Geschichte des Athener Flughafens

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Geschichte des Athener Flughafens

Am 27. März 2001 wurde der neue Athener Flughafen „Elefthérios Veniezélos“ bei Spata eingeweiht. In der Nacht vom 28. auf den 29. März begann der offizielle Flugbetrieb. Benannt ist der Airport nach dem in Kreta geborenen griechischen liberalen Politiker und zweifachem Ministerpräsidenten Elefthérios Veniezélos (1864-1936). Unter seiner Führung konnte Griechenland Anfang des Jahrhunderts beträchtliche Gebietserweiterungen erzielen.


Wenn der Airport einen Monat später eröffnet wurde als ursprünglich vorgesehen, erscheint diese Zeitspanne eine „quantite neglegiable“. Vom ersten Plan bis zur Verwirklichung des Projektes verstrichen immerhin 25 Jahre.
Wir schreiben das Jahr 1976. Die damalige Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis entscheidet sich wegen des rasant zunehmenden Passagieraufkommens zum Neubau eines Großflughafens bei Spata, einem Gebiet ca. 25 Kilometer nordöstlich von Athen. Gedanken über eine Verlegung des Athener Flughafens gehen sogar bis ins Jahr 1952 zurück. 1977 beginnt bereits die Kommassierung von Grundstücken und 1978 werden 1.200 ha enteignet. Auch wenn gegen Widerstände aus der Bevölkerung und gegen Interventionen von verschiedenen Interessengruppen der Standort des geplanten Flughafens durch zusätzliche Studien erneut bestätigt wird, beschließt 1983 die sozialistische Regierung unter Andreas Papandreou, die Bauarbeiten einzustellen. Eine damals diskutierte "Zwischenvariante", den Flugverkehr der Hauptstadt auf zwei Flughäfen - den alten „Ellinikó" im Süden Athens und den neuen von Spata - aufzuteilen, wird nach kurzer Zeit fallengelassen, da 1988 eine weitere Studie feststellt, dass die ökonomischste Lösung tatsächlich die Errichtung eines einzigen neuen Flughafens sei.

Vertragliche Einigung

Unter der konservativen Regierung von Konstantinos Mitsotakis (1990-93) gelangen nach einer Ausschreibung zwei Konsortien in das „Endspiel“ um die Projektvergabe. Die Wahl fällt schließlich auf das Frankfurter Unternehmen „Hochtief“. Doch der Bau, der noch im Jahre 1994 oder spätestens Anfang 1995 begonnen werden sollte, stößt erneut auf Schwierigkeiten. Im Herbst 1993 siegen die Sozialisten unter Andreas Papandreou bei den Parlamentswahlen. Schon im Wahlkampf hatten sie festgestellt, dass sie nicht nur die 35-prozentige Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Flughafens, sondern auch andere Vertragspunkte als dem öffentlichen Interesse nicht zuträglich betrachten und eine Neuverhandlung des Abkommens anstreben werden. So geschah es denn auch. In der letzten Fassung erhielt der Staat 55 %, das deutsche Konsortium 45 %. Die im alten Vertrag vorgesehene Nutzung des Flughafens durch das private Unternehmen hatte eine Laufzeit von 50 Jahren; sie wurde jetzt auf 30 Jahre festgesetzt.

„Deutsch-französischer Krieg“

Nach der Aushandlung des endgültigen Vertrages zwischen "Hochtief" und dem griechischen Staat im Oktober 1995 stand also einem Spatenstich nichts mehr im Wege. Da begann jedoch der „deutsch-französische Krieg“. Die „ausgebooteten“ Mitbieter, das französische Konsortium „Aeroports de Paris“, klagte bei der Wettbewerbsdirektion in Brüssel gegen Athen wegen Verfahrensmängeln. „Der harte Wettbewerb zwischen den beiden Konsortien hat die Behörden der Kommission gespalten“, schrieb im November 1994 die angesehene Wochenzeitung „To Vima“. Auf der anderen Seite wiederum blieben die Deutschen nicht untätig. Sie regten ein Verfahren an, den Wettbewerb um die Hängebrücke am Golf von Patras zwischen Rio und Antirio zu beanstanden, deren Ausführung bereits einer französischen Firma zugesprochen worden war. Der „deutsch-französische Krieg hat den engen Rahmen eines Unternehmenswettbewerbs gesprengt“, wusste denn auch die griechische Wirtschaftszeitung „Kerdos“ zu berichten. Nicht nur die Regierungen der beteiligten Staaten seien in diesen „Krieg" verwickelt, sondern auch die EU-Behörden "und sogar die Kommission selbst". - Die EU wies schließlich die französische Beschwerde ab und der Bau des Flughafens konnte beginnen.

Juli 1996: Baubeginn

Der Spatenstich erfolgte im Juli 1996. Während der fünfjährigen Bauzeit waren am Flughafengelände an die 10.000 Menschen beschäftigt. Im Zuge der Bauarbeiten wurde u.a. eine prähistorische Siedlung abgetragen; ein orthodoxes Kirchlein musste um einige hundert Meter versetzt werden.
„Elefthérios Venizélos“ zählt zu den modernsten Flughäfen Europas. Der Airport besitzt zwei Start- und Landebahnen von je 4.240 Metern Länge. Er erreicht eine Kapazität von 65 Flugbewegungen pro Stunde. Jährlich können 16 Millionen Fluggästen abgefertigt werden; in der letzten Ausbaustufe wird sich diese Zahl auf 50 bis 60 Millionen Passagiere erhöhen. Im Olympia-Jahr 2004 wurden 13,6 Millionen Passagiere abgefertigt, 1,4 Millionen mehr als im Jahr zuvor.
Die Heimatbasis der beiden größten griechischen Fluggesellschaften Olympic Air und Aegean Airlines sowie auch der kleineren Hellenic Imperial Airways befindet sich in Athen. Regelmäßige tägliche innergriechische Verbindungen von Athen sind Alexandroupolis, Chania, Chios, Ikaria, Ioannina, Kalymnos, Karpathos, Kavala, Kefalonia, Korfu, Kos, Kythira, Limnos, Leros, Milos, Mykonos, Naxos, Paros, Rhodos, Samos, Santorin, Thessaloniki und Zakynthos täglich angeflogen (Stand: November 2010). Aus deutschsprachigen Ländern wird Athen direkt von Austrian Airlines, Lufthansa, Swiss, Aegean Airlines, Germanwingsund easyJet angeflogen. Angebotene Langstreckenflüge gehen nach Nordamerika und Asien.

Service
Autovermietung, Touristeninformation, Banken, Geldautomaten und Geldwechsel sind in beiden Terminals zu finden. Weiterhin gibt es eine Post, 90-minütiges kostenloses WLAN, ein Business Center, Kinderspielbereich, Wickelräume, Schließfächer und Gepäckservice. Außerdem verfügt der Flughafen über ein eigenes Hotel, das Sofitel Athens Airport Hotel.

(Autor: Griechenland Zeitung)

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