Gericht auf Kreta spricht deutschen Historiker frei

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Gericht auf Kreta spricht deutschen Historiker frei

Der deutsche Historiker Heinz Richter wurde am Mittwoch vom Gericht in Rethymnon auf Kreta freigesprochen. Vorgeworfen hatte man ihm die Leugnung von Verbrechen der Nazis „zu Lasten der kretischen Volkes“. Der Prozess hatte im November 2015 begonnen. Die Anklage basierte auf einem im August 2014 verabschiedeten Gesetz, wonach Leugner von Völkermorden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit – die als solche vom Parlament anerkannt worden sind – strafrechtlich verfolgt werden können.

Ins Leben gerufen wurde dieses Gesetz u. a. aus dem Kalkül heraus, Aktivitäten der im Parlament vertretenen faschistischen Partei „Goldene Morgenröte“ (Chryssi Avgi) eindämmen zu können. Diese leugnen zum Teil den Holocaust. Richter war allerdings die erste Person, die sich auf der Grundlage dieses Gesetzes vor Gericht verantworten musste. 

Das Gericht begründete seine Entscheidung, den deutschen Historiker freizusprechen, u. a. damit, dass die gegen ihn ausgesprochenen Vorwürfe nicht auf Tatsachen basieren würden. Richter hätte mit seinen Aussagen „keinen Hass auf das kretische Volk“ hervorrufen wollen – wie es in der Anklage geheißen hatte. Außerdem hat sich der leitende Richter auf die „Freiheit der akademischen Meinungsäußerung“ bzw. der Wissenschaft bezogen. Richter selbst konstatierte am Donnerstag gegenüber der Griechenland Zeitung, er habe „grenzenlose Erleichterung“ nach dem Urteilsspruch empfunden. Nun hätten „15 Monate mit unglaublichen Angriffen und Verleumdungen endlich ein Ende“.
Gegenstand der Kritik war das Buch „Operation Merkur: Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941“. Darin hatte der 1939 in Heilbronn geborene Historiker u. a. festgestellt: „Damit ist die Schlacht um Kreta der letzte ‚saubereʻ Feldzug des Zweiten Weltkrieges, aber zugleich der Beginn der ‚schmutzigenʻ Kriegsführung, die durch Partisanenüberfälle und Repressalien geprägt ist.“ Diese Formulierung war auf Kreta, wo während des zweiten Weltkrieges zahlreiche Verbrechen durch die deutschen Besatzer verübt worden sind, auf heftigen Widerstand gestoßen. Außerdem wiederholte Richter in seiner Publikation die Auffassung, dass der Widerstand in Griechenland generell keine entscheidende Verzögerung für den Feldzug gegen die Sowjetunion nach sich zog und nannte diese Interpretation „eine Legende“. Ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten war der Geschichtswissenschaftler mit seinem Buch „Operation Merkur“ vor allem durch die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Kreta im November 2014. Der „Verband der Opfer der Nazi-Besatzung von Rethymnon“ hat unterdessen angekündigt, beim griechischen Höchstgericht Areopag eine Aufhebung des Urteils gegen Richter („nicht schuldig“) anzustreben.


Elisa Hübel

Foto: © privat HR

 

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