Unser „woofing“ in Griechenland 2014 in Koroni/Peloponnes

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Unser „woofing“ in Griechenland 2014 in Koroni/Peloponnes

Vor zwei Jahren etwa lasen wir einen Bericht in der Frankfurter Rundschau über „woofing“ in Griechenland. Eine Internet-Adresse war angegeben (www.wwoof.gr). Wir erkundigten uns, meldeten uns an und versuchten ab Ende 2013 Kontakt zu Gastgebern zu bekommen, um für eine bestimmte Zeit dort zu arbeiten gegen Kost und Logis. Da wir schon etwas älter sind (70 und 75 Jahre) hatten wir selbst Bedenken, aber es hat geklappt.

Ende April 2014 war es soweit. Von Patras aus fuhren wir in Richtung Westen und weiter nach Süden. In Koroni wurden wir schon erwartet.
Wir hatten mit unseren Gastgebern, Kiki und Vasilis vereinbart, dass wir ihnen in Haus und Garten 14 Tage lang für 4 bis 5 Stunden pro Tag zur Hand gehen und dafür konnten wir bei ihnen umsonst wohnen. Es gab auch freie Kost, allerdings wollten wir – und die Beiden auch – gern allein frühstücken. Dies „besprachen“ wir per Mail in den Wochen davor. Abends waren wir nicht immer zusammen, aber das ergab sich so durch unsere Unterkunft. IMG 3314-1
Ein Mittwoch war unser erster Arbeitstag. Walter half Vasilis beim Bäume kürzen. Um bessere Sicht zum Meer zu haben, müssen sie ab und zu zurückgeschnitten werden. Ich half beim Einsammeln der Bambusrohre, die jedes Jahr übers Meer angeschwemmt werden. Bis zu einem bestimmten Tag dürfen sie am Strand verbrannt werden. Um das Haus herum sind 2.000 m² zu versorgen.
Wir wurden immer um 10 Uhr erwartet. Gegen 11.30 Uhr rief Kiki zur „Coffee-time“. Obst, Gebäck und Kaffee standen bereit. Gegen 14 Uhr /14.30 Uhr oder später, je nachdem, hieß es: „Lunch-time!“ Da gab es dann meist typisch griechisches, leckeres Essen. Kiki kocht gern und gut! Danach war unser Einsatz auch schon vorbei.
Ja, so ging es alle Tage. Wir haben auch Zitronen-Marmelade gekocht, aber meistens im Garten gearbeitet. Im Olivenhain fielen zur Zeit keine Arbeiten an.
Die Unterhaltung verlief in englischer Sprache.
Wir wohnten in einem Holzhaus, (anzusehen unter www.airbnb.com/rooms/624663) etwa 3 km entfernt von unseren Gastgebern. Die erste Fahrt dorthin werden wir nie vergessen. Nach einem halben Kilometer ging es bergan, auf zum Teil unbefestigten Wegen, mit hohem Gras, kratzenden Stauden unter dem Auto, und es nahm für uns kein Ende! Wir dachten: nie mehr wieder mit dem Auto hier hoch!! Wir lassen das Auto unten und laufen. Das hat sich aber bald gegeben!
Das Holzhaus bestand aus einem Raum mit Betten am Boden, einer großen Küche, Couch, Sessel, Esstisch mit vier Stühlen und separater Toilette mit Dusche.
Das „wooden house“ wurde von Vasilis und seinen Kindern selbst gebaut. Es ist gemütlich und freundlich eingerichtet. Mittendrin ein hübscher Kachelofen! Außen herum eine Steinterrasse und ein riesiger Holzbalkon.
Es war ganz wunderbar ruhig da oben und abseits, ganz wohltuend! Eines Morgens saßen wir auf der Terrasse in der Sonne, Kaffeetasse in der Hand und sahen nur einfach in die Wiese vorm Haus. Da tauchte, ganz scheu, ein Tier ähnlich einem Fuchs, aber mit hohen Beinen und einem anderen Schwanz auf. Es verzog sich aber sofort wieder. Dies muss ein Schakal gewesen sein, laut unserem Griechenland-Natur-Buch.
Vor Schlangen nahmen wir uns in Acht. Eine dicke, fette Schleiche erschreckte uns einmal und zwei Schlangen verkrochen sich schnell. Salamander wieselten nur so ums Haus! Natur pur!
Der Blick, besonders am Abend zum Taygetos-Gebirge hinüber und nach Koroni hinunter, der war einmalig schön!
In der letzten Woche wollte sich auch noch ein Gecko einquartieren, aber das mochten wir dann doch nicht. (Später erfuhren wir, dass der Gecko anderes, unerwünschtes Getier vertilgt!)
Das Holzhaus, mitsamt dem Geländer haben Walter und ich auch noch, da wo es für uns möglich war, angestrichen.
Mit unseren Gastgebern verstanden wir uns bestens. Wir fanden viele Gemeinsamkeiten. Vasilis hat eine große Holzwerkstatt. Er hat Möbel selbst gebaut und auch sehr schöne und verschiedene Schmuckstücke angefertigt. Er gibt auch Kurse in Holzbearbeitung. Walter arbeitet gern mit der Laubsäge. Er sägte, noch während seiner Arbeitszeit, die Motive für eine Weihnachtspyramide von 1,80 m Höhe und viele andere Dinge, auch Spielzeug für die Enkel. Kiki kocht gern und gut, unterhält einen Koch-Blog und organisiert die Vermietung ihrer Ferienwohnungen. Organisation und Kochen sind auch meine Stärken!
Wir erfuhren auch einiges über die derzeitige Situation in Griechenland. Über Gehaltskürzung, Kosten und ihre Lebenssituation. Vasilis’ Rente wurde um ca. 700 € gekürzt. Die Verbindlichkeiten aber blieben oder wurden erhöht. Sie jammern nicht, sondern suchen Möglichkeiten, mit der Situation fertig zu werden, z.B. durch Verkauf von Eigentum (Land) bzw. Vermietung auch der eigenen Wohnung.
Wir blieben noch eine Woche in Koroni, ohne Arbeit. Wir luden Kiki und Vasilis ins Holzhaus ein und kochten ein Menü, zusammengestellt auf die Möglichkeiten, die wir hatten und nachdem wir in Kalamata den reichhaltigen Wochenmarkt besuchten.
Der Abschied nach drei Wochen fiel uns allen schwer!
Die Gegend um Koroni bietet Möglichkeiten zum Schwimmen (feiner Sandstrand), zur Besichtigung der Festung Methoni, zum Spaziergang an einer Lagune, zum Wandern an Wasserfällen und vieles mehr.
Es war wieder eine schöne und gute Zeit in Griechenland. Wir sind sehr froh, dass wir dieses Experiment (in unserem Alter!) gewagt haben. Nachahmung wärmstens empfohlen!

Im Anschluss bereisten wir die Mani, besuchten in Githio den Biohof Karababas  (www.biohof-karababas.com), von dem wir zweimal im Jahr unser Olivenöl beziehen. Über Nafplio und einen Aufenthalt in Athen, fuhren wir über den Norden der Peloponnes (Lechaio und Kalavrita) wieder zur Fähre nach Patras.
 
Christina Erlacher aus Darmstadt
Oktober 2014

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