeitung

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